Job und Karriere nicht zu ernst nehmen

„Karriere nach dem Pantoffeltierchen-Prinzip“ empfiehlt Tanja Mair­hofer (38) in ihrem neuesten Buch. Die Autorin ist bekannt geworden als VIVA-Moderatorin und agiert seit über 10 Jahren als festes Ensemblemitglied der mehrfach ausgezeichneten „Sendung mit dem Elefanten“ beim WDR. Ihre Ein- und Ansichten zum Thema Job & Beruf machen deutlich, dass man die eigene Karriere bloß nicht zu ernst nehmen sollte.

Im Job kann nicht immer alles gut sein, weil da viele Vögel mit unterschiedlichen Vorstellungen aufeinandertreffen, die alle Sachen voneinander erledigt haben wollen, und zwar pronto. Jeder meint, seine Aufgabe hätte höchste Priorität, und da liegt der Hund begraben. Das Eichhörnchen in mir kriegt bei zu viel „wichtig, wichtig“ Schaum vorm Mund. Bei vielen meiner Jobs in der Unterhaltungsbranche hätte ich gerne ein Megafon in die Hand genommen und reingeschrien: „Herrschaften, herhören! Nicht so wichtig nehmen! Weitermachen!“ Sorry Kollegenschaft, aber gibt’s denn etwas Unwichtigeres als uns? Keiner von uns muss eine schwere Herztransplantation meistern, wird die Welt verändern oder erfindet ein Mittel gegen Krebs.

Viele tun aber so, als würde es um Leben und Tod gehen. Die schlechte Nachricht für all jene: Wir werden nicht in die Geschichte eingehen. Die gute Nachricht: Wir werden nicht in die Geschichte eingehen. Daher entspannen, Partytröten rausholen und Spaß haben am gemeinsamen Voranbringen von Dingen.

Es ist effizienter, wenn man mit Freude an eine Sache rangeht

Geht zum Beispiel ganz gut bei der Kindersendung, die ich seit zwölf Jahren mache, der „Sendung mit dem Elefanten“. Wir sind streckenweise bei der Arbeit krass doof und sehr infantil, nicht nur vor der Kamera. Mein Elefanten-Kollege André hat mich schon 100.000 Mal zum Lachen gebracht. Wie ich finde, sieht man der Sendung diese Leichtigkeit auch an. Die Kinder mögen es so und wir auch. Es ist wesentlich effizienter, wenn die Leute mit etwas Freude an die Sache rangehen, anstatt die Hosen voll zu haben, weil der Chef im nächsten Moment wieder ausrasten könnte. Solche Aggro-Alphatierchen gibt’s leider immer noch. Schön blöd, denn Angst, Schrecken und Panik waren noch nie gute Motivatoren. An dieser Stelle möchte ich den einstigen Vorstandschef der Lehman Brothers Richard „Dick“ Severin Fuld Jr. zitieren: „Ich werde ihnen die Herzen herausreißen und sie aufessen, noch bevor sie Zeit hatten zu sterben.“ Ich glaube, jeder hat mitgekriegt, was aus seiner Klitsche geworden ist, und da sind wir uns wahrscheinlich auch einig: ein Riesena… “!%/($§“$%. Mit diesem A…“!%/($§“$% sitzt er auf einem Privatvermögen von 100 Millionen Dollar. Und das sind Peanuts im Vergleich dazu, was er früher hatte, bevor er mit seinen Jungs die Weltwirtschaft an die Wand gefahren hat. Da war die Geldbörse eine Milliarde Dollar schwer. Wie viele Nullen das sind, weiß ich jetzt auch nicht. Egal. Checkt das mal aus.

Ihr seht jedenfalls, man muss kein Ned Flanders sein, um nach ganz oben zu kommen. Jede dritte Chefin/jeder dritte Chef ist dem Doof ihre/sein autoritäre/-r Tochter/Sohn. Auch wenn sie/er nur den Fischsemmelstand aufm Oktoberfest innehat, so geht’s bei ihr/ihm um Leben und Tod bzw. Matjes und Hering. Geführt wird nach der Vorschlaghammermethode. Gefühle und Empathie gehen gar nicht, die könnten nämlich das Business versauen.

Wer sagt eigentlich, wie man sich am Arbeitsplatz zu verhalten hat und warum da keine Gefühle im Spiel sein dürfen? Aber machen wir uns nix vor, wer im Meeting flennt, tut sich und seiner Karriere keinen Gefallen, außer es ist eh schon wurscht wie bei Herrn Copy-and-Paste zu Guttenberg. Der war nicht nur beim Verfassen meiner wissenschaftlichen Arbeiten ein großes Vorbild für mich, auch seinen Abgang hätte ich nicht schöner inszenieren können mit „Smoke On The Water“ und ein paar Tränchen im Knopfloch. Aber wehe eine Frau in der Liga hätte das gemacht! Diese Dame hätte eindeutig den Stempel von „Kontrolle verloren“ und „gefühlsduselig“ gehabt. Im Wahlkampf bei Frau Clinton ging mir das sehr auf den Zeiger, weil sie oft als gefühlskalt deklariert wurde. Ich bin mir sicher, hätte sie mehr Gefühl gezeigt, hätte es Scheißstürme gehagelt.♡ ☜ ☝ Obwohl’s zum Heulen ist, aber in der Chefetage wird nicht geheult. Das erwartet man von einem durchgeknallten Theaterschauspieler, aber nicht vom Heinz und von der Gerlinde auf’m Chefsessel.

