Bechtle setzt auf weibliche Attribute in der Geschäftsleitung

Das IT-Unternehmen Bechtle kann in den vergangen knapp vierzig Jahren auf eine ganz besondere Erfolgsgeschichte blicken. Großgeworden durch das Systemhaus­geschäft mit rund 100 ­Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz etablierte Bechtle mit der internationalen ­­E-Commerce-Sparte ­zusätzlich Handelsgesellschaften in vierzehn ­europäischen Ländern. Eine, die für diesen Erfolg mitverantwortlich ist, ist Diana Langer (Bild) als Mitglied der ­Geschäftsleitung in der E-Commerce ­Holding. Sie erklärt, warum sie Frauen manchmal ermutigen muss, den nächsten Karriereschritt zu gehen.

Frau Diana Langer, Mitglied der ­Geschäftsleitung in der E-Commerce ­Holding bei Bechtle

Diana Langer, Mitglied der Geschäftsleitung in der E-Commerce ­Holding bei Bechtle

Sie haben vor 21 Jahren beim IT-Unternehmen Bechtle mit einem dualen Studium begonnen und sind mit dem Konzern enorm gewachsen. Nun sind Sie Mitglied der Geschäftsleitung der Bechtle E-Commerce Holding AG in Neckarsulm. In einer Arbeitswelt, in der schnelle Jobwechsel oft als Karriereturbo propagiert werden, sind Sie kontinuierlich Ihren Weg gegangen. 
Das stimmt, aber ich hatte nie das Bedürfnis zu wechseln. Als ich damals mein duales Studium bei Bechtle begann, war das Unternehmen noch recht unbekannt. In den vergangenen zwanzig Jahren sind wir immer erfolgreicher und größer geworden. Unser Unternehmenswachstum hat uns stets vor neue Herausforderungen gestellt und meine Aufgaben sind bis heute sehr abwechslungsreich. Ich glaube, ich hatte noch nie eine wiederkehrende Tätigkeit und nie fehlten neue Perspektiven. Die IT-Branche ist immer im Wandel und entwickelt sich sehr rasch und wir bei Bechtle uns natürlich mit. Für mich damals, als junge, motivierte Frau, war das Unternehmen genau das Richtige, um meine Ambitionen zu verwirklichen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Ich kann mir keinen besseren Arbeitgeber vorstellen.

Was genau verantworten Sie heute?
Ich bin in der Geschäftsleitung für den Bereich Geschäftsentwicklung im E-Commerce zuständig und arbeite in unserem Headquarter in Neckarsulm. In dieser Funktion unterstützen und koordiniere ich unsere in ganz Europa verteilten Vertriebsgesellschaften. Viele Prozesse sind hier am Standort zentralisiert, zum Beispiel der Einkauf oder das Hersteller- oder Produktmanagement. Auch andere Bereiche wie zum Beispiel die Personalentwicklung steuern wir von hier zentral für die einzelnen Länder. Zur bestmöglichen Unterstützung unserer europäischen Mitarbeitenden betreiben wir auch Controlling und Prozessmanagement. Es hört sich an, als wären wir in der Zentrale für das E-Commerce Geschäft ein riesiges Team, tatsächlich reichen fünfundzwanzig Teammitglieder aus, um unsere internationalen Communitys zu steuern und mit den Zentralbereichen entsprechend zu vernetzten.

Was macht den besonderen Reiz in Ihrem Team aus?
Ganz eindeutig das internationale Flair. In meinem Team sind 12 Nationalitäten vertreten, das sorgt für Abwechslung! Wir sprechen hauptsächlich Englisch miteinander. Ich persönliche liebe es auch zu reisen und unterschiedliche Menschen zu treffen. Wenn ich zum Beispiel die Kolleg:innen in Spanien besuche und erkenne, was besonders gut läuft, überlege ich, wie wir ihre Erfahrungen in andere Länder übertragen können. Meine Aufgabe ist es dabei, zu analysieren, zu vermitteln und auf den jeweiligen Kontext anzupassen. Dieser produktive Austausch mit anderen Mitarbeitenden ist letztendlich auch das, was für mich den Reiz ausmacht.

