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    Master of Taxation bei KPMG: Zwei Steuerberaterinnen über Theorie und Praxis im Interview

    Der Weg zum Steuerberaterexamen: Ein Doppelinterview aus der Praxis

    Alexa Fresch und Jasmin Bauer haben beide parallel zum Berufseinstieg bei KPMG den Master of Taxation (MaMAT) an der Mannheim Business School absolviert – Alexa mit Schwerpunkt Corporate Tax, Jasmin im Bereich Indirect Tax Services. Im Interview blicken die beiden mittlerweile examinierten Steuerberaterinnen auf ihren Weg zurück: von der ersten Begegnung mit Steuerrecht im Studium und Mandatsarbeit bei KPMG bis hin zum Steuerberaterexamen.
    Sie sprechen offen darüber, wie sich Theorie und Praxis im Studiengang gegenseitig ergänzt haben, wie sich Vollzeitjob, Prüfungsphasen und Privatleben organisieren ließen und welche Rolle das Team bei KPMG dabei gespielt hat. 

    Alexa, Dein Weg führt über den LL.B. und Wirtschaftsrecht in die Steuerberatung. War Steuerrecht für Dich früh ein klares Berufsziel, oder hat sich das erst im Studium und in der Praxis herausgebildet?
    Bei mir hat sich das Interesse für Steuerrecht erst im Studium entwickelt, nach einer Vorlesung zu den Grundlagen des Steuerrechts. Die Kombination aus analytischem Denken und dem Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge hat mich sofort gepackt.
    Daraufhin habe ich mich für ein Praktikum in der Steuerberatung entschieden. Dort habe ich schnell gemerkt, dass Steuerrecht mehr als trockene Theorie ist: Jeder Tag war unterschiedlich, keine Aufgabe war wie die andere, und ich hatte in kurzer Zeit eine sehr steile Lernkurve. Um noch mehr Praxiserfahrung zu sammeln, habe ich neben dem Bachelor-Studium als Werkstudentin bei KPMG gearbeitet – ab da war der Weg für mich klar.
    Man muss nicht von Beginn des Studiums an wissen, wohin die berufliche Reise geht. Ich kann jedem nur empfehlen, über ein Praktikum in die Steuerberatung hineinzuschnuppern – nur so findet man heraus, ob einem dieser Weg liegt.

    Jasmin, Du hattest durch das duale Studium und den IHK-Abschluss schon früh viel Praxis. Was hat Dir trotzdem gefehlt oder Dich gereizt, den Master of Taxation noch anzuschließen?
    Genau das hat mich gereizt – die Verknüpfung von Theorie und Praxis. Im Blockmodell wechseln sich beide Phasen regelmäßig ab, sodass die Inhalte aus der Uni direkt im Berufsalltag angewendet und vertieft werden – und umgekehrt hilft die Praxiserfahrung, die Theorie besser einzuordnen. Viele Dozent:innen bringen zudem umfangreiche praktische Erfahrung aus Beratung, Verwaltung oder Wirtschaft mit und ergänzen die Inhalte durch reale Fallbeispiele. Dadurch entsteht ein besonders praxisnahes Lernumfeld – genau diese Wechselwirkung war für mich der wesentliche Mehrwert des Studiengangs.

    Alexa Fresch und Jasmin Bauer haben sich während der intensiven Theoriephasen in Mannheim kennengelernt – für beide ist aus dem Studium mehr als nur der Abschluss geblieben: enge Freundschaften mit ehemaligen Kommiliton:innen

    Alexa, der Master of Taxation ist kein Nebenbei-Studium. Was hat Dich damals trotzdem überzeugt, diesen Weg direkt mit KPMG zu verbinden, statt erst einmal „nur“ in den Beruf einzusteigen?
    Durch meine Werkstudententätigkeit hatte ich bereits eine Mischung aus Theorie und Praxis – das wollte ich fortführen. Ich wusste, dass ich im Steuerrecht noch viel lernen kann und muss. Theorie und Praxis liegen manchmal weit auseinander: Die Klausur in der Uni hat wenig mit den Themen zu tun, die Mandanten beschäftigen. In der Praxis gibt es keinen Standardfall – jeder Mandant bringt individuelle Sachverhalte und Anforderungen mit. Daher wollte ich beide Aspekte vertiefen, um mich optimal für die Mandantenberatung weiterzuentwickeln.