Job und Karriere – Mehr Ellbogenkämpfe in flachen Hierarchien

Wie der antike Gelehrte Lothar Matthäus einst zu sagen pflegte: „Wir dürfen nicht den Sand in den Kopf stecken“, denn zwei von drei Chefs sind integre Typen. Yay! Von manch einem dieser Typen lasse ich mir auch gerne etwas sagen. Bewerft mich bitte nicht mit Tomaten, aber ich habe nichts gegen Hierarchien.

Meiner Erfahrung nach gibt es in sogenannten flachen Hierarchien viel mehr Ellbogenkämpfe als in den vertikalen, da irgendeiner dann doch immer meint, er müsse den Chef raushängen lassen. Wenn’s klar definiert ist, tut sich die Gruppe leichter und Entscheidungen können schneller gefällt werden. Wenn der, der mehr zu melden hat, dann auch noch mehr draufhat und weiß, wie man das Beste aus dem Rest rausholt, dann macht Hierarchie auch Sinn. Aber leider, leider, leider sind die da oben nicht immer die, die mehr draufhaben oder es gut mit einem meinen.

Ich war mit Anfang 20 auch um einiges doofer als heute

Da ich in Sachen berufliche Selbstvermark­tung ein Pantoffeltierchen bin, dachten einige Leute immer wieder, dass man mir dringend die Welt erklären müsse. Mit welchem diplomatischen Schachzug habe ich in der Regel auf so etwas reagiert? Beleidigt sein. Ich konnte noch so viel Berufserfahrung und Expertise mitbringen, man wollte mir das nie so wirklich abnehmen. Das lag auch daran, dass ich lange Zeit wesentlich jünger aussah und nicht so oft den großen Zampano habe raushängen lassen. Wenn ich das versucht habe, ging der Schuss meist nach hinten los, denn jeder hat sofort gemerkt, dass ich mich gerade etwas ungelenk selbst feiern möchte.  Grundsätzlich kam erschwerend hinzu, dass ich mich selbst nicht immer so ernst genommen habe. In einer heiteren Wirtshausrunde ist das zwar ein klarer Vorteil, aber im Unternehmen ist man damit schnell die Hauptverantwortliche für Kaffee und Kuchen. Die gute Nachricht: Es wird mit den Jahren etwas besser. Die schlechte Nachricht: dann aber auch wieder schlechter. Die Hoffnung: Es könnte irgendwann gut bleiben. Ihr fragt euch jetzt bestimmt: Was will diese Frau mir da erzählen? Das frag ich mich auch.

Mit den Jahren besser geworden ist Folgendes: Mittlerweile verdiene ich seit fast 25 Jahren mein eigenes Geld und habe deshalb auch schon einiges gestempelt, gestemmt und gesehen. Das Problem mit dem Viel-jünger-Aussehen hat sich nun erledigt und so ein bisschen Know-how kann mir in der Mitte meines Lebens nicht mehr so schnell streitig gemacht werden. Auch wenn man mich nicht immer für voll nimmt, so nehme ich mich immer öfter für voller. Das ist dann in Summe schon mal einer. Außerdem durchschaue ich nun ziemlich schnell, wie viel jemand draufhat, und lasse mich nur mehr von Leuten beeindrucken, die tatsächlich Wow sind. Oma zum Beispiel. Obwohl man mit den Jahren manchmal ein Quäntchen mehr Respekt bekommt, so gibt’s genug Branchen, in denen das irgendwann mal wieder kippt und man ab 50 schon zum alten Eisen gehört. Mark Zuckerberg hat leider etwas zu früh zu viel zu melden gehabt, denn im Jahr 2007 sagte der damals 22-Jährige bei einem Vortrag an der Uni Stanford: „Ich möchte betonen, wie wichtig es ist, jung und technisch begabt zu sein. Junge Leute sind einfach smarter.“ Die Aussage allein zeigt schon, wie krass doof junge Menschen sein können. Da nehme ich mich gar nicht raus. Ich war mit Anfang 20 auch um einiges doofer als heute und hatte zudem das Pech, dass Kameras manche Dummheit aufgenommen haben. Ging den anderen Kollegen aus dem Musikfernsehen genauso. Mehrere haben sich blamiert und mittlerweile machen sich viele Youtube-Stars zum Horst. Vielleicht werde ich das Gleiche über mein heutiges Ich denken, wenn ich mit 60 das Buch schreibe „Scheiß drauf, jetzt ist es auch schon egal“. Kann sein, dass ich euch davon erzählen werde, wie sehr ich mich gerade jetzt blamiere.

Wir werden schlauer

Sogar während ich dieses Buch hier schreibe, musste ich Aussagen neu überdenken, die ich vor ein paar Monaten noch gut fand, weil ich in der kurzen Zeit schon wieder dazugelernt hatte. Sind das mal nicht fabelhafte Aussichten?! Wir werden vielleicht nicht fitter, aber schlauer! Ältere Regierungsoberhäupter, Chefärzte und Stardirigenten haben außerdem das, was der Jugend immer fehlt, und zwar Gelassenheit und, ganz wichtig, ein höheres Qualifikationsniveau. Eat this, Zuckerberg! Du wirst bestimmt auch noch schlauer, ganz sicher. Obwohl es diese Altersdiskriminierung in so vielen Branchen gibt, so wird sich in den nächsten Jahren einiges ändern müssen, weil wir wegen des demografischen Wandels alle alt werden und uns ja nicht alle gegenseitig diskriminieren können, das macht keinen Sinn. Die Youngsters sind dann in der Minderheit und wir mit unseren Gehhilfen und Segways auf der Überholspur. So stell ich mir das vor. In der Art.


Titelbild: © Alan Ovaska

Share.