
„Haltung, Kultur und Flexibilität machen den Unterschied“
Barbara Muggenthaler ist Partnerin und Mitglied der Geschäftsleitung bei RAW-Partner – einer Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft, in der Führung und Fachlichkeit eng zusammengedacht werden. Als Leiterin des größten Teams im Unternehmen steht sie für eine moderne Karriere in einer Branche, die sich wandelt – und ist damit ein konkretes Role Model für die nächste Generation.
Wie hat sich die Wirtschaftsprüfung in den letzten Jahren gewandelt?
In den letzten Jahren hat sich die Wirtschaftsprüfung spürbar verändert. Das Berufsbild ist deutlich moderner geworden – angefangen bei einem legereren und lockereren Auftreten, flacheren Hierarchien, und auch einer zeitgemäßeren Unternehmenskultur. Zudem hat sich die Reisetätigkeit bei uns deutlich verringert im Vergleich dazu, wie es noch vor einigen Jahren üblich war. Damit sind wir flexibler geworden, nicht zuletzt durch digitalere Arbeits- weisen, Datenräume und effiziente Remote-Prüfungen. Inhaltlich ist die Tätigkeit auch vielfältiger. Themen wie Nachhaltigkeit, IT-Prüfungen und der Einsatz von KI spielen sowohl auf Unternehmens- als auch auf Kanzleiseite eine immer größere Rolle. Gleichzeitig werden die geprüften Unternehmen zunehmend komplexer. Was sich hingegen kaum verändert hat, ist das hohe Maß an Bürokratie. Die Regulierung nimmt weiter zu, das Gerüst aus Standards und Dokumentationspflichten bleibt weiterhin starr. Daher mein Fazit: Die Branche ist moderner geworden – aber nicht unbedingt weniger formalistisch.
Female Leadership in der Wirtschaftsprüfung: Warum RAW-Partner früh auf Soft Skills gesetzt hat
Was bedeutet dieser Wandel konkret für den Nachwuchs – und gerade auch für Frauen, die diesen Karriereweg in Betracht ziehen?
Fachkräftemangel, steigende Komplexität und Nachwuchsfragen haben viele Ursachen – Führungsstrukturen sind dabei sicher ein Faktor, aber nicht der Einzige. Zumindest bei RAW-Partner waren viele der sogenannten „weichen Faktoren“ schon früh verankert: Echte Work-Life-Balance, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mitarbeitende Partner, ein gutes Miteinander und Arbeiten auf Augenhöhe. Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung sind bei uns zudem eng verzahnt, was zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten und ein abwechslungsreiches und attraktives Aufgabenfeld schafft. Der Nachwuchs in der Wirtschaftsprüfung bleibt dennoch eine Herausforderung – auch weil sich weiterhin vergleichsweise wenige Frauen für den Weg zur Wirtschaftsprüferin und später zur Partnerschaft entscheiden. Ein möglicher Grund ist die im Vergleich zur Steuerberatung häufig höhere Reisetätigkeit, die insbesondere mit Blick auf Familie eine Rolle spielen kann. Zugleich zeigt mein eigenes Beispiel, dass sich beides durchaus miteinander vereinbaren lässt – vorausgesetzt, es besteht auf beiden Seiten die nötige Flexibilität.
Sie führen das größte Team bei RAW-Partner – welche Erfahrungen machen Sie dabei mit Blick auf weibliche Führung und deren Wirkung auf Mitarbeitende und Bewerber:innen?
Man merkt, dass Mitarbeitende es schätzen, auch weibliche Führung zu erleben. Viele Bewerberinnen und Bewerber starten bewusst bei einer Frau. Meines Erachtens spielen die damit einhergehende Vorbildfunktion und Identifikation eine wichtige Rolle. Ich glaube daher, dass Haltung, Kultur und Flexibilität einen Unterschied machen. Wo diese Parameter stimmen, lässt sich die Komplexität der Aufgaben gemeinsam bewältigen und der Fachkräftemangel durch einen attraktiven Arbeitsplatz verringern. Merkt man im Alltag einen Unterschied, wenn Frauen mit am Tisch sitzen? Ja, durchaus. Wenn Frauen am Tisch sitzen, entsteht oft eine andere, offenere Kommunikationsebene, die teilweise aufmerksamer und dialogorientierter ist. Man nimmt leichter Stimmungen oder unausgesprochene Anliegen wahr und kann gezielt darauf eingehen. Im reinen Prüfungsalltag, geprägt von Gesetzen, Daten und Fakten, spüre ich fachlich keinen Unterschied. Spürbar wird die weibliche Perspektive eher in Mandantengesprächen, in beratenden Rollen oder intern in der Führung: Unterschiedliche Blickwinkel fördern bessere Entscheidungen und ein positives Teamklima.
Führung auf Augenhöhe – wie Barbara Muggenthaler Teamkultur bei RAW-Partner lebt
Wie zeigt sich Ihr Führungsverständnis konkret im Arbeitsalltag?
