„Unsere Geschäftsmodelle verändern sich”

Im Gespräch mit PwC-Personalchef Marius Möller

In der Geschäftsführung von PwC ist Marius Möller verantwortlich für die Ressorts Personal, Finanzen und Operations. Im Interview gibt er einen Ausblick auf die Zukunft der Wirtschaftsprüfung und erklärt, in welchen Themenbereichen PwC besondere Wachstumsfelder sieht.

Was bedeutet die von der EU erzwungene Rotation der Abschlussprüfer für PwC?
Die Mandatory Firm Rotation bringt eine deutliche Bewegung in den Markt. Die Regeln gelten für alle Wirtschaftsprüfungsgesellschaften gleichermaßen. Es ist selbstverständlich, dass man nicht jedes Mandat, um das man sich bewirbt, gewinnen kann. Für uns bietet sich dadurch jedoch auch die Chance, neue, spannende Mandate zu gewinnen, denn wir sind ja nicht nur Wirtschaftsprüfer, sondern auch Steuer- und Unternehmensberater. Für uns als Unternehmen ist es wichtig, dass wir eine gute Mischung aus Abschlussprüfungs- und Beratungsmandaten haben. In Fällen, in denen wir nicht Abschlussprüfer sind oder geworden sind, haben wir die Möglichkeit, ohne Einschränkungen unsere Beratungsdienstleistungen anzubieten. Die Kenntnisse und Fähigkeiten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hier entscheidend.

In welchen Zeiten sehen Sie PwC gerade?
Wir können uns auf unsere Zukunft freuen. Neue Technologien verändern die Wirtschaft und Gesellschaft rasant und wir dürfen diese Veränderungen mitgestalten. Für unsere Kunden, aber auch für PwC selbst, ergeben sich tolle Chancen. Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet die Digitalisierung in vielen Fällen auch eine Reduzierung von repetitiven Tätigkeiten. So kann beispielsweise mehr Raum zur Entfaltung von Kreativität entstehen. Natürlich erfordert der Umgang mit neuen Technologien auch neue Fähigkeiten. Das muss jedoch keine Angst machen. Neben der Suche nach Fachkräften mit entsprechenden Schlüsselqualifikationen haben die meisten Unternehmen erkannt, dass das Thema „Digital Upskilling“ wichtig ist. Die digitale Fitness von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu mehr Vertrauen in die Transformation. Unsicherheiten lassen sich so leichter in Mut zur Veränderung und Aufbruch verwandeln. Bei PwC liegt uns das Thema am Herzen. Wir bieten allen Kolleginnen und Kollegen ein breites Spektrum an Weiterbildungsmaßnahmen an. Mein Tipp: Neugierig bleiben und die Chancen erkennen.

Diese Chancen erkennen zu können bedeutet auch, sich mit der Veränderung von Geschäftsmodellen in der Wirtschaftsprüferbranche aufgrund der Digitalisierung vertraut zu machen.
Absolut. Die Digitalisierung hat unser Geschäftsmodell in vielen Bereichen bereits verändert und wird das auch weiterhin tun. Vielen unserer Kunden bieten sich durch neue Technologien neue Anwendungsmöglichkeiten. Natürlich richten wir unsere Prüfungs- und Beratungsleistung stetig auf die Bedürfnisse unserer Kunden aus, was zur Folge hat, dass sich auch unsere Geschäftsmodelle verändern. Themen wie Big Data & Analytics, Robotic Process Automation, Blockchain und Cloud zählen zu den Wachstums- und Effizienztreibern in der Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahen Beratung. Weil Datenanalyse zum Kerngeschäft der Wirtschaftsprüfung gehört, bieten sich vor allem in diesem Bereich Chancen durch die Digitalisierung. Durch das Wegfallen mancher repetitiver Tätigkeiten haben Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer zukünftig die Möglichkeit, sich stärker auf die Interpretation der Daten zu fokussieren. Die Prüfung wird dadurch breiter und besser.

