Gründertypen – Von der Idee bis zur eigenen Unternehmensgründung

Gründertypen – Ein Unternehmen zu gründen, sein eigenes Ding zu machen, selbst- statt fremdbestimmt zu arbeiten – für viele Studierende und Absolventen ist dies eine faszinierende Vorstellung. Wir stellen regelmäßig Gründer vor, die sich getraut haben und fragen danach, inwieweit ihr Studium sie auf das Unternehmersein vorbereitet hat.

Political Ambitions – „Flüchtlinge Willkommen

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Die drei Gründer von „Flüchtlinge Willkommen“: Golde Ebding, Mareike Geiling und Jonas Kakoschke. Die Fragen beantwortet uns Mareike.

Würdest du uns bitte euer Projekt erläutern?
Unsere NGO „Flüchtlinge Willkommen“ bringt Wohnraumgebende und geflüchtete Menschen zusammen, um ein privates Zusammenleben zu initiieren. Wir beantworten Fragen des Zusammenlebens und bereiten die Kostenübernahme durch Ämter vor. Wir kritisieren die zentrale Unterbringung in Massenunterkünften, die Menschen stigmatisiert und ausgrenzt, und setzen uns politisch für eine dezentrale Unterbringung ein. Langfristig möchten wir dazu beitragen, eine offene Gesellschaft zu gestalten, in der ein solidarisches Miteinander und ein Zusammenleben auf Augenhöhe als selbstverständlich gelten. Mittlerweile haben wir Büros in Berlin, Hamburg und Leipzig sowie mit „Refugees Welcome International“ ein internationales Netzwerk, zu dem 13 weitere Länder zählen, in denen das Konzept mit Unterstützung des deutschen Teams adaptiert wurde. Neben zwölf europäischen Ländern zählen auch Australien und Kanada dazu.

Was im Studium erlernte hat dir beim Gründen geholfen – und was hat dich vollkommen unvorbereitet getroffen?
Vor allem die mit dem Studium verbundenen Praktika, die ich in verschiedenen Ländern (Togo, Palästina, Äthiopien) und bei verschiedenen Institutionen absolviert habe, sowie meine Auslandssemester in Argentinien, haben mich mit Themen wie Globalisierung, unfaire Handelsbeziehungen sowie Fluchtursachen in Kontakt gebracht. Das Studium hat diese Erfahrungen durch Theorie und Wissenschaft erweitert. Praktische Skills hat mir mein geisteswissenschaftliches Studium eher weniger vermittelt, diese habe ich dann erst bei meinen ersten Arbeitserfahrungen gesammelt. Als ich zum Beispiel meine erste Pressemitteilung geschrieben habe, merkte ich, dass ich das niemals irgendwo geübt hatte – trotz eines Germanistik-Studiums. Ich würde mir für Studierende wünschen, dass die Verzahnung von Praxis und Theorie viel enger ist – nicht nur durch Praktika, sondern durch eine kontinuierliche und umfassende Begleitung durch Berufstätige. Themen wie Teamdynamiken, die herausragenden Pfeiler Technik und Design, eine Einführung in Buchhaltung bzw. Finanzen, die Interaktion mit anderen Playern im gleichen Bereich, et cetera hätten meinem Studium sehr gut getan.


Coolar der Kühlschrank mit Solarkühlung

Coolar bietet auf Wasserbasis verlässliche Kühlung.

Würdest du uns bitte dein Produkt erläutern?
1,2 Milliarden Menschen leben ohne Zugang zu Elektrizität. Alle konventionellen Kühlschränke brauchen aber Strom, das heißt in den betroffenen Entwicklungsregionen gibt es kaum Zugang zu verlässlicher Kühlung. Das ist besonders kritisch, wenn lebensrettende Medizin und Impfstoffe für die Menschen dort eine kühle Lagerung benötigen. Es führt zu immensen wirtschaftlichen und humanitären Kosten. Coolar entwickelt einen Kühlschrank, der rein auf Wasserbasis, völlig ohne Strom nur durch die Wärme der Sonne verlässliche Kühlung für Medizin und Impfstoffe bietet. Erstes Interesse gab es bereits von NGOs und konventionellen Kühlschrankherstellern.

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Entwicklerin Julia Römer

Was im Studium Erlernte hat dir beim Gründen geholfen – und was hat dich vollkommen unvorbereitet getroffen?
Mein Wirtschaftsingenieurstudium war sehr breit aufgestellt. Es hat die Ingenieursgrundlagen gelegt, immerhin habe ich dort die Technologie von Coolar kennengelernt. Aber auch die wirtschaftwissenschaftlichen Grundlagen, die dort erlernten Methoden sowie die Projektmanagement-Kurse helfen beim Gründen ungemein weiter. Die Breite des Studiums trainiert das schnelle Einarbeiten in neue Themen, was täglich gefordert wird. Worauf einen das Studium nicht vorbereiten kann, ist die Geduld, die man braucht und auch den Mut, das Ganze durchzuziehen. Daher wünsche ich mir noch mehr Beispiele im Studium, die nicht auf eine Konzernkarriere abzielen, sondern auf das Gründen eingehen und ihre Erfahrungen teilen.


Es werde Licht

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Lumizil-Gründerin Lena Schaumann

Was verbrigt sich hinter deinem Geschäftsmodell?
Lumizil ist einer der schnellsten und größten Onlineshops für Lampen in Europa mit einer Auswahl an 20.000 Lampen. Inspiration, Entscheidung, Bestellung, Versand – all das geht in wenigen Minuten, damit die neue Lieblingsleuchte schon am nächsten Tag über dem Esstisch hängt. So ermöglichen wir das Einrichten über Nacht. Und weil selbst 24 Stunden manchmal zu lang sind, gehen wir noch einen Schritt weiter: Ungeduldige können ihre neue Lampe sofort in unserem Store-in-Store im Möbelhaus abholen. Im ersten „begehbaren Online-Shop“ kann der Kunde außerdem unsere Bestseller vor Ort erleben, sich von Lichtexperten beraten lassen und an iPads und Flatscreens jederzeit im gesamten Sortiment shoppen.

Was im Studium erlernte hat dir beim Gründen geholfen – und was hat dich vollkommen unvorbereitet getroffen?
In meinem Studium wurde ich auf sämtliche Basics, wie beispielsweise Buchführung, Steuerrecht, Arbeitsrecht und Marketing vorbereitet. Diese Grundlagen waren für die Anfangsphase wirklich hilfreich. Detaillierteres Wissen eignet ich mir durch ,Learning by Doing’ im Gründeralltag an. Worauf ich nicht vorbereitet wurde, war das Thema Human Ressources, Recruitung und Führung. Angestellte zu haben, zu führen, zu leiten und zu motivieren war für mich am Anfang eine kleine Herausforderung und ich habe viel nach Bauchgefühl entschieden.

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