Mitarbeit und Mitgestaltung sind für mich und unserer Partnerschaft bei RAW-Partner besonders wichtig. Ich arbeite aktiv mit, bin nahbar und habe offene Türen – Fragen können jederzeit gestellt werden, egal von welcher Person oder Funktion. Wir pflegen bei RAW-Partner flache Hierarchien. Mir ist wichtig, als Vorbild zu agieren und auf Augenhöhe zu arbeiten. Ich gebe direkt und offen Feedback, ohne hierarchisch zu sein, und kommuniziere Erwartungen an mein Team in transparenter Form. Gleichzeitig gebe ich viel Freiraum: Selbstorganisation, die Übernahme von Verantwortung und Vertrauen sind zentrale Prinzipien meiner Führung. Wer sein Bestes geben will, bekommt von mir die Unterstützung und Flexibilität, die dafür nötig ist.
Was müssen Unternehmen konkret tun, um Frauen auf dem Weg in die Führung zu unterstützen?
Zunächst einmal müssen Frauen diesen Weg bewusst gehen wollen – also sich aktiv für Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung oder Rechtsberatung entscheiden und zusätzlich Führung anstreben. Kanzleien können Möglichkeiten schaffen, aber die Entscheidung, diese Verantwortung übernehmen zu wollen, trifft jede Frau selbst. Strukturell bedeutet echte Förderung vor allem: Dranbleiben und Ermöglichen. Ermöglichen heißt für mich auch Frauen mitzugeben, dass sie mehr Mut haben dürfen und sollten. Eine Babypause darf kein Karriereknick sein. Wichtig ist, Frauen während der Elternzeit eingebunden zu halten. Ebenso entscheidend ist keine Stigmatisierung bei längeren Auszeiten. Gleichzeitig sollten beide Geschlechter gleichermaßen gefördert werden. Aufgrund gesellschaftlicher Gegebenheiten nehmen Frauen oft längere Auszeiten – das muss akzeptiert werden. Entscheidend ist, den Wiedereinstieg flexibel zu gestalten, mit variablen Arbeitszeiten sowie Flexibilität und dem Aufzeigen von Perspektiven. Nur so entsteht meiner Meinung nach echte strukturelle Chancengleichheit.
Vorbildfunktion, Fachtiefe, Mut – was den Weg in die Führung in der Wirtschaftsprüfung ebnet
Inwiefern nehmen Sie Ihre Rolle als Vorbild bewusst wahr?
Ich finde es sehr schön, eine Vorbildfunktion zu haben, und versuche bewusst darauf zu achten, wie ich handle und kommuniziere. Mein Leitbild hierbei ist, nicht zu fordern, was ich nicht selbst vorlebe. Dabei ist es mir wichtig, meinen persönlichen Weg transparent zu machen, und zu verdeutlichen, dass die Vereinbarkeit von Karriere und Familie möglich ist und dass ich dabei auch nur ein Mensch bin. In unserem Berufsfeld gibt es leider noch immer zu wenig Frauen in Führungsrollen. Ich möchte zeigen, wie spannend und vielfältig dieser Beruf ist. Gleichzeitig glaube ich, dass weibliches Einfühlungsvermögen in vielen Situationen ein Vorteil ist und zu sehr guten Ergebnissen führt. Dies geschieht manchmal auf eine andere Weise, die positiv auffällt und die Frauen stärken kann.
Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Fähigkeiten für Ihren Weg in die Führung gewesen?
Die Fähigkeiten, die mich in diese Führungsposition gebracht haben, sind Ehrgeiz, Durchhaltevermögen, meine schnelle Auffassungsgabe und ein tiefes fachliches Wissen. Ich setze mich für meine Überzeugungen ein, hinterfrage Dinge kritisch und treffe klare Entscheidungen. Gleichzeitig lege ich Wert auf offene Kommunikation, hohe Qualität und eine starke Motivation – das hilft, im Team Ziele zu erreichen, Themen voranzubringen und Veränderungen vorausschauend zu begegnen.
Was macht Ihnen jeden Tag Freude an Ihrer Arbeit und zeigt Ihnen, dass Sie genau an der richtigen Stelle sind?
Was mir jeden Tag Freude macht, ist vor allem mein Team – die Zusammenarbeit auf Augenhöhe, das gemeinsame Lösen von Herausforderungen und der direkte Austausch. Gleichzeitig erlebe ich täglich die Wertschätzung unserer Arbeit durch unsere Mandanten. Hands-On mitzuwirken, selbst Prüfungen und komplexe steuerliche Strukturierungen durchzuführen, Differenzen zu analysieren und gemeinsam mit dem Team Lösungen zu finden, macht die Arbeit für mich besonders erfüllend. Dass Mandanten unsere Arbeit schätzen und sich bedanken, zeigt mir tagtäglich, dass ich genau an der richtigen Stelle bin.

Barbara Muggenthaler studierte Accounting und Taxation an der Hochschule RheinMain und sammelte Erfahrung in größeren Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften, bevor sie zur Partnerin bei RAW-Partner aufstieg