Berufseinsteigerfrage: Führungskräfte im Digitalen Zeitalter

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Auge um Auge: Pures Leistungsstreben und Ellbogenmentalität lehnen junge Menschen heute im Führungsstil meist ab.

Mittlerweile klaffen die Wertvorstellungen “alteingesessener” Chefs und junger Berufseinsteiger häufig weit auseinander

Mareike B. (27): „Ich absolviere derzeit ein Traineeship in einem großen Unternehmen, das auf eine Führungsposition vorbereitet. Des Öfteren führen jetzige Führungskräfte Seminare und Coachings durch. Am Anfang dachte ich, dass es nur Vorteile mit sich bringt, von meinen Chefs zu lernen. Mit der Zeit ist mir jedoch aufgefallen, dass ich ihre Wertvorstellungen nicht zu 100 Prozent teile: Pures Leistungsstreben und Durchsetzungsstärke setzen das Team eher unter Druck als dass sie förderlich wirken. Ich und meine jüngeren Mitarbeiter – sprich die typische Generation Y – finden: Kommunikation auf Augenhöhe und gegenseitige Wertschätzung sind viel wichtiger. Das gilt vor allem in Zeiten der Digitalisierung, in denen wir viel flexibler arbeiten müssen. Wie kann ich ‘alte’ und neue Werte zusammenbringen und selbst zu einer guten Führungskraft werden?”

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Barbara Liebermeister begann als Managementberaterin im Marketing und Vertrieb internationaler Konzerne wie Christian Dior und L‘OREAL. Sie ist erfolgreiche Gründerin und Leiterin des wissenschaftlichen Instituts für Führungskultur im digitalen Zeitalt

Liebe Mareike, vielen Dank für deine Frage. Dazu möchte ich zunächst darauf eingehen, wodurch sich junge Menschen der Gen Y eigentlich auszeichnen. Oft ist sie speziell im beruflichen Kontext mit den Vorurteilen konfrontiert, nicht hart arbeiten zu wollen oder nicht begeisterungsfähig zu sein. Zudem gehe es ihnen doch eh nur um Casual Fridays, mehr Urlaub und viel Geld für wenig Arbeit – das stimmt so natürlich nicht.

Die Generation Y ist genauso heterogen wie andere Generationen zuvor!

Das kann ich aus meiner Erfahrung als Managementberaterin sagen. Die Gen Y hat ihre eigenen Werte, die aus ihrem gesellschaftlichen Umfeld resultieren. Die Mehrheit von ihr ist in der gesunden Mittelschicht aufgewachsen. Sie sieht, wie hart ihre Eltern gearbeitet haben, und beschließt für sich, dass sie ihr Leben nicht so gestalten will. Das heißt, dass Leistungsdruck und unbedingtes Geldverdienen nicht an allererster Stelle stehen. Es geht ihnen um mehr Ausgewogenheit zwischen Arbeit und Freizeit. Das finde ich sehr gesund. Solche Denker lockern unsere extrem leistungsorientierte Gesellschaft auf.

Zudem hat die Gen Y eine hohe technische Auffassungsgabe. Sie kann die neuen Medien effizienter nutzen, da sie mit ihnen aufgewachsen ist – daher die Bezeichnung Digital Natives. In Zeiten, in denen fast alle Unternehmen ihre Digitalstrategien ausbauen, ist das eine gefragte Fähigkeit. Denn Arbeitgeber brauchen Mitarbeiter mit diesen natürlichen Umgang und der Flexibilität mit der Onlinebranche. Dafür verlangen diese Mitarbeiter ein flexibleres und hierarchiefreieres Arbeiten.

Die heutigen Führungskräfte tun sich oft schwer, ihre althergebrachten Werte aufzugeben

Wenn ich es gewohnt bin, der Herr im Hause zu sein, ist es nicht leicht, eine andere oder neue Haltung einzunehmen. Diese Einstellung werden sie zwangsläufig ändern müssen. Führungskräfte müssen lernen, wie man Ihre Generation begeistert und motiviert. Genau darauf lege ich den Fokus in der Zusammenarbeit mit Führungskräften. Ich versuche zu vermitteln, dass sich Führungskräfte als Teil des Teams sehen sollten. In diesem Team hat jeder seine Rolle, die anhand seiner Kompetenzen festgelegt wird. Das kann bedeuten, dass Führungskräfte projektabhängig ihre Position abgeben müssen. Außerdem sollten sie sich ernsthaft bemühen, ihr Gegenüber wertschätzend zu behandeln und den Fokus auf Stärken anstatt Schwächen zu legen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, Führungskräfte schrittweise zu sensibilisieren.

Ich arbeite mit Unternehmern aus unterschiedlichsten Branchen zusammen. Dabei habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass wir alle verlernt haben, auf uns selbst zu schauen. Aber nur so gelingt es uns, unsere eigenen Stärken zu erkennen und schließlich als Führungskraft eine Marke darzustellen – die inspirierend auf andere wirkt. Denn ich als Marke sollte mir kontinuierlich bewusst machen, welche Expertisen und Erfahrungen ich besitze. Ich frage in meinen Beratungen meinen Gegenüber nach seinen Stärken und mache ihm bewusst, was ihm noch nicht bewusst geworden ist. Im nächsten Schritt verdeutliche ich ihm in einem Rollentausch, wie er sich verhält und wie dieses Verhalten auf andere wirkt. Dadurch erkennen sie selbst, woran sie arbeiten müssen und wie sie durch eine veränderte Haltung positivere Reaktionen erzielen können.

Es gibt kein festgelegtes Bild und oder eine Anleitung, wie eine gute Führungskraft aussieht

Sie arbeiten mit Menschen zusammen und sind selbst ein Mensch. Reflektieren Sie Ihr Verhalten und werden Sie sich stets über Ihre Wirkung auf Ihre Mitmenschen bewusst. Mitarbeiter werden von dem Verhalten von Führungskräften motiviert. Auf Augenhöhe kommunizieren, sich empathisch auf die Mitmenschen einstellen, sich aber auch darüber bewusst sein, wer man ist und was man kann – diese Komposition macht für mich eine gute Führungskraft aus.

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