Also teilen Sie nicht die Sorgen, dass neue Technologien Wirtschaftsprüfer weitestgehend ersetzen können?
Nein, diese Sorgen teile ich nicht. Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz können zwar mehr und mehr einfache, repetitive Tätigkeiten übernehmen. Für das „Know-why“, also das Verstehen und die richtige Interpretation, brauchen wir aber auch weiterhin gut ausgebildete Spezialisten. Nicht nur im Bereich der Wirtschaftsprüfung werden immer mehr Menschen in der Lage sein, Daten zu analysieren, die richtigen Schlüsse zu ziehen und Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Wie sehr verändern sich dadurch Erwartungen an Absolventen?
Unser Alltag wird immer stärker von der Digitalisierung geprägt – auch im Kleinen. Immer mehr Alltagsgegenstände sind über das Internet miteinander vernetzt und werden digital gesteuert. Auch in der Industrie schreitet die digitale Vernetzung durch neue Technologien voran. So wird beispielsweise Künstliche Intelligenz das Geschäft unserer Kunden in der Zukunft maßgeblich beeinflussen. Ein Teil der Tätigkeiten in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wird deshalb in Zukunft durch die digitale Datenanalyse automatisiert und unterstützt. Bei PwC setzen wir uns schon seit längerer Zeit intensiv damit auseinander und verfolgen moderne Prüfungs- und Beratungsansätze, um in dem sich ständig verändernden Wettbewerbsumfeld zu bestehen. Hierbei müssen die traditionellen Kernkompetenzen in der Wirtschaftsprüfung und Beratung mit digitalem Know-how, Agilität und innovativen Ansätzen verbunden werden. Daher erwarten wir bei PwC aufgrund des schnellen Voranschreitens der Digitalisierung zusätzlich ein hohes Maß an Innovations- und Anpassungsfähigkeit, um komplexe Geschäftsprozesse der Kunden zu verstehen und zu beurteilen.

Einzelne Mitarbeiter werden zu Digital Accelerators ausgebildet: Digitale Multiplikatoren bringen innovative Ansätze in traditionelle Geschäftsbereiche Über eine eigene App können PwC-Mitarbeiter ihre Digitalkompetenzen testen und verbessern

Das Anforderungsprofil ändert sich nicht nur in eine Richtung. Im Arbeitnehmermarkt erwarten auch Kandidaten und Mitarbeiter, dass man ihnen spannende, abwechslungsreiche und weiterqualifizierende Aufgaben bietet, die trotzdem noch Zeit und Raum für ein erfülltes Privatleben lassen. Wie geht PwC heute auf diese Erwartungshaltung ein?
Im Wettbewerb um die besten Talente müssen Unternehmen auch die Erwartungen der Kandidaten und Mitarbeiter mit einbeziehen, um sich nachhaltig als attraktiven Arbeitgeber darzustellen und die Employer Brand zu stärken. Zahlreiche Rankings zeigen, dass wir hier schon sehr gut aufgestellt sind. Auch unsere jährliche Mitarbeiterbefragung zeigt das. Dennoch dürfen wir uns auch hier nicht ausruhen. Es sind zahlreiche neue Berufsbilder entstanden, die jetzt zusätzlich um die gleichen Talente „buhlen“. Deswegen gehen wir neue Wege, um unsere Personalziele auch langfristig zu erreichen. Es wird insgesamt zunehmend schwieriger, gute Kandidaten langfristig an sich zu binden. Daher setzen wir uns als Unternehmen intensiv mit den Kandidaten auseinander. Neben den harten Faktoren ist die Unternehmenskultur zum entscheidenden Faktor geworden. Hier wird bei PwC insbesondere Individualität als wesentlicher Teil unserer Unternehmenskultur angesehen. Persönliche und berufliche Weiterentwicklung gehören zum regelmäßigen Personal- und Entwicklungsgespräch.