    Mein damaliger Vorgesetzter hatte selbst den Master of Taxation in Mannheim gemacht und mich auf das Programm aufmerksam gemacht. Nach einem Blick auf den MaMAT (Mannheim Master of Accounting und Taxation) war für mich klar: Genau die richtige Dosis an Theoriewissen und genügend Zeit für die Praxisphasen. Rückblickend war es die richtige Entscheidung, die ich immer wieder treffen würde. Fachlich habe ich mich enorm weiterentwickelt – genauso wertvoll war aber die persönliche Entwicklung. Das Studium ist kein „Nebenbei-Studium“: Man muss mit einem vollen Plan umgehen und Prioritäten setzen, um den Stoff für die Klausuren in kürzester Zeit aufzuarbeiten. Mein größter persönlicher Gewinn dabei sind die Kommiliton:innen, die zu Freunden geworden sind.

    Indirect Tax Services klingt für Außenstehende oft technischer als es im Alltag ist. Jasmin, wie würdest Du jemandem im Studium erklären, was an diesem Bereich reizvoll ist?
    Viele verbinden Indirect Tax zunächst mit sehr technischen oder stark regulierten Themen. Für mich liegt der Reiz gerade darin, dass die Umsatzsteuer einerseits einem klaren, logischen System folgt – das zeigt schon der Aufbau des Umsatzsteuergesetzes – andererseits aber unmittelbar mit realen Geschäftsprozessen verknüpft ist.
    Besonders schätze ich die internationale Ausrichtung: Viele Projekte haben einen grenzüberschreitenden Bezug, sodass die Zusammenarbeit mit Kolleg:innen und der Mandantschaft aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen zum Alltag gehört – fachlich wie persönlich bereichernd.
    Darüber hinaus gewinnt man einen außergewöhnlich tiefen Einblick in die Geschäftsmodelle der Mandanten: Man analysiert konkrete Produkte, Lieferketten und Transaktionen bis auf Einzelbuchungsebene. Das schafft ein sehr gutes Verständnis für das Unternehmen und häufig eine enge, vertrauensvolle Mandantenbeziehung.

    Hinzu kommt, dass umsatzsteuerliche Fragestellungen oft erhebliche finanzielle Auswirkungen haben – da die Steuer direkt an den Umsatz anknüpft, geht es regelmäßig um hohe Beträge. Entsprechend hoch ist die Sensibilität auf Mandantenseite, was die Arbeit anspruchsvoll und relevant macht.
    Mein Schwerpunkt liegt klar in der Umsatzsteuer, doch Indirect Tax umfasst darüber hinaus weitere spannende Bereiche wie das Zoll- und Verbrauchsteuerrecht. Diese Vielfalt hält das Tätigkeitsfeld abwechslungsreich.

    Viele Absolvent:innen kennen Steuerrecht vor allem aus Vorlesungen, Skripten und Fällen fürs Examen. Alexa, wann hast Du bei KPMG zum ersten Mal gemerkt, wie Corporate Tax im Arbeitsalltag wirklich funktioniert?
    Das war für mich durch die Arbeit bei KPMG sehr schnell erkennbar. Die Beratungspraxis hat mit der reinen Theorie aus dem Studium nur begrenzt zu tun. In der Realität sind meist die Sachverhaltsklärung und die Frage, was der Mandant eigentlich möchte, entscheidend. Die Theorie ist der Grundstock für eine valide Aussage, aber gefragt ist oft auch Pragmatismus: Welche Hintergründe stehen hinter der Anfrage? Was will der Mandant erreichen? Welche Lösung ist unter den konkreten Rahmenbedingungen realistisch und effizient umsetzbar?
    Etwas mag steuerlich aus der Theorie heraus funktionieren, ist für den Mandanten aber aus anderen, auch außersteuerlichen Gründen nicht realisierbar – etwa wegen Finanzierungsfragen, der nötigen Zustimmung bestimmter Gremien oder der Außenwirkung.
    Diese Schärfung des Blicks ist bereits in Mannheim Teil der Ausbildung: Im Fokus steht auch, welche Herausforderungen sich in der Praxis aus bestimmten Vorschriften ergeben und welche Faktoren zusätzlich zu berücksichtigen sind.

    Jasmin, Umsatzsteuerfragen hängen häufig sehr nah an Geschäftsmodellen, Lieferketten, Prozessen und IT-Systemen. Wann hast Du gemerkt, dass man hier nicht nur Paragrafen prüft, sondern Unternehmen ziemlich genau verstehen muss?
    Das wird einem in der Beratungspraxis sehr schnell bewusst. Der Unterschied zwischen einer Klausur und dem Berufsalltag: In der Klausur ist der Sachverhalt klar formuliert, in der Praxis sieht das oft anders aus. Man ist zunächst eine Art Detektiv und muss kritisch bleiben, ob der Mandant den Sachverhalt selbst zutreffend erkannt und mit allen relevanten Details wiedergegeben hat – und ob man ihn richtig verstanden hat. Genau das macht das Umsatzsteuerrecht für mich lebendig: die Arbeit mit Menschen und das tiefe Verständnis dafür, was unsere Mandanten eigentlich tun.

    Alexa Fresch nach bestandenem Master of Taxation: ein Jahr später folgten Steuerberaterexamen und Managerbeförderung bei KPMG

    Alexa, wie muss man sich die Verzahnung von Mannheim Business School und KPMG konkret vorstellen? Gab es Situationen, in denen ein Thema aus dem Studium kurze Zeit später in einem Mandat wieder auftauchte?
    Die Verzahnung der Theorie- und Praxisphasen erfolgt im Blockmodell: Zweimal im Jahr geht es für acht bis neun Wochen nach Mannheim, mit Vorlesungen und den entsprechenden Klausuren am Ende des Blocks. In der Zeit dazwischen arbeitet man bei KPMG – nur Seminar- und Masterarbeit werden berufsbegleitend zwischen zwei Blöcken geschrieben.

    Die Theorie „am Stück“ zu lernen, gibt genügend Zeit und Raum, sich voll auf die Uni-Phase zu konzentrieren. Mich hat überrascht, wie schnell ich Inhalte aus dem Studium in die Praxis umsetzen konnte – ich erinnere mich gut daran, zu genau dem Thema aus einer Vorlesung eine umfangreiche Stellungnahme geschrieben zu haben. Mit noch präsenter Theorie fällt die Ausarbeitung deutlich leichter. Genau diese Kombination zeigt, was die Kooperation von MBS und KPMG so wertvoll macht.
    Zudem gibt es immer wieder kleine und große Aha-Momente – in Mandantenanfragen, beim Erstellen von Stellungnahmen oder bei neuen Aufgaben. Für mich ist das Steuerrecht wie ein Netz aus einzelnen Themengebieten, das sich im Laufe des Masters immer weiter verknüpft hat. Durch die Nähe von Theorie und Praxis habe ich schneller Zusammenhänge erkannt – und das hört auch nach dem Master und dem Steuerberaterexamen nicht auf. Auch heute entstehen bei mir immer wieder neue Verbindungen in diesem Netz. Das zeigt, wie vielseitig das Steuerrecht ist und dass man jeden Tag etwas dazulernt.

    Jasmin, wie sah Dein Alltag während des Programms aus? Also nicht in der Broschürenfassung, sondern ganz praktisch: Arbeiten bei KPMG, Präsenzphasen, Selbststudium, Prüfungsvorbereitung.
    Positiv formuliert: abwechslungsreich. Negativ formuliert: voll.
    In den Praxisphasen bei KPMG arbeitet man „am lebenden Patienten“ und kann erlernte Zusammenhänge direkt anwenden. Allerdings umfasst eine Praxisphase nur wenige Monate am Stück, weshalb ich Projekte hin und wieder nicht bis zum Schluss begleiten konnte – das ist natürlich schade. Wichtig ist, für sich selbst eine klare Grenze zu ziehen und das dann auch an Team und Mandantschaft zu kommunizieren, nur so ist man als Teammitglied planbar einsetzbar. Ich wollte in den Praxisphasen voll für meine Kolleg:innen und die Mandanten da sein und in den Theoriephasen vollen Fokus auf die Uni legen. Das habe ich klar kommuniziert, und es wurde jederzeit akzeptiert – das hat hervorragend funktioniert.
    Hin und wieder waren während der Praxisphasen auch wissenschaftliche Arbeiten anzufertigen. Das erfordert einen strukturierten Plan, genau wie das Lernen während der Theorieblöcke. Private Termine und freie Blöcke habe ich fest und frühzeitig eingetragen, das half, rechtzeitig zu beginnen und den Überblick zu behalten. Und man sollte immer 2–3 Tage Puffer einkalkulieren, denn am Ende hält man sich sowieso nie komplett an den Plan.

    Die Vorbereitung auf die Klausuren war jedes Mal eine sehr intensive Zeit – zum Glück mit einer unglaublich tollen Gruppe in Mannheim, darunter auch Alexa. Wir haben die Öffnungszeiten der Lehrräume voll ausgenutzt und in jedem Semester einige „hardcore Tage“ vor den Klausuren eingebaut. Das war oft hart und zehrend, aber das Gefühl nach der Klausur ist unvergleichbar – und diese Zeiten gemeinsam mit guten Freunden durchzustehen, hat uns zusammengeschweißt.

    Corporate Tax verlangt Genauigkeit, aber auch ein Gespür dafür, wie Unternehmen wirtschaftlich ticken. Alexa, gab es einen Punkt, an dem Du gemerkt hast, dass Du nicht mehr nur zuarbeitest, sondern eigene Einschätzungen einbringst und Verantwortung übernimmst – fachlich wie persönlich?
    Einen einzelnen Zeitpunkt gab es für mich nicht – ich würde es eher als Prozess beschreiben. Durch die Kombination aus Theorie und Praxis ist mein fachliches Wissen kontinuierlich gewachsen. Mit jeder Aufgabe und jedem Mandantengespräch bin ich selbstbewusster geworden und habe gemerkt, dass ich mich auf das Gelernte verlassen kann. Mit wachsender Erfahrung wurde der Blick weiter und konnte auch mal über den eigenen Fachbereich hinauswandern.
    Besonders deutlich wurde mir das im Mandantenkontakt. An einen Moment erinnere ich mich noch genau: Ein Mandant hat mich das erste Mal mit einer Frage direkt angerufen. Einerseits war ich sehr nervös und habe mich gefragt, ob ich die Frage überhaupt beantworten kann. Andererseits war es ein großer Schritt, der mir bewusst gemacht hat, dass ich als Ansprechpartnerin wahrgenommen werde – und dass mir die Kolleg:innen so viel Vertrauen entgegenbringen, dass ich das Gespräch allein schaffen werde.


    „Mir wurde von Anfang an großes Vertrauen entgegengebracht, ich wurde in alle Mandatsthemen eingebunden und war eine gleichwertige Ansprechpartnerin für die Mandanten“ – Alexa


    Jasmin, welche Lernroutinen haben bei Dir funktioniert – und welche gut gemeinten Pläne haben sich im echten Alltag schnell erledigt?
    Nach der Arbeit noch etwas für die Uni zu machen, hat bei mir nie funktioniert – nach einem vollen Arbeitstag war ich intellektuell einfach durch. Ich habe den Spieß umgedreht und nötigen Unikram, wenn möglich, morgens vor der Arbeit erledigt.
    Als Lernroutine war mir mein Lernplan sehr wichtig – auch wenn ich ihn fast täglich verändert habe. Das sehe ich unproblematisch: Der Plan darf und muss flexibel bleiben, trotzdem hat er mir immer ein gutes Gefühl von Überblick über die vielen parallelen Themen gegeben.

    Die Routine an den „hardcore Tagen“ vor Klausuren sah dann so aus: morgens im Dunkeln gemeinsam zur Uni laufen, den Tag über lernen, abends gemeinsam Instant-Nudeln im Flur der Uni essen und im Dunkeln zurück zur Unterkunft laufen. Schlafen, repeat. Man vergisst dabei kurz, dass es noch etwas anderes im Leben gibt – aber irgendwie war das auch ziemlich cool. Eine prägende Zeit in jedem Semester, die auch auf das Steuerberaterexamen vorbereitet hat.

    Alexa, wie hast Du die Zusammenarbeit im Team bei KPMG erlebt – gerade in den intensiven Phasen, in denen Arbeit und Studium zusammenkamen? Und an welcher Stelle hattest Du das Gefühl, gezielt gefördert zu werden, statt einfach nur mitzulaufen?
    Die Zusammenarbeit hat für mich perfekt funktioniert. Es war schon vor Studienbeginn klar kommuniziert, wann ich für die Semester nicht da bin – alle Kolleg:innen haben diese Zeiten respektiert, sodass ich mich voll auf das Studium konzentrieren konnte.
    Von Anfang an wurde ich überwiegend bei laufenden Mandaten eingebunden, die gemeinsam mit anderen fachlichen Assistent:innen betreut wurden. So gab es in meinen Abwesenheitsphasen immer einen festen Ansprechpartner für Mandanten und mein Team, und nach meiner Rückkehr gab es durch Übergabetermine genug Arbeit und einen schnellen Wiedereinstieg. Herausfordernder war die Projektarbeit, da Projekte oft kurzfristig angefragt werden und sich über mehrere Wochen erstrecken – das ließ sich schwerer mit den Theoriephasen vereinbaren.
    Die Abwesenheitsphasen haben aber nie dazu geführt, dass mir nur weniger anspruchsvolle Aufgaben übertragen wurden. Im Gegenteil: Mir wurde von Anfang an großes Vertrauen entgegengebracht, ich wurde in alle Mandatsthemen eingebunden und war eine gleichwertige Ansprechpartnerin für die Mandanten. Gerade während eines berufsbegleitenden Masters ist das keineswegs selbstverständlich und hat mir stets das Gefühl gegeben, gefördert zu werden.

    Jasmin, Alexa hat beschrieben, wie stark der Master fachlich in die Mandatsarbeit hineinwirken kann. Gab es bei Dir einen Moment, in dem Du gemerkt hast: Ich argumentiere sicherer, erkenne Zusammenhänge schneller oder übernehme mehr Verantwortung?
    Ich finde, man konnte von Block zu Block, also nach jeder Theoriephase, einen „Sprung“ feststellen: Ich verstand die Hintergründe verschiedener Themen aus dem Berufsalltag immer besser, traute mir mehr zu und wuchs Stück für Stück in meine Rolle hinein.

    In solchen Programmen gibt es fast zwangsläufig Phasen, in denen Arbeit, Lernen und Prüfungen sehr nah zusammenrücken. Alexa, wie hast Du diese Zeit organisiert, ohne nur noch im Abarbeitungsmodus zu sein?
    Das Programm erfordert von allen Seiten eine gute Organisation und vor allem Kommunikation. Der Schlüssel für mich war, frühzeitig und offen zu kommunizieren, wann ich Freiräume für den Master brauche – so hatte das Team Planungssicherheit. Ich habe außerdem versucht, Theorie- und Praxisphasen bewusst zu trennen: In den Mannheim-Blöcken lag der Fokus auf dem Studium, in den Praxisphasen bei KPMG – ein großer Vorteil des Blockmodells.
    Nicht immer war diese klare Trennung möglich, etwa bei den semesterübergreifenden Seminar- und Masterarbeiten. Gerade dann habe ich gemerkt, wie wichtig das Umfeld ist: Das Team hat mich bei hoher Belastung immer unterstützt und auch mal Aufgaben übernommen, damit ich mich auf die Abgabefrist konzentrieren konnte.
    Mitgenommen habe ich aus dem Master auch, dass man nicht jede Minute produktiv sein muss. Gerade in stressigen Phasen hat man das Gefühl, immer noch einen Punkt der To-Do-Liste abhaken zu müssen. Bewusst Zeit für kleine Pausen einzuplanen hilft, den Kopf freizubekommen. Mit einer Gruppe aus dem Mannheim Master haben wir zum Beispiel die Prüfungsvorbereitung fürs Steuerberaterexamen organisiert und einen Tag pro Woche nach dem Kurs fest für gemeinsame Unternehmungen reserviert. An diesen Abenden wurde nicht mehr gelernt, sondern abgeschaltet, über etwas anderes als Steuerrecht gesprochen und Energie getankt.

    Jasmin, wenn Du nach vorn schaust: Welche Türen hat Dir der Master of Taxation geöffnet, die sonst vielleicht verschlossen geblieben wären – und wo siehst Du Dich fachlich in den nächsten Jahren?
    Ich hatte ehrlich gesagt nie wirklich vor, Steuerberaterin zu werden – ich wusste eigentlich nur, was ich nicht machen will. Ironischerweise war die Steuerrechtsklausur im Bachelor auch meine mit Abstand schlechteste Klausur.
    Den Weg in Richtung Steuerberaterexamen hätte ich ohne den Master also bestimmt nicht eingeschlagen – das ist die fachliche Tür, die sich mir geöffnet hat.
    Genauso bezeichnend finde ich die soziale Tür: Ich habe Menschen aus ganz Deutschland kennengelernt, die inzwischen nicht nur fachlich herausragende Steuerrechtler:innen, sondern auch meine Freunde sind. Unser Masterabschluss ist jetzt ein Jahr her, das haben wir kürzlich mit einer Reunion-Party gefeiert – wir hatten schließlich eine wirklich tolle Zeit in Mannheim.


    „Renne immer der guten Ausbildung hinterher, nie dem großen Geld oder dem renommierten Job – solange du der hervorragenden Ausbildung hinterherrennst, fügt sich der Rest von allein“ – Jasmin


    Alexa, Du bist seit Februar 2026 Steuerberaterin. Was hat sich dadurch in Deinem Arbeitsalltag verändert – fachlich, im Kontakt mit Mandanten oder auch im eigenen Selbstverständnis?
    Ich muss sagen, dass sich für mich im Arbeitsalltag nicht wirklich viel verändert hat. Fachlich hat mich die Examensvorbereitung noch einmal einen großen Schritt nach vorne gebracht – ich habe mich mit steuerlichen Themen beschäftigt, die mir im Berufsalltag nicht regelmäßig begegnen. Anspruchsvolle Aufgaben und Verantwortung durfte ich aber auch vorher schon übernehmen.
    Persönlich bin ich sehr stolz, dass sich die Anstrengung der letzten Jahre so ausgezahlt hat – Masterabschluss, Steuerberaterexamen und Managerbeförderung bei KPMG innerhalb eines Jahres.

    Jasmin Bauer in Frankfurt, wo sie nach dualem Studium und IHK-Abschluss ihre berufliche Laufbahn bei KPMG im Bereich Indirect Tax Services fortsetzte

    Jasmin, Du bist seit März 2026 Steuerberaterin. Was würdest Du Interessierten heute ehrlich mitgeben: Für wen passt dieser Weg gut, welche Vorstellung vom Master of Taxation sollte man lieber vorher korrigieren, und worauf sollte man sich im Bewerbungsprozess einstellen?
    Dieser Weg passt gut, wenn du dir Spaß, Neugierde und vielleicht auch Faszination am Steuerrecht bewahrst. Es gibt kürzere Steuermaster – der MaMAT umfasst immerhin sieben Semester – aber ihn zeichnen neben herausragenden Dozierenden die umfangreichen Soft-Skill-Kurse sowie BWL- und managementorientierte Themenbereiche aus.
    Welche Vorstellung sollte man vorher korrigieren? Der Onboarding-Block zu Beginn, also das erste Semester, soll alle Studierenden auf dieselbe steuerrechtliche Ausgangsbasis heben. Ich kam fachfremd nach Mannheim und habe mir in diesem ersten Semester sehr schwergetan. Ich würde daher empfehlen, den Onboarding-Block ernst zu nehmen und die Grundlagen sorgfältig zu legen – gerade die Themen aus den ersten Blöcken sind Grundlage für das Examen und müssen ohnehin früher oder später gelernt werden. Durch die kleinen Kursgrößen in Mannheim und die ähnliche berufliche Situation der Studierenden neigen manche dazu, sich stark zu vergleichen. Meine Lektion daraus: Vergleiche mit anderen bringen nichts. Mein Rat an Interessierte: Sucht euren eigenen Weg und geht ihn für euch – das heißt nicht, zum Einzelkämpfer zu werden, aber der Fokus auf sich selbst und das Wissen, dass jede Ausgangslage anders und damit unvergleichbar ist, hat mir in Mannheim und besonders in der Examenszeit oft geholfen.

    Ein Zitat, das ich einmal in einem Podcast gehört habe, möchte ich noch teilen: Renne immer der guten Ausbildung hinterher, nie dem großen Geld oder dem renommierten Job – solange du der hervorragenden Ausbildung hinterherrennst, fügt sich der Rest von allein.
    Ich wünsche euch viel Erfolg und vor allem viel Freude auf eurem Weg. Bei Fragen könnt ihr euch jederzeit gern bei mir melden.

    Wenn ihr mehr zum Bereich Indirect Tax bei KPMG erfahren möchtet, lest hier weiter!

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