Interview: Bettina Karsch über weibliche Karrierewege bei Vodafone

© criene/photocase.com, Bettina Karsch, Karrierewege bei Vodafone

Bettina Karsch über Karrierewege bei Vodafone: ” Wir wollen mehr Frauen.”

Mentoring und die Investition in das social capital

Wer mehr weibliche Manager in Top-Positionen bringen möchte, steht als Arbeitgeber vor der Herausforderung, die internen Karrierewege besser auf die Bedürfnisse von Frauen zuzuschneiden. Ein wichtiger Baustein dabei ist das Mentoring. Wir schauten uns um, wie talentierte Absolventinnen heute gefördert werden und besuchten dazu unter anderem Vodafone. Den Anfang macht ein Interview mit Bettina Karsch von Vodafone.

Warum ist es für Vodafone so wichtig, weiterhin auch gezielt Frauen anzusprechen – der Anteil an weiblichen Mitarbeitern ist doch bei Vodafone durchaus hoch?
Strategisches Talent-Management heißt für Vodafone, dafür zu sorgen, die richtige Person am richtigen Platz zur richtigen Zeit einzusetzen – unabhängig vom Geschlecht. Im Wettbewerb zählen die besten Köpfe – Männer wie Frauen. Heute beschäftigt Vodafone bundesweit bereits 39 Prozent Frauen. In einem historisch männlich dominierten, tech­nischen Umfeld mag das heute durchaus hoch erscheinen, uns reicht das aber nicht. Wir wollen mehr Frauen! Insbe­sondere in der Führungsebene liegt der Frauenanteil derzeit bei 18,5 Prozent. Das reicht uns nicht. Bis 2020 wollen wir 30 Prozent erreichen.

Das ist ein ambitioniertes Ziel, dies in so kurzer Zeit zu realisieren. Welche Gründe sehen Sie dafür, dass es in der Vergangenheit zu wenig Frauen in absolute Führungspositionen geschafft haben? Fakt ist, dass sich bis heute viele Frauen entscheiden müssen, ob sie Karriere oder Familie wollen. Damit sich das ändert und beides machbar ist, haben wir bei Vodafone viele Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie geschaffen, die sehr gut ange­nommen werden. Unsere spezifischen Talentprogramme wie zum Beispiel women@vodafone, aber auch unsere Initiativen gegen unbewusste Vorurteile in der Personalführung werden den Anteil von Frauen in Führungspositionen weiter erhöhen.


“Mentoring ist eine wichtige Säule für die Karriereentwicklung”

Bettina Karsch, Geschäftsführerin Human Resources von Vodafone Deutschland


Da Sie women@vodafone ansprechen: Dabei handelt es sich um eine Initiative, die Einsteigerinnen Mentorinnen zur Seite stellt. Warum sind Mentorinnen für Frauen wichtig?
women@vodafone ist ein Talentprogramm, das die Entwicklung von talentierten Frauen sowohl on-the-job als auch off-the-job fördert. Darunter gibt es auch ein Mentorenprogramm. Viele Studien und auch unsere eigenen Erfahrungen zeigen, dass Mentoring eine wichtige Säule für die Karriereent­wicklung ist. Frauen müssen noch mehr in ihre Netzwerke und ihr ,social capital’ investieren – aber auch für Männer bieten wir Mentoring an. Mentoring ist wichtig, um sich cross-funktional zu vernetzen, mehr Visibilität zu gewinnen und von der Erfahrung und dem Wissen älterer Kollegen zu profitieren.

Wie dürfen wir uns das konkret vor­stellen: Auf welche typischen Fragestellungen trifft eine hochqualifizierte Absolventin bei Vodafone nach ihrem Berufseinstieg und wie hilft eine Mentorin ihr dabei?
Nach dem theoretischen Studium stehen Absolventinnen vor der Herausforderung des Berufsalltags. Bei Vodafone arbeiten sie eigenverantwortlich und gestalten ihre Aufgabenschwerpunkte und Bereichseinsätze selbst. Das erfordert zum einen ein hohes Maß an Selbststän­dig­keit, verlangt aber auch Selbstbewusst­sein und Umsetzungsstärke, um sich eine feste Position im Unterneh­mens­kontext aufzubauen. Mentoren ermutigen dabei, Neues auszuprobieren, hinterfragen Ent­scheidungen und unterstützen mit ihrem Netzwerk, Know-how und sozialer Kompetenz.

Neben der Förderung durch Mentoren ist sicherlich ein zentraler Punkt für die Attraktivität eines Arbeitgebers, wie er dabei unterstützt, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Wie unterstützt Vodafone Mütter und Väter in der Phase der Familiengründung?
Wir investieren in unsere Mitarbeiter, indem wir die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen. Beispiele sind: familienfreundliche Arbeitszeit- und Arbeitsortmodelle, individuell vereinbarte oder flexible Arbeitszeiten, vollzeitnahe Teilzeitmodelle oder Home-Office-Regelungen. Wir bieten ein zusätzliches viertes Elternzeitjahr und haben einen völlig neuen Ansatz für Elternzeitler entwickelt: Damit finden Mütter schneller zurück in den Beruf und Väter erhalten einen Anreiz, Elternzeit zu nehmen.