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Wie entwickeln Sie Mitarbeiter weiter?
Wir investieren konsequent in den Ausbau der individuellen Kompetenzen unserer Mitarbeiter und ihre persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten. Wir bieten ihnen Möglichkeiten wie etwa flexible Arbeitszeitmodelle, Weiterbildungen und unterstützen sie durch ein breites Angebot an freiwilligen Leistungen, um Berufs- und Privatleben besser zu vereinbaren. Um dem Wettbewerb stand zuhalten, arbeiten wir ständig daran, uns zu verbessern und uns über unsere weiterführende Rolle in der Gesellschaft im Klaren zu sein. Wir versuchen hier insbesondere auch wichtige Werte wie Chancengleichheit durch Angebote wie unsere Initiative „Women@PwC“ oder die Unterstützung der UN-Initiative „He for She“ zu stärken.

Über eine eigene App können PwC-Mitarbeiter ihre Digitalkompetenzen testen und verbessern

In der Vorbereitung auf dieses Interview habe ich festgestellt, dass die Weiterbildung digitaler Fähigkeiten in Ihrem Unternehmen einen besonders hohen Stellenwert genießt. Geben Sie unseren Lesern doch bitte einen Einblick, wie Sie dabei vorgehen.
Es ist mir sehr wichtig, dass die Mitarbeiter bei PwC sich kontinuierlich zu digitalen Themen fortbilden. Dazu haben wir vielfältige Angebote – beispielsweise Online-Kurse zu digitalen Technologien, Trainings zu Data & Analytics, Schulungen zu Design Thinking sowie Experten-Communitys für den persönlichen, informellen Austausch. Zusätzlich bieten wir mit der Digital Fitness-App ein Tool, mit dem die Mitarbeiter ihre digitalen Kompetenzen testen und einen persönlichen Lernplan erstellen können. Darüber hinaus bilden wir einzelne Mitarbeiter zu Digital Accelerators aus – das sind digitale Multiplikatoren, die innovative Ansätze und Methoden in unsere traditionellen Geschäftsbereiche einbringen. Der hohe Stellenwert von digitaler Weiterbildung bei PwC zeigt sich schon im Bewerbungsverfahren. Es gibt kaum noch Bewerbungsgespräche bei uns, in denen es nicht auch um digitale Themen und Fragestellungen geht. Wir machen von Anfang an deutlich, dass wir in diesem Bereich viel erwarten, aber auch viel bieten. Wir verstehen die Digitalisierung als Chance – und diese Offenheit erwarten wir auch von unseren Bewerbern.

Sie erwähnen gerade das Bewerbungsgespräch: Womit können Kandidaten Sie eigentlich beeindrucken? Im Interviewprozess legen wir besonders Wert auf Professionalität und darauf, dass die Persönlichkeit in den Vordergrund gestellt wird. Wir bei PwC achten vor allem auf einen Fit zwischen Unternehmen und Bewerber, um für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen angenehmen Arbeitsalltag sowie eine gute und motivierende Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Daher ist es uns wichtig, dass die Kandidatinnen und Kandidaten authentisch sind. So können wir sehen, ob sie zum Unternehmen und in ihr späteres Team passen. Und ehrlicherweise auch umgekehrt. Neben umfangreichem Fachwissen sollten potenzielle Mitarbeiter insbesondere Teamgeist, Kommunikationsstärke, Flexibilität sowie Fremdsprachenkenntnisse und Auslandserfahrung mitbringen. Unsere Mitarbeiter müssen neugierig sein, um so die ständig neuen Herausforderungen, gerade auch bezogen auf die Digitalisierung, zu meistern.

