„In den Verlagen gibt es hohen Bedarf im Produkt- und Marketingbereich”

Pia Frey kann trotz ihrer jungen Jahre bereits auf reichlich berufliche Erfahrungen in den Medien blicken. Nach ihrem Volontariat gründete die Journalistin zusammen mit ihrem Bruder das Opinary („Seit 2014 arbeiten wir daran, Menschen neue Möglichkeiten zu geben, online ihre Meinung zu äußern), über deren Medienunternehmen und Brands das Engagement mit Usern steigern können. Und als wäre dies alles noch nicht genug, ist Pia zusätzlich alle zwei Wochen Host des OMR Media-Podcasts, in welchem sie sich gemeinsam mit wechselnden Gästen über aktuelle Entwicklungen in der Medienbranche austauscht.

 

Pia Frey Gründerin von Opinary

Pia Frey studierte bis 2012 an der Hochschule für Philosophie in München und absolvierte im Anschluss ein Trainee-Programm an der Axel Springer Akademie in Berlin. Die Gründung von Opinary folgte 2014, drei Jahre später führte sie das „Forbes”-Magazin in der Top-Liste der  „30 under 30 in Media”.

Pia, du hast nach deinem Studium als Journalistin gearbeitet und bist heute als Gründerin von Opinary Unternehmerin. Wie hat sich dadurch dein Blick auf die Medien verändert?
Oft stellt man bei jungen Menschen, die „in die Medien wollen“, fest, dass der Blick ausschließlich auf den Bereich Publishing gerichtet ist, aber nie auf die Refinanzierung. Es passiert leicht, dass einem als angehende Journalistin in großen Medienunternehmen die Silos in den Kopf gepflanzt werden, in denen sich die Branche vielfach noch bewegt. Die Verknüpfung von Vermarktung, Abogeschäft, Produkt, Inhalten und ihrer Distribution zu verstehen, ist essentiell, um die Branche weiterzuentwickeln.  Mit Opinary hat mir die Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Verlagen in verschiedenen Märkten das Privileg gegeben, die Medienwelt mehr und mehr aus einer Helikopterperspektive zu sehen. Gleichzeitig habe ich mit Opinary erfahren, dass viele Schwächen, die man großen Konzernen vorhält – wie etwa Langsamkeit in Entscheidungen oder Schwierigkeiten in der Diversifizierung der eigenen Geschäftsmodelle – tatsächlich harte Nüsse sind. Selbst wenn man ein kleines Start-up ist, ist es nicht immer leicht, effizient und schnell zu entscheiden oder die Strukturen zu schaffen, in denen kontinuierliche Weiterentwicklung und Innovation möglich ist.

Ich habe ein sehr interessantes Video von dir auf dem WELT-Channel auf YouTube gesehen. Obwohl es ein toller Content ist, wurde es seit 2020 nur knapp 700 mal angesehen. Gleichzeitig erreichen flache TikTok-Videos eine Millionen-Reichweite. Was sagt dies über die Mediennutzung heute aus – und was über die Zukunft von Qualität in den Medien?
Ich weiß nicht, ob sich aus diesem Beispiel Allgemeingültigkeiten ableiten lassen, aber vielleicht so viel: Jede Plattform ist anders und hat ihre eigenen Logiken. Für die Distribution von Inhalten funktioniert „one size fits all” nur in den seltensten Fällen.  Das Video von YouTube wurde primär als eigener Inhalt für Welt.de produziert. Ich habe das Video selber seit zwei Jahren nicht gesehen – aber es kann sein, dass es in Produktion, Aufmachung und Verkaufe die originäre Youtube Audience weniger anspricht, als die Homepage-Besucher auf Welt.de.

Wie verändern sich Karrieren in Medienunternehmen dadurch, dass es so leicht heute ist, selbst Publisher zu werden?
In jedem Szenario ist es mittlerweile eine große Hilfe, seine eigene Followerschaft und Audience aufzubauen. Für einen angestellten Redaktionsjob bietet das Mitbringen der eigenen Marke und Followerschaft einen klaren Verhandlungsvorteil. Man ist weniger abhängig. Außerdem liefert die Erfahrung, seine eigenen Inhalte selbstständig kreiert, distribuiert, vermarktet und monetarisiert zu haben wahnsinnig wertvolles Wissen über die Logiken des digitalen Publishings. Wenn man das beherrscht, braucht man streng genommen keinen festen Arbeitgeber. Wahr ist aber auch: in den meisten Häusern arbeiten viele inspirierende und erfahrene Menschen, von denen sich Einiges lernen lässt. Das habe ich selber insbesondere bei der Welt erlebt und bin deshalb sehr dankbar für die Zeit meines Volontariats und meiner Festanstellung. Und vielleicht ist der Lernwert sogar noch größer, wenn man sich darüber bewusst ist, dass in dem Arbeitsverhältnis keinerlei Abhängigkeiten bestehen.

Welche Geschäftsmodelle siehst du in den kommenden Jahren als besonders interessant an, weil sie große Chancen für Medienunternehmen bieten?
Spannend ist, ob es Verlage schaffen, das Ende des 3rd-Party-Cookies für sich zu nutzen und Werbekunden dank der eigenen großen Datenbasis gleichwertige oder bessere Zielgruppenansprache zu ermöglichen. Das steht aber noch ziemlich in den Sternen. Und zweitens ist die Bezahlbereitschaft bei Nutzer:innen insbesondere für Nachrichtenangebote immer noch moderat. Nicht jeder möchte etwa das ganze teure Handelsblatt-Abo, aber vielleicht besteht ein hohes Interesse und Bezahlbereitschaft für die Finanztipps? Ich bin gespannt, ob nachrichtengetriebene Verlage mit ambitionierten Abo-Zielen es schaffen, ihr Vollsortiment für spezifische Nischen-Zielgruppen aufzubereiten und zu monetarisieren.

In welchen Bereichen siehst du in den kommenden Jahren den größten Bedarf an Absolvent:innen?
Vor allem im Produkt- und Marketingbereich gibt es für die Verlagswelt noch viel zu lernen. Und es herrscht kontinuierlicher Personalmangel. Da ist viel zu holen!

Welche Skills sind dafür nötig – und wie eigne ich sie mir am besten an?
Durch Erfahrungen – als Werkstudent:in oder in Praktikant:in. Am besten in Organisationen, die in den entsprechenden Bereichen führend sind. Spoiler: Das sind nicht unbedingt klassische Verlagshäuser!

Du bist mit OMR Media auch Podcast-Host und triffst regelmäßig Medienmacher:innen. Wo steht diese Gattung heute und wo geht die Reise hin? Und warum?
Ich bin mir noch nicht sicher, ob bezahlpflichtige Podcasts wirklich fliegen werden. Sicher ist aber, dass die Vermarktung und Werbung für Podcasts sich weiter professionalisiert – was in der Konsequenz dazu führen wird, dass deutlich mehr Geld in aufwendige Produktionen fließen wird. Wenn sich auf diesem Weg der Standard von Audio-Produktionen weiter hebt, kann das dazu führen, dass weniger unabhängige Formate eine Chance bekommen. Schade finde ich, dass das Geschlechterverhältnis in den Podcast-Charts immer noch so männerlastig ist. Wo sind die Frauen? Ich hoffe, dass sich das in den nächsten Jahren weiter ausdifferenziert.

 

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