„Das deutschlandweit einzigartige Elternzeitangebot von Vodafone beruht auf einer sehr flexiblen Arbeitskultur“

Bettina Karsch, Geschäftsführerin Human Resources von Vodafone Deutschland


Das ist interessant. Wir hören aus unserem Young Professionals-Netzwerk häufig, dass nach der Rückkehr aus der Elternzeit zwar theoretisch Halbtagsstellen verfügbar sein sollten, praktisch aber der Arbeitgeber verantwortliche Positionen nur mit Vollzeitkräften besetzen will. Welches ist für Sie die Lösung aus diesem Dilemma?

Wir schaffen mit unseren Angeboten heute schon eine moderne und flexible Arbeitskultur, die unseren Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten sowie ein einzigartiges Elternzeitangebot ermöglicht. Bei uns zählt das Ergebnis, nicht die Präsenz im Büro. Konkret heißt das: Unsere Mitarbeiter können bis zu 50 Prozent ihrer Arbeitszeit beispielsweise von Zuhause aus leisten. Wir unterstützen aber auch bei der Kinderbetreuung mit sieben bundesweiten Betriebskindergärten und bauen dieses Angebot bereits im Sommer um eine weitere Einrichtung aus.

Männer äußern mittlerweile einen wesentlich stärkeren Wunsch als noch ihre Vorgängergenerationen, bei ihren Kindern zu sein. Kann man die Förderung von Frauen eigentlich von der von Männern trennen?
Die Frage, wie sich Beruf und Familie am besten unter einen Hut bringen lassen, stellt sich Männern genauso wie Frauen. Wir möchten daher beiden Elternteilen ideale Rahmenbedingungen bieten, um das für sie richtige Gleichgewicht zu finden. Durch die Unterstützung von Vätern bei der Übernahme von Familienaufgaben werden auch die Mütter gestärkt und mittelfristig so auch die gesellschaftliche Entwicklung beeinflusst.

Bis in welche Ebenen reicht eigentlich das Mentoring bei women@vodafone: Wie lange ist man Mentee und wann wird man Mentorin?
Das ist nicht fest geregelt, mindestens ein Jahr dauert die Beziehung zwischen Mentor und Mentee in der Regel – oft hält sie aber auch über mehrere Jahre. Wie bei solchen Programmen üblich, gibt es klare Mentoring-Vereinbarungen, die schriftlich zwischen beiden Parteien festgelegt werden. Häufig werden ehemalige Mitglieder der Talent-Pools, die selbst vom Mentoring profitiert haben und mittlerweile Karriere gemacht haben, auch selbst Mentoren. Ansonsten schauen wir nach geeigneten Kandidaten ein bis zwei Level über der jeweiligen zu begleitenden Person. Wir veranstalten Mentoren-Workshops, in dem wir angehende Mentoren – aber auch Mentees – schulen und Grundprinzipien des Mentoring vermitteln.


„Das Traineeprogramm erlaubt es, sich individuell die Einsatzbereiche im Unternehmen auszusuchen“

Bettina Karsch, Geschäftsführerin Human Resources von Vodafone Deutschland


Zum Schluss eine Frage, die gleichsam für den weiblichen als auch männlichen Nachwuchs unter den High Potentials gilt: Warum sollten unser Leserinnen und Leser Vodafone als ersten Arbeitgeber nach dem Studium wählen?
Vodafone bietet hervorragende persönliche und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten in einem spannenden internationalen Marktumfeld. Die Digitalisierung ist bei uns bereits in vollem Gange und prägt unsere offene Unternehmenskultur nachhaltig. Unser Arbeitsalltag ist gekennzeichnet durch Schnelligkeit, Teamwork und zahlreiche Netzwerke. Eigenverantwortlich arbeiten unsere Nachwuchstalente bereits am ersten Tag an herausfordernden und verantwortungsvollen Aufgaben.

Gleichzeitig bietet unser Traineeprogramm individuelle Gestaltungsmöglichkeiten, die es den Trainees ermöglichen, sich beispielsweise ihre Einsatzbereiche im Unternehmen selbst auszusuchen. Unser modernes Arbeitsumfeld sorgt dabei für Flexibilität und Freiräume: Mobiles Arbeiten, Home Office, Fitnessstudio und vieles mehr.

Beitragsbild: © criene/photocase.com


Bettina Karsch

Im Interview: Bettina Karsch, Jahrgang 1970,  ist seit 2016 die Geschäftsführerin Human Resources von Vodafone Deutschland. Die Personal- und Strategieexpertin begann ihre Karriere bei der Vodafone-Gesellschaft 2013 im Bereich Personal und Gebäudemanagement in Madrid.

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