Und worüber sollte man sich unbedingt im Klaren sein, wenn man in ein Interview bei PwC geht?
Wenn man in ein Interview bei PwC geht, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass die Arbeit in einer Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft hohe Leistungsbereitschaft voraussetzt. Daher sollte man Spaß an neuen Herausforderungen haben und auch eine gewisse Belastbarkeit mitbringen. Gerade Wirtschaftsprüfer haben während der Busy Season viel zu tun. Dies wird jedoch aufgrund unseres „Work-Life-Choice“-Angebots ausgeglichen. Weiterhin ist es essenziell, ein guter Teamplayer zu sein, um eine gute Zusammenarbeit mit dem eigenen Team und den Mandanten sicherzustellen. Um die fachlichen und persönlichen Kompetenzen wie Teamgeist, Kommunikationsstärke, Flexibilität sowie Fremdsprachenkenntnisse zu verdeutlichen, sollte man dies anhand konkreter Beispiele im Gespräch festmachen. Außerdem ist es wichtig, seine Motivation und Individualität im Gespräch zum Ausdruck zu bringen.

„Die Beratung zur digitalen Transformation gewinnt an Bedeutung für Unternehmen, wohingegen die klassische Management-Beratung verliert”

In welchen der von Dietmar Fink untersuchten Segmenten sehen Sie in den kommenden Jahren einen großen Bedarf an Neueinsteigern bei PwC?
Aufgrund der digitalen Transformation, einer zunehmenden Veränderungsgeschwindigkeit und steigenden Kundenanforderungen, ändert sich die zukünftige Art und Weise der strategischen und transformativen Beratung. Die Megatrends wie die technologischen Revolutionen verändern die Markstrukturen disruptiv, sodass es für PwC wichtig wird, sich durch technologiebasierte Innovationen zu differenzieren. Daher gewinnt die Beratung zur digitalen Transformation immer mehr an Bedeutung für Unternehmen, wohingegen die klassische Management-Beratung an Bedeutung verliert. Hier wird der Bedarf an Neueinsteigern für die Beratung zur digitalen Transformation sowie in der IT-Beratung auch zukünftig deutlich weiter ansteigen. Die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle sowie die Implementierung von Cyber Security und Privacy wird unausweichlich, um dem Wettbewerb standzuhalten. Weiterhin liegt hohes Potenzial in der Sanierungs- beziehungsweise Restrukturierungsberatung, da hier die zunehmenden politischen Risiken und technologischen Umbrüche zu Restrukturierungsdruck in einigen Branchen führen und sich somit ein steigender Rekrutierungsbedarf ableitet.

Zum Schluss eine Frage, die wir unseren Interviewpartnern gerne stellen: Warum sollten sich Absolventen gerade bei PwC bewerben und nicht bei Ihren Mitbewerbern?
Die Menschen und ihre Fähigkeiten stehen bei PwC im Mittelpunkt und darauf sind wir stolz. Wir legen großen Wert auf Teamwork, ein sehr gutes Betriebsklima und herausragende Weiterbildungsmöglichkeiten, damit alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich auf die für sie optimale Art und Weise entwickeln können. Unser ausgeprägter Netzwerkcharakter ermöglicht uns nicht nur tolle internationale Zusammenarbeit mit anderen Teams. Unsere Kolleginnen und Kollegen haben auch die Möglichkeit, sich innerhalb des internationalen PwC-Netzwerks für eine gewisse Zeit entsenden zu lassen und somit bei anderen Teams mitzuarbeiten und Arbeitserfahrungen im Ausland zu sammeln. Mit rund 2,2 Milliarden Umsatz 2018 sind wir die umsatzstärkste Gesellschaft der Branche und werden, laut aktuellen Auszeichnungen von Universum und Trendence, als attraktivster Arbeitgeber der Big Four in Deutschland angesehen. Weiterhin bemühen wir uns bei PwC, unser „Work-Life-Choice“-Angebot mit diversen Benefits, wie beispielsweise flexiblen Arbeitszeitmodellen, individuellen Fortbildungen und ein Jahresarbeitszeitkonto stetig zu verbessern. Wir bei PwC legen viel Wert auf ein inspirierendes Umfeld, sodass sich jeder individuell entfalten kann. Zudem bieten wir exzellente Karrierechancen vom Associate bis zum Partner.


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