Und macht es das für Sie zusätzlich reizvoll, dass es bei Bechtle im internationalen Umfeld verhältnismäßig viele erfolgreiche Frauen in Führungspositionen gibt?
Wir haben im internationalen Umfeld tatsächlich 38 Prozent weibliche Führungskräfte. Wirklich eine beachtliche Zahl, auf die wir stolz sind. Ich glaube, im E-Commerce haben wir den Vorteil, dass der technische Fokus geringer ist und sich deshalb auch mehr Frauen rantrauen. Aus meiner Erfahrung sind Frauen wesentlich selbstkritischer mit sich selbst als Männer. Woran machen Sie das fest? Wenn Frauen eine Stellenanzeige lesen und nur neun von zehn Anforderungen erfüllen, bewerben sie sich im Zweifel lieber nicht. Bei Männern ist das nicht so. Dabei braucht es aus meiner Sicht als Geschäftsführerin weniger technisches Verständnis, als man vielleicht vermutet. Das fachliche Know-how bringen die Mitarbeitenden mit. Viel wichtiger ist daher, ein Team gut zu führen und unternehmerisch zu handeln – und das können Frauen meines Erachtens mindestens genauso gut wie Männer. Im E-Commerce Bereich haben wir das schon früh erkannt und Gleichberechtigung durchgängig gefördert.

„Emotion und Empathie machen für mich einen positiven Führungsstil aus!“

Trotzdem sind in der Technologiebranche immer noch übermäßig viele Männer vertreten. Was macht Bechtle, damit auch Frauen Leitungspositionen übernehmen?
Vielfalt, nicht nur in Bezug auf Gendergerechtigkeit spielt in unserem Unternehmen eine Schlüsselrolle. Wir sind uns der verschiedenen Formen von möglicher Diskriminierung bewusst und schulen unsere Führungskräfte. Auch Initiativen speziell zur Frauenförderung wie beispielsweise der „Girls Day“ oder Mentoring Programme unterstützen uns bei unseren Zielen. Meiner Erfahrung nach ist es falsch, alles auf die Männer zu schieben. Manchmal fehlt es den Frauen auch etwas an Entschlossenheit, den Weg zu gehen. Ich selbst habe in meinem Team tatsächlich mehr weibliche Führungskräfte als männliche. Dabei musste ich einige der weiblichen Kolleginnen dazu ermutigen, den nächsten Schritt zu gehen.

Wäre es in Hinblick auf diese Ermutigungen hilfreich, wenn es generell mehr Role Models gäbe?
Auf jeden Fall. Zu sehen, dass der Weg machbar ist, ermutigt bestimmt. Relevant finde ich es in diesem Zusammenhang, welche Vorbilder gezeigt werden. Frauen wird häufig im negativen Sinne nachgesagt, dass sie nicht ganz so taff sind, oder emotionaler und empathischer. Aber genau das macht für mich einen positiven Führungsstil aus. Auch mit weiblichen Attributen kann man sehr erfolgreich sein. Meine Kolleginnen heben immer die Gruppe hervor, setzen sich für andere ein und legen keinen Wert darauf, selbst im Rampenlicht zu stehen. Davon profitieren letztendlich das ganze Team und das Unternehmen!

Um nochmal auf Ihr fachliches Gebiet zurückzukommen: Was sind denn die großen Trends im E-Commerce in den kommenden Jahren und wo ergeben sich für angehende Absolvent:innen besonders attraktive Möglichkeiten?
An der Digitalisierung führt kein Weg vorbei, das ist offensichtlich. Trotzdem bin ich vollkommen überzeugt, dass menschliche Fähigkeiten auch in Zukunft entscheidend sind. Damit meine ich Qualitