Die Weltverbesserer Teil I: Menschenrechte im Rampenlicht

Es ist bewiesen, dass wir heute in der friedlichsten Zeit der gesamten Menschheitsgeschichte leben. Trotzdem stehen wir vor schwierigen Aufgaben, die es für eine bessere Zukunft zu lösen gilt. Hunger, soziale Unterdrückung durch totalitäre Staaten und die Zerstörung unseres Planeten sind dafür drei sehr wichtige Exempel. Um diese Probleme zu überkommen, braucht es mutige Individuen, die mit gutem Beispiel vorangehen. 

Das Foto zeigt einen jungen Mann, Mitte zwanzig, der mit einem schmalen Lächeln in die Kamera blickt. Im Hintergrund ist eine unscheinbare Person beim Durchqueren eines Ganges zu beobachten. Auf den ersten Blick scheint das Foto ganz normal – nichts Außergewöhnliches ist darauf zu erkennen. Jedoch veröffentlichte der deutsche Journalistik Student David Missal das Selfie am dritten Mai auf Twitter, während seiner Rückreise nach Peking, da es angeblich seinen Beschatter zeige. Mit zwei weiteren Fotos, auf denen die dunkel gekleidete Person ebenfalls zu sehen ist, verleiht David seiner These hinsichtlich der Funktion des fremden Mannes Nachdruck.

David Missal fotografiert auf der Rückreise nach Peking seinen potenziellen Beschatter, nachdem er in der chinesischen Stadt Wuhan drei Stunden von der Polizei festgehalten wurde. Foto: David Missal

Am Tag zuvor begleitet David, der an der renommierten Tsinghua-Universität in Peking einen Journalistik-Master absolviert, den chinesischen Menschenrechtsanwalt Lin Qilei, beim Besuch einer seiner Klienten in einem Gefängnis in Wuhan, mit der Kamera. Für eine kurze Dokumentation über Menschenrechtsanwälte in China, die im Rahmen eines Seminars entstehen soll, möchte David Videomaterial sammeln. Während er draußen wartet und filmt wird er von der Polizei konfrontiert und mit auf die Station genommen. Nach drei Stunden kann er mit Hilfe des Anwalts Lin die Polizeistation wieder verlassen. Später veröffentlicht Da­­vid dann sein Kurzfilmprojekt und ein 4-minütiges Vi­deo seiner Auseinandersetzung mit der Po­lizei auf YouTube.

Davids Visum wird daraufhin nicht verlängert. Schließlichmuss er im August dieses Jahres seinen Studienaufenthalt in China vorzeitig ab­brechen und das Land verlassen. David wurde in Deutschland kurzzeitig große Aufmerksamkeit zuteil; die Süddeutsche Zeitung berichtete über ihn, sogar die FAZ veröffentlichte ein Interview mit ihm. Und das zu Recht. Denn David richtete mit seinem mutigen Handeln das Scheinwerferlicht für kurze Zeit auf die beängstigenden Missstände in der chinesischen Pressefreiheit – die zwar gut dokumentiert und seit langer Zeit bekannt sind, jedoch gar nicht genug Aufmerksamkeit erhalten können.

Pressefreiheit in China

Polizeistation, in der David vernommen worden ist. Foto: David Missal

Von der journalistischen Zensur und der Zensur des Internets, über Festnahmen einheimischer Journalisten und Bürgerrechtlern, bis hin zur Folter und der fragwürdigen Anwendung der Todesstrafe – in China werden Menschenrechte im Allgemeinen und speziell die Pressefreiheit mit Füßen getreten. Auf der Rangliste für Pressefreiheit, erstellt von der Organisation Re­porter ohne Grenzen, belegte China somit im Jahr 2017 unter 180 untersuchten Ländern den 176. Platz.

David muss gewusst haben, dass aufgrund seines Handelns sein wertvoller Studienplatz auf dem Spiel steht. Dass er dieses Spiel und damit auch seine Chance auf einen Studienabschluss in China verloren hat, ist natürlich eine schmerzliche Erfahrung für David. Nach außen hin gibt er sich jedoch eher gelassen. In seinem Twitter-Profil ist nun zu lesen: „Ausgewiesener“ China-Experte.

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