„Darum ist die Restrukturierung die Königsdisziplin der Beratung”

Insights aus der Sanierung von Unternehmen

Friederike Bieser ist seit 2014 im Team der Andersch AG, die zum zweiten Mal in Folge auf Platz 1 der Fink-Studie im Segment der Restrukturierer landete. Die Wirtschaftsprüferin erklärt, was den Einstieg in die Sanierungsberatung so besonders macht und warum man im Studium bereits erste Erfahrungen in diesem Bereich sammeln sollte.

Für viele Studierende und Hochschulabsolventen ist die Frage nach dem ersten Arbeitgeber eine sehr zentrale. Das, womit man sich in den ersten Jahren nach dem Berufseinstieg beschäftigt, hat eine ganz besondere Be­deutung, weil damit ebenso wie mit der Wahl des Studienfachs gewisse Fakten ge­schaffen werden: Man lernt Techniken, sam­melt Erfahrung in der Praxis und legt den Grundstein für die Karriere. Damit dieses Fundament sicher steht, sind zwei Din­ge elementar: Erstens eine qualitativ hoch­wertige praktische Ausbildung durch den Arbeitgeber und zweitens die Wahl eines Aufgabenfeldes, das fordernd und fördernd ist.

Ich bin davon überzeugt, dass es für Berufseinsteiger in die Unternehmensberatung keine bessere Ausrichtung gibt als die Restrukturierung. Sie ist in ihren Ansprüchen sicherlich fordernd, gleichzeitig entwickelt man aber in keinem anderen Bereich des Consultings derartige Kompetenzen, die für die spätere Karriere von unschätzbarem Wert sind.
Die Beratung von Unternehmen, welche in Schieflage geraten sind, ist die Königsdisziplin des Consultings, weil man in alle für den Unternehmenserfolg relevanten Bereiche tief eintaucht. Als Restrukturierer ist man kein Spezialist für Nischenthemen, sondern der Spezialist für das große Bild.

Wie wir vorgehen, wenn sich unsere Mandanten in herausfordernden Situ­ationen befinden, möchte ich den high potential-Lesern schildern und damit zeigen, dass es sinnvoll ist, sich mit dem Thema Restrukturierung schon im Studium über die Wahl der Schwer­punktfächer und natürlich über Praktika zu beschäftigen.
Zunächst analysieren wir die Situation beim Mandanten: Wodurch ist das Un­ternehmen in Schwierigkeiten ge­ra­ten? Meistens gibt es dafür nicht die eine Ursache, sondern es gibt mehrere Sachverhalte, die zur aktuellen Situation geführt haben. Für die strategische und wirtschaftliche Analyse bedarf es Know-how, welches man sich im Studium am besten über finanzwirtschaftliche Fächer erarbeitet. Wenn Sie sich bei uns als Praktikant oder Berufseinsteiger bewerben, schauen wir gerade in diesem Bereich genau hin, welche Studienleistungen Sie erbracht haben.

Authentische Leidenschaft ist Grundvoraussetzung bei Kandidaten

Parallel zur Situationsanalyse, in der natürlich auch die klare Benennung der Ursachen eine wesentliche Rolle spielt, bedarf es des aktiven Krisenmanagements. Denn oft ist ein kurzfristiges Cash-Management und eine abgestimmte Krisenkommunikation nötig, um das in Schieflage geratene Unternehmen handlungsfähig zu halten. Während die vorgenannte Analyse sehr zahlengetrieben ist, kommt es beim Krisenmanagement zusätzlich auch auf kommunikative Fähigkeiten an, weil mit mehreren Beteiligten mit ganz unterschiedlichen Sorgen und Erwartungen gesprochen wird. Belegschaft, Banken und Shareholder haben ein Anrecht auf Transparenz, gleichzeitig erfordert die Kommunikation, spezifisch auf die unterschiedlichen Interessenlagen einzugehen.

Unter der von Arbeitgebern geforderten „Kommunikationsfähigkeit” stellte ich mir während meines Studiums vor, ein generell offenes Wesen mit verbindlichem Auftreten und gewissen rhetorischen Fähigkeiten vorzuweisen. Dies ist sicherlich nicht falsch, aber Kommunikationsfähigkeit meint oft noch etwas mehr: Es geht darum, die Empathie und das Gespür zu entwi­ckeln, intern und extern den Ton so zu treffen, dass die mit dem Unternehmen definierten Ziele erreicht werden. Denn man hat es immer wieder mit unterschiedlichen Herausforderungen zu tun: Wenn man als Restrukturierungsberater mit einer verunsicherten Belegschaft spricht, geht es darum, Sorgen ernst zu nehmen und gleichzeitig zu motivieren. Wenn wir unsere Mandanten wiederum bei der Verhandlungsführung mit Gläubigern unterstützen, haben wir es in der Regel mit sehr rationalen Gesprächspartnern zu tun. Echte Kommunikationsstärke setzt Sicherheit voraus. Diese Sicherheit kann man sich über Erfahrungen aneignen. Deswegen mein Rat: Ein Praktikum hilft nicht nur, sich über Branche und Arbeitgeber sicher zu werden, sondern stärkt die eigene Qualifikation ganz wesentlich.

Wenn die aktuelle Situation des Unternehmens von uns analysiert ist, geht der Blick in die Zukunft. Für ein wirksames Restrukturierungskonzept entwickeln wir zunächst eine strategische Vision, aus der wir konkrete Maßnahmen ableiten. Da wir auch bei der operativen Restrukturierung begleiten, benötigen wir für die Entwicklung eines Zukunftskonzepts und die Erreichung des Turnarounds nicht nur Wirtschafts- und Rechtswissenschaftler in unserem Team. Auch MINT-Absolventen sind für uns sehr wichtig, weil wir Mandate aus völlig unterschiedlichen Branchen erhalten und technologisches Know-how immer eine sehr wichtige Rolle spielt. Bei Bewerbungen und in den Gesprächen mit Kandidaten achten wir sehr darauf, ob wir eine authentische Leidenschaft für un­ser Tätigkeitsspektrum sehen. Je früher man sich mit der Restrukturierung im Allgemeinen und mit Andersch im Speziellen be­schäftigt hat, umso besser kann man diese Motivation zeigen.

Deswegen mein Tipp: Fokussieren Sie sich im Studium entsprechend und sammeln über ein Praktikum bei Andersch Er­fahrungen, um erste Einblicke zu erhalten und die Leidenschaft für die Restrukturierungsberatung zu erkennen.


Friederike Bieser studierte BWL an der Universität Mannheim und erweiterte ihre fachliche Expertise durch die Ausbildung zur Wirtschaftsprüferin. Ihre Branchenerfahrung liegt insbesondere in den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau, Automotive und im Handel.

 

 


Mehr zur Andersch AG könnt ihr hier nachlesen.

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