Gründerkultur: Vom Hörsaal in die Businesswelt

Patrick Rattay studierte Maschinenbau an der Universität Duisburg Essen, war in der studentischen Unternehmensberatung WIP e.V. aktiv und schrieb seine Abschlussarbeit über Data Mining bei Thyssenkrupp Steel. Bereits während seiner Studienzeit beschäftigte er sich mit der Idee zu gründen und ist heute noch in dem Start-up EIDOdata tätig. Hier teilt er seine Erfahrungen und spricht über seine Motivation, warum Netflix-Abos mehr schlecht als recht sind und das verflixte Zeitmanagement.

Herr Rattay, woher kam die Idee EIDOdata?

EIDOdata entstand 2010 in einem Forschungsprojekt, wobei ich nicht von Anfang an dabei war. Dabei geht es darum, Wirkzusammenhänge in Wirtschafts- und Industriedaten zu erkennen und prognostizieren und daraus Prozessoptimierungen abzuleiten. Also haben wir eine Software zur datenbasierten Produktionsoptimierung entwickelt, die mit Machine Learning Algorithmen arbeitet und schon bei einigen Pilotkunden validiert wurde. Gestartet sind wir in der Gießereibranche und versuchen nun auch in anderen Industrien Fuß zu fassen.

Haben Sie Ihren Bachelor-Studiengang bewusst mit der Intention zu gründen ausgewählt oder ergab sich dieser Wunsch erst im Laufe Ihres Studiums? 

Das ergab sich definitiv erst während meines Maschinenbaustudiums. Ursprünglich plante ich eine Karriere in namhaften Konzernen, hatte aber schon früh eine Führungsposition im Blick. Dass ich jedoch nun als Geschäftsführer und Mitgründer ins Berufsleben starte, habe ich nicht kommen gesehen. Es half mir unglaublich, mich mit entsprechenden Leuten zu umgeben, die ich beispielsweise auf Start-up Veranstaltungen kennengelernt habe. Außerdem sollte man sich früh intensiver mit den Dingen beschäftigen, die man interessant findet. So ist es einerseits leichter sich von anderen abzuheben und andererseits stößt man dadurch relativ schnell auf ungelöste Probleme. Außerdem wollte ich keinen klassischen 9-5 Job machen.

Gerade der Schritt von der ersten Idee zur Umsetzung ist oft schwierig. Konnten Sie hierbei auch auf die Unterstützung Ihrer Hochschule bauen?

Wir erfahren sehr viel Unterstützung von der Hochschule, vor allem weil wir aus einem universitärem Forschungsprojekt kommen. Einerseits durch Prof. Hartmann und Prof. Gottschling, die ebenfalls im EIDOdata Team sind und andererseits durch Simon Hombücher von der Universität Duisburg-Essen, der uns während unseres Exist-Gründerstipendiums begleitet. Dieses Stipendium hilft Studierenden, Absolventen und Wissenschaftlern bei der Realisierung ihrer Gründungsidee und der Umsetzung des dazugehörigen Businessplans. Ich muss aber auch Mentoren wie unserem Rechtsanwalt Dustin Schwerdtfeger und seinen Kollegen bei McDermott Will & Emery danken. Aufgrund des jederzeit hohen Engagements und der sehr breiten Expertise kann ich jedem Gründer ans Herz legen, sich bei rechtlichen Fragen dort zu melden.

Sie haben sich also schon während Ihres Studiums mit der Gründungsidee beschäftigt und waren schon in studentischen Initiativen tätig. Wie haben Sie das zeitlich unter einem Hut bekommen? 

Das ist korrekt. Während des Studiums war ich Teil des Vorstandes der studentischen Unternehmensberatung WIP e. V. in Duisburg und konnte dort sehr viel über eigenständiges und unternehmerisches Handeln und Denken lernen. Persönliches Zeitmanagement sowie fokussiertes Arbeiten und Lernen spielen da eine wichtige Rolle. Als konkrete Tipps kann ich beispielsweise empfehlen, den Konsum von Social Media auf ein Minimum zu reduzieren und sich wirklich nur um die “wichtigen” Dinge im Leben zu kümmern. Über ein Netflix-Abo sollte man auch zweimal nachdenken. Vor allem hat mir das Buch: “7 Wege zur Effektivität” von Stephen Covey dabei sehr weitergeholfen.

Worin liegt, Ihrer Meinung nach, der Reiz der Unternehmensgründung? 

Da gibt es für mich mehrere Gründe. Einerseits sammelt man unglaublich viele Erfahrungen; Sie müssen ein Visionär und Realist im gleichen Zuge sein. Andererseits ist man als Gründer für alles verantwortlich, von Buchhaltung über Entwicklung und Projektmanagement bis hin zum Vertrieb. Sollte es mit der ersten Idee nicht klappen, können solche breitgefächerten Erfahrungen für die weitere Karriere (oder die nächste Idee) von großem Vorteil sein. Außerdem können positive Kundenstimmen unglaublich motivierend sein. Natürlich gibt es auf langfristiger Sicht auch eine finanzielle Motivation, welche jedoch nicht an erster Stelle stehen sollte.

Was würden Sie anderen Studenten, die mit der Idee zu gründen spielen, raten? 

Auch wenn meine Antworten bisher durchgehend positiv wirken, sollte jedem “Wantrepreneur” klar sein, dass eine Unternehmensgründung eine sehr hohe Belastung sein kann – zeitlich wie auch finanziell. Man verbringt jede freie Minute mit der Weiterentwicklung seiner Idee, die anfangs nicht sonderlich viel Geld abwirft. Nur wenn man sich diese Punkte bewusst gemacht hat und davon nicht abgeschreckt ist, sollte man sich ernsthaft Gedanken über dieses Thema machen. Vor allem zu Beginn hilft es sehr, sich konkrete und realistische Ziele zu setzen. Das wichtigste meiner Meinung nach ist jedoch, das richtige Mindset zu haben. Das kommt meistens, wenn man erstmal etwas Blut geleckt hat. Wenn man also ein Problem identifiziert hat und eine mögliche Lösung im Sinn hat, sollte man einfach mal mit der Umsetzung starten und einen ersten Prototypen entwickeln. Treu nach dem Motto: “Do it and you feel motivated to do it”, wie Zig Ziglar einst sagte. Zu viele denken und planen ihre guten Ideen bis ins letzte Detail durch, wobei es meistens anders kommt als zuerst gedacht.

 

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