Seid mutig und traut euch was!

Wir stellen euch vier erfolgreiche Frauen vor, die an der Spitze eines Unternehmens arbeiten oder ihr eigener Chef sind. Unsere Role Models berichten von ihren eigenen Erfahrungen und geben wertvolle Tipps an junge Frauen, die ebenfalls eine Karriere als Führungskraft anstreben.

Female Role ModelsTraut euch was!

Prof. Dr. Susanne Menzel-Riedl studierte von 1996 bis 2002 die Fächer Biologie, Pädagogik und Englisch. Seit Oktober 2019 ist sie die Präsidentin der Universität Osnabrück. Mit 43 Jahren ist sie damit die jüngste Uni-Chefin in ganz Deutschland.

Welche Hürden werden einem als junger Hochschulpräsidentin in den Weg gestellt werden und wie räumt man diese beiseite?
Ich habe nicht erfahren müssen, dass Menschen versucht haben, sich mir bewusst in den Weg zu stellen. Allerdings wurde ich sehr häufig gefragt; „traust du dir das wirklich zu? Wird nicht deine Familie leiden?“ Je häufiger solche Fragen gestellt werden, desto mehr nähren sie auch eigene Zweifel. Daher ist das eigene schlechte Gewissen gelegentlich eine Hürde. Hier gilt es: stark bleiben. Sich kein schlechtes Gewissen einreden lassen und auf das eigene Gefühl vertrauen!

Was raten Sie jungen Wissenschaftlerinnen, die Führungspositionen in der Wissenschaft anstreben?
­Ich rate jungen Frauen: Traut euch was! Sehr oft sind mir die Darstellungen von Unterschieden zwischen Männern und Frauen in Führungspositionen zu pauschal und gelegentlich sogar übertrieben. Aber meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass Männer und Frauen sich tatsächlich in einer grundsätzlichen Haltung unterscheiden: Frauen zweifeln oft lange, ob sie für eine Position geeignet sind, ob sie sich die Rolle zutrauen oder nicht doch lieber das ein oder andere noch lernen sollten. Frauen warten auch lieber, bis jemand eine Position an sie heranträgt. Daher mein Rat: Traut euch was! Wartet nicht!


Female Role ModelsLeidenschaft und Überzeugung

Jasmin Arbabian-Vogel ist geschäftsführende Gesellschafterin eines interkulturellen Sozialdienstes und beschäftigt über 150 MitarbeiterInnen. Die Präsidentin des Verbandes Deutscher Unternehmerinnen führt außerdem drei weitere Unternehmen, ist Mutter von zwei Kindern und engagiert sich ehrenamtlich.

Sie sind geschäftsführende Gesellschafterin eines Pflegedienstes, führen drei weitere Unternehmen, sind Mutter von zwei Kindern und zusätzlich noch ehrenamtlich tätig. Wie schaffen Sie es, so viele Tätigkeiten gleichzeitig zu meistern?
Zuerst braucht man ein gut funktionierendes „Back-Office” in Verbindung mit der Fähigkeit, Dinge zu delegieren – und das ist wahrlich nicht einfach!
Außerdem ist ein ebenso gut funktionierendes Netzwerk wichtig oder besser: zwei, bestehend aus einem beruflichen und einem privaten. Das berufliche Netzwerk dient nicht nur dem „Geschäftemachen”, sondern besonders der Möglichkeit des Austausches auf Augenhöhe, des Erfahrungstransfers und der gegenseitigen Unterstützung.
Das private Netzwerk ist ebenfalls nicht zu unterschätzen: ohne die „Oma-AG” wäre manch’ Selbständige sehr aufgeschmissen. Leidenschaft und Überzeugung – zu wissen, dass das, was man tut, gut ist, wichtig ist und einen Mehrwert hat für andere Menschen, ist ein sehr starker Motivator. Das tun zu können, wofür ich brenne, dafür bin ich sehr dankbar.


Sei offen und neugierig!

Aneta Rodziewicz-Neumann arbeitete über zehn Jahre als Führungskraft in Medienproduktionen. Die gelernte Werbekauffrau und Diplomkauffrau für Reise und Tourismus arbeitet inzwischen als selbständiger Coach und gibt ihre Fachkompetenzen an Privatpersonen und Unternehmen weiter. Zuletzt absolvierte sie eine Weiterbildung zum Psychologischen Berater/Personal Coach.

Sie haben eine 10-jährige Tätigkeit als Führungskraft hinter sich, sind unter anderem freiberufliche Dozentin und selbstständiger Coach für Unternehmen. Welche Tipps haben Sie für Studierende und Absolventen, selbstbewusst aufzutreten?
Erst einmal finde ich es völlig normal und in Ordnung, wenn man als StudentIn oder AbsolventIn noch unsicher beim Einstieg in die Berufswelt ist. Die Akzeptanz, dass man noch keine oder wenig Praxiserfahrung hat, dass man täglich Neues dazu lernen wird, erleichtert enorm und setzt uns nicht so unter Druck. Gleichzeitig empfehle ich, offen und neugierig auf die neuen Herausforderungen sein. Sei dir bewusst, wo deine Stärken und Kompetenzen liegen, stelle Fragen, sammle Informationen und baue dir ein gutes Netzwerk auf. Sehr hilfreich ist es außerdem, sich einen Mentor zu suchen, der einen bei Bedarf unterstützen kann. Und als letztes – glaube an dich selbst!

Über welche Kompetenzen muss man verfügen, wenn man als Führungskraft arbeiten will?
Wer als Führungskraft arbeiten möchte, sollte sich einige Reflexionsfragen beantworten. Es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, warum man als Führungskraft arbeiten möchte und was die eigene Motivation und Vision dahinter ist. Bin ich bereit, mich selbst zu entwickeln und kritisch zu hinterfragen? Übernehme ich gerne Verantwortung? Und besonders für weibliche Führungskräfte: Höre auf deine Intuition und habe keine Angst vor deiner eigenen Größe.


Qualität statt Quantität

Stefanie Winkelmann begann ihre Karriere in der Software-Entwicklung. Da ihr bei dieser Tätigkeit allerdings der Kontakt zu Menschen fehlte, studierte sie anschließend Medieninformatik, Medienpädagogik und Kommunikationswissenschaft im Bachelor und Master. Inzwischen berät sie Start-ups und kleine Unternehmen extern bei der Frage, wie sie ihren Online-Kundenservice automatisieren können, ohne dabei die Empathie in ihrer Kommunikation verlieren. 

Ist es möglich, als introvertierte Person in einer Führungsposition zu arbeiten und wenn ja, wie?
Klar, Führung setzt keine Extraversion voraus. Introvertierte führen anders als Extravertierte, aber deshalb nicht weniger erfolgreich. Sie nutzen andere Methoden und stellen tendenziell eher das Team in den Vordergrund, dem sie als Mentor zur Verfügung stehen. Dabei hilft ihnen, dass viele Introvertierte ausgezeichnete Zuhörer sind und zudem gut „zwischen den Zeilen“ lesen können. Sie nehmen Machtgefälle und Gruppendynamiken oft sehr stark wahr und nutzen diese Stärke zur Konfliktlösung und Teamentwicklung.

Wie haben Sie es persönlich geschafft, Kunden zu überzeugen und welche Tipps zur Kundengewinnung können Sie unseren Lesern geben?
Verkaufen ist mir ein Graus. Ich überzeuge lieber dadurch, dass ich mein Wissen weitergebe. Ich helfe den Menschen in meinem Umfeld, indem ich gezielt Fragen beantworte, Probleme löse und Vorschläge mache. Das klappt übrigens auch online ausgezeichnet, etwa bei Xing oder Linkedin. Dort, aber auch offline, pflege ich ein kleines, feines Netzwerk. Es kommt nicht auf die Menge an Kontakten an. Meine Kontakte kennen mich und wissen, dass sie sich auf mich verlassen können. Daher empfehlen sie mich aktiv weiter. So kommen die Kunden inzwischen zu mir – sogar ohne Werbung.

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