
Im Interview: Marie Christin Rinke über Steuerberatung im Krypto-Zeitalter
Möhrle Happ Luther ist eine multidisziplinäre Wirtschaftskanzlei mit über 450 Mitarbeitenden aus Steuerberatung, Rechtsberatung, Wirtschaftsprüfung, Consulting und IT-Consulting. Partnerin Marie Christin Rinke verantwortet ein Team von rund 35 Personen – mit einem Schwerpunkt, der das klassische Bild der Steuerberatung deutlich erweitert: Kryptowährungen, Blockchain und Web3.
Du bist bei Möhrle Happ Luther für ein Team von rund 35 Mitarbeitenden verantwortlich. Wer arbeitet in diesem Team und was ist Dein Schwerpunkt?
In unserem Team arbeiten Mitarbeitende aus allen Ausbildungsstufen – von Praktikant:innen über Werkstudierende bis hin zu Steuerberater:innen. Fachlich decken wir das klassische steuerliche Spektrum ab: Die laufende Beratung unserer Mandanten, die Erstellung von Abschlüssen und Steuererklärungen sowie die Finanzbuchhaltung. Außerdem beraten wir unsere Mandanten in Bezug auf Steuerstrukturierung, Transaktionen und Nachfolge. Mein persönlicher Schwerpunkt liegt auf der steuerlichen Beratung im Bereich Kryptowährungen, Blockchain und Web3.
Was hat Dich ursprünglich an der Steuerberatung gereizt – und wie bist Du in Themen wie Web3 hineingewachsen?
An dem Berufsfeld hat mich von Anfang an gereizt, dass man mit den verschiedensten Menschen, sowohl aus dem Mandanten- als auch aus dem Kolleg:innenkreis in Kontakt kommt und gemeinsam komplexe Fragestellungen löst. Ich darf die Menschen begleiten und sie in deren Entwicklung unterstützen, das finde ich total schön. Unser Mandantenstamm ist ebenso vielfältig wie die Fragestellungen: Von klassischen B2B-Unternehmen über Privatpersonen und Family Offices bis hin zu jungen, dynamischen Start-ups. Entsprechend abwechslungsreich sind unsere Projekte.
Wir beraten unsere Mandanten proaktiv und langfristig und begleiten ihre Entwicklung oft über viele Jahre. Besonders spannend ist es zu sehen, wie Start-ups zu erfolgreichen Unternehmen heranwachsen. Gleichzeitig ist das Steuerrecht ein Bereich, in dem man nie stehen bleibt: Es verändert sich ständig und fordert dazu auf, mitzudenken, offen zu bleiben und sich fachlich wie persönlich weiterzuentwickeln. Genau diese Dynamik macht den Beruf für mich so spannend: kein Stillstand, sondern Abwechslung und Entwicklung.
„Genau diese Dynamik macht den Beruf für mich so spannend: kein Stillstand, sondern Abwechslung und Entwicklung“
In den Blockchain‑ und Kryptobereich bin ich eher zufällig über ein einzelnes Mandat gekommen. Ich habe gemerkt, wie spannend diese neuen Geschäftsmodelle sind und dass man sich intensiv mit der ganzen Materie auseinandersetzen muss, um sie steuerlich einordnen zu können. Aus anfänglicher Neugier wurde schnell echtes Interesse. Ich habe mir Schritt für Schritt ein Team aufgebaut und Kolleg:innen gefragt, ob sie das Thema gemeinsam mit mir weiterentwickeln möchten. So hat sich mein fachlicher Schwerpunkt entwickelt. Heute bin ich in einem großen Netzwerk aus dem Blockchain- und Kryptobereich aktiv. Ein Weg, der zeigt, wie viel Gestaltungsspielraum es auch im Steuerbereich gibt.
Krypto, Blockchain, Web3 – wie sich die Steuerberatung neu erfunden hat
Viele haben bei Steuerberatung noch ein sehr klassisches Bild im Kopf. Was ist heute ganz anders?
Die Arbeit ist heute deutlich digitaler, schneller und dynamischer. Früher gab es noch Belegordner, die die Mandanten bei uns abgegeben haben. Das gibt es heute gar nicht mehr. Vieles läuft vollständig digital. Gerade Mandanten aus dem Krypto‑ und Web3‑Umfeld sind extrem technologieaffin und erwarten pragmatische, lösungsorientierte Beratung. Die Zusammenarbeit ist dabei oft informeller und auf Augenhöhe. Es geht weniger um Titel oder Auftreten, sondern darum, ob man das Geschäftsmodell versteht und pragmatische Lösungen anbieten kann.
Du berätst Unternehmen im Bereich Blockchain und Web3. Wie dürfen wir uns solche Mandate konkret vorstellen?
Ich berate vor allem Unternehmen im B2B-Umfeld, die im Blockchain- und Krypto-Bereich tätig sind. Beispielsweise Unternehmen, die ihre eigene Blockchain betreiben, die Infrastruktur für den Handel von Kryptowährungen bauen oder die Herausforderungen der Interoperabilität verschiedener Blockchain lösen.
Auch Family Offices und Investoren gehören zu meinem Portfolio. Im Alltag geht es darum, neue technische Sachverhalte steuerlich einzuordnen, und bestehendes Steuerrecht auf neue Geschäftsmodelle und Investitionsmöglichkeiten anzuwenden. Oft ist echte Pionierarbeit gefragt, weil es für viele Fragestellungen noch keine klaren gesetzlichen Vorgaben gibt. Ich schaue mir den Sachverhalt genau an und versuche auch die Technik dahinter zu verstehen. Nur so lässt sich beurteilen, was für die steuerliche Einordnung wirklich relevant ist. Genau das macht die Arbeit aber auch so spannend.
Berufseinstieg als Steuerberater:in im Krypto-Bereich: Früh ran an Zukunftsthemen
Welche Aufgaben übernehmen Einsteiger:innen hier früh?
Eine solide steuerliche Basis ist wichtig, aber Berufseinsteiger:innen können bei uns sehr früh mit Blockchain‑ und Krypto‑Themen in Berührung kommen. Neben klassischen Aufgaben arbeiten sie schnell an spezifischen Fragestellungen mit – etwa bei der Analyse von Transaktionen, der Abstimmung von Wallet‑Beständen oder der Bewertung von Krypto‑Assets. Im Team besprechen wir regelmäßig aktuelle Praxisfragen, die wir bei Mandaten sehen. Hier können sich auch Berufseinsteiger:innen aktiv einbringen, Themen vorbereiten, eigene Lösungsansätze vorstellen und Verantwortung übernehmen.
Welche Bedeutung haben Tools, Daten und KI in Deiner täglichen Arbeit?
Tools und Daten spielen eine große Rolle, weil gerade meine Mandanten mit sehr modernen Systemen arbeiten. Man muss verstehen, wie Prozesse, Schnittstellen und Datenstrukturen funktionieren, um die Sachverhalte korrekt einordnen zu können und die steuerlichen Verpflichtungen wie etwa die Buchhaltung möglichst effizient abzubilden. Künstliche Intelligenz verändert unsere Arbeit spürbar. Sie kann Prozesse beschleunigen und erste Ideen liefern, ersetzt aber nicht die fachliche Einordnung. Die Verantwortung für das Ergebnis bleibt immer beim Menschen.
Offen, divers, zukunftsorientiert – Kultur und Haltung bei Möhrle Happ Luther
Wie würdest Du die Zusammenarbeit bei Möhrle Happ Luther beschreiben?
Ich erlebe die Zusammenarbeit bei Möhrle Happ Luther als sehr offen, kollegial und professionell. Hier arbeiten Menschen, die ihr Fach wirklich verstehen und hochwertige Beratung auf sehr anspruchsvolle Mandate leisten. Genauso wichtig ist für mich die gegenseitige Unterstützung: Ich weiß immer, an wen ich mich bei speziellen Fragen wenden kann. Wir teilen Wissen und sind stark lösungsorientiert. Unsere Türen stehen offen und wir gehen wertschätzend miteinander um. Gleichzeitig macht die Zusammenarbeit einfach Spaß. Ich habe tolle Kolleg:innen, mit denen es menschlich und fachlich stimmt. Im Mittelpunkt steht, gemeinschaftlich das bestmögliche Ergebnis für unsere Mandanten zu erreichen. Das schätze ich sehr.
„Ich erlebe die Zusammenarbeit bei Möhrle Happ Luther als sehr offen, kollegial und professionell“
Du engagierst Dich in einer „Frauen für Frauen“-Initiative. Was ist Dir dabei wichtig?
In der Initiative beschäftigen wir uns mit ganz unterschiedlichen Themen, derzeit vor allem mit Selbstwirksamkeit, Auftreten, Akquise und persönlicher Entwicklung. Wichtig ist mir persönlich, dass das Format nicht abgrenzt, sondern verbindet. Deshalb lautet das Motto aktuell „Bring a friend“: Bringt gern auch männliche Kollegen zu den angebotenen Veranstaltungen mit. Wir möchten einen offenen Austausch schaffen.
Ich bin überzeugt, dass gemischte Teams durch ihre unterschiedlichen Blickwinkel und Perspektiven die besten Ergebnisse erzielen. Gleichzeitig heißt das auch, Frauen gezielt zu stärken und bestehende Denkmuster kritisch zu hinterfragen. Viele von uns treten zurückhaltender auf oder denken, Themen wie Akquise „liegen mir nicht so.“ Meine Erfahrung ist: Das stimmt so nicht. Akquise hat beispielsweise viele Facetten. Nur weil es etablierte Wege gibt, passen sie nicht automatisch für jede Person. Jede kann also ihren eigenen Stil entwickeln und damit sehr erfolgreich sein. Mir geht es darum, Frauen zu ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen, sich etwas zuzutrauen und selbstwirksam aufzutreten.
Für wen ist Möhrle Happ Luther der richtige Arbeitgeber?
Für alle, die gern im Team arbeiten, Spaß an anspruchsvollen fachlichen Themen haben, die neugierig sind und sich kontinuierlich weiterentwickeln möchten. Möhrle Happ Luther bietet beides: große und spannende Mandate und zugleich die persönliche Nähe, in der Du sichtbar bist, Verantwortung übernehmen und Deinen eigenen Weg gehen kannst. Wer später im Kryptobereich arbeiten möchte, sollte neben echtem Interesse an der Materie auch ein gewisses technisches Verständnis mitbringen. Gleichzeitig braucht es eine gewisse Chaostoleranz – neue Geschäftsmodelle bringen nicht immer sofort klare Strukturen mit sich. Englischkenntnisse sind dabei unerlässlich, da viele Mandate international ausgerichtet sind.
Marie Christin Rinke ist seit 2015 Steuerberaterin und seit 2022 Partnerin bei Möhrle Happ Luther. Gemeinsam mit zwei weiteren Partnern leitet sie einen der fünf Bereiche in der Steuerberatung.