Die Techies von Tax & Legal

Interdisziplinäre und diverse Teams liefern die besten Ergebnisse ab – besonders wichtig ist das für die Arbeit in übergreifenden Bereichen, die nicht nur rein fachlich tätig sind. Um Innovationen für die Kollegen aus dem Steuer- und Rechtsbereich voranzutreiben, gründete Deloitte kurzerhand einen Inkubator mit Gründerspirit: „The Garage for Tax & Legal”. Mira Christian kehrte hierfür extra zu Deloitte zurück. Im Interview berichtet sie über die Arbeit als Frau in einer von moderner Technologie und Innovationen geprägten Projektwelt.

Frau Christian, Sie sind Senior Manager bei Deloitte, Ihre Abteilung heißt The Garage for Tax & Legal. Ein ungewöhnlicher Name.
Viele der heute wertvollsten Unternehmen haben ihre Produkte in einer Garage oder im Wohnzimmer einer ihrer Gründer entwickelt, insofern ist der Name gar nicht mal sooo ungewöhnlich. The Garage for Tax & Legal ist ein Deloitte-eigener Inkubator, der die Entwicklung von technischen Lösungen im Steuer- und Rechtsbereich fördert. Innerhalb von De­loitte wird so ein Raum geschaffen, in dem unser multidisziplinäres Team innovative Ideen für die Steuer- und Rechtsberatung entwickeln kann ­­– natürlich zusammen mit den Kollegen dieser Abteilung. Diese kommen mit tollen Ideen für Produkte, die bei unseren Mandanten Wert stiften, auf uns zu und wir begleiten den Prozess: Am Anfang erstellen wir den Business Case, entwickeln das Produkt bis zum Launch und organisieren den Vertrieb der Lösung.

Nachdem Sie nicht nur schon von 2011 bis 2015 bei Deloitte, sondern in der Zwischenzeit auch bei einem Tax-Tech-Start-up tätig waren, können Sie sicherlich Ihre Erfahrungen aus dieser Zeit einbringen.
Richtig, meine Karriere habe ich gleich nach dem Studium bei Deloitte in der Wirtschaftsprüfung begonnen, eine spannende und lehrreiche Zeit.
Die letzten Jahre habe ich dann bei einem Tax-Tech-Start-up gearbeitet, eingestiegen bin ich in der Gründungsphase. Auch hier habe ich interdisziplinär in einem Team aus Designern und Software-Entwicklern gearbeitet. Die Arbeit dort hat sehr viel Spaß gemacht, denn jeder hatte eine andere Perspektive auf das Thema und wir haben die für den User bestmögliche Lösung entwickelt. Dennoch fiel mir die Entscheidung, an den Ursprung meiner Karriere zurückzukehren, sehr leicht. Deloitte ist bei technologischen Lösungen ganz weit vorne und ich kann hier an der Entwicklung von innovativen technologischen Produkten im Steuerbereich arbeiten.

Auch die Vermittlung zwischen Kollegen aus den Fachbereichen und den technischen Abteilungen macht mir sehr viel Freude. Sie sprechen eine unterschiedliche Sprache, aber mit etwas Übersetzungsarbeit kommt man schnell überein und zieht an einem Strang. Schlussendlich haben wir alle ein gemeinsames Ziel: Die beste Lösung für unsere Mandanten zu entwickeln.

„Die Arbeit mit Kollegen aus Fachbereichen und technischen Abteilungen macht mir viel Spaß”

An welchen Innovationen feilt das Garagen-Team denn aktuell?
Wir haben kürzlich ein Tool, den sogenannte VAT Checker, erstellt, welches den Umsatzsteuer-Compliance-Prozess bei eingehenden Rechnungen automatisiert. Dazu muss ich jetzt wahrscheinlich etwas länger ausholen. (lacht)
Damit die auf der Rechnung ausgewiesene Vorsteuer geltend gemacht werden kann, wird im ersten Schritt geprüft, ob die Rechnung alle erforderlichen Angaben enthält, zum Beispiel den Namen, die Adresse und die Umsatzsteueridentifikationsnummer des leistenden Unternehmens sowie auch die des Rechnungsempfängers. In vielen Unternehmen wird das noch manuell erledigt und mit Hilfe einer Checkliste zu den erforderlichen Rechnungsangaben – damit ist es ein Prozess, der wirklich gut digitalisiert werden kann.

Unser VAT Checker liest die Angaben von eingescannten oder elektronisch zur Verfügung gestellten Rechnungen aus und prüft, ob diese vollständig sind. Daneben werden noch weitere Informationen, wie die Bankverbindung, Zahlungsfristen und Daten zur Bestellung ausgelesen, die mit den in der Buchhaltung erfassten Daten automatisch abgestimmt werden. Über ein Dashboard können dann die Mitarbeiter sehen, welche Rechnungen alle Rechnungsanforderungen erfüllen und welche richtig erfasst wurden. Daneben kann der Mitarbeiter auch sehen, bei welchen Rechnungen er den Ersteller um eine Korrektur bitten muss oder wo die Erfassung in der Buchhaltung zu überprüfen ist. Das Tool verwendet sowohl OCR (Optical Character Recognition) zum Auslesen der Rechnungsdaten wie auch Deep Learning Algorithmen. Wenn der Mitarbeiter feststellt, dass eine als zu überprüfende Rechnung doch richtig erfasst wurde, dann erörtert die Maschine, welchen „Denkfehler“ sie gemacht hat, und „merkt“ sich dies für die Zukunft.


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In technischen Abteilungen überwiegt meist der Männeranteil. Wie nehmen Sie die Deloitte-Unternehmenskultur wahr?
Tatsächlich sind junge Frauen, die ein Informatik- oder Ingenieurstudium abgeschlossen haben, immer noch relativ rar, aber aus sehr gutem Grund stark gesucht. Meine Erfahrung ist, dass ein diverses Team kreativere und wirklich bessere Lösungen findet, weil hier unterschiedliche Perspektiven und Denkansätze aufeinandertreffen. Die Unternehmenskultur bei Deloitte ist sehr modern und Vielfalt wird als wertstiftend gesehen. Die Förderung von Frauen in Führungspositionen ist nicht nur ein erklärtes, sondern auch aktiv verfolgtes Ziel, wie man auch in unserem Team sehen kann. Ich genieße es, mit Menschen aus unterschiedlichen Bildungspfaden und von überall her zusammenzuarbeiten, und Deloitte leistet hier großartige Arbeit, motivierte Kolleginnen und Kollegen zu finden.

Wie viele Frauen gibt es in der Garage?
Wir sind in der Garage acht Frauen. Das ist mehr als die Hälfte des Teams. Die Garage wird von meiner Kollegin Kristiina Coenen geführt und auch der technische Lead des zentraleuropäischen Netzwerks ist eine Frau.

Coding-Bootcamps, Onlinekurse oder Apps – es gibt viele Optionen zur Weiterbildung

… und vom fachlichen Hintergrund her? Sie selbst haben ja einen dualen Abschluss im Schwerpunkt Steuern und Wirtschaftsprüfung.
Kristiina (Coenen) ist ebenfalls Steuerberaterin. Unser Team besteht darüber hinaus aus Projektmanagern, die nach oder im Rahmen ihres Studiums ihren Fokus auch auf Innovation & Entrepreneurship oder Design Thinking gelegt haben. Unsere technischen Kollegen haben Ingenieurwesen oder Informatik studiert. Wir haben auch einen Neurowissenschaftler im Team, der bereits im Studium an Künstlicher Intelligenz geforscht hat.

Wie haben Sie den Sprung auf die technische Seite „geschafft“ und wem würden Sie diesen Weg empfehlen?
Mein Weg auf die technische Seite lässt sich wohl als „Sprung ins kalte Wasser“ beschreiben. Die Software-Entwickler haben mir mit einer Engelsgeduld etwas Coding beigebracht, welches ich dann sofort eingesetzt habe. Auch wenn ich an manchen Tagen verzweifelt bin, hat es mir riesig Spaß gemacht, denn ich liebe Herausforderungen.

Kolleginnen und Freundinnen von mir haben an Coding-Bootcamps teilgenommen, bei denen in einer kurzen Zeit im Team zusammen Aufgaben gelöst werden und man sehr viel lernt. Oder sie bringen sich Coding-Grundlagen mit Hilfe von Onlinekursen oder Apps selbst bei, was ich auch echt stark finde. Vielleicht nutzt man auch die Möglichkeit, während eines Praktikums den Fokus auf Datenanalysen, zum Beispiel im Steuerbereich, zu legen. Diese Teams bestehen üblicherweise aus einem BWLer und einem technischen Kollegen, sodass man sich gut Datenanalysetechniken und -programme aneignen kann. Entscheidend ist, dass man eine Affinität zu analytischem Denken hat. Bringt man dann noch Coding-Grundlagen mit, dann kann man sich schnell in technische Aufgaben einarbeiten.


Mira Christian, Seit Februar 2020 Senior Manager bei Deloitte, studierte zunächst dual auf Steuern und Wirt- Wirtschaftsprüfung. Im Anschluss startete sie ihre Karriere bei Deloitte im Audit, bevor sie auf die technische Seite wechselte und nun unter anderem Steuerprozesse vereinfacht und digitalisiert.


Mehr zu Deloitte findet ihr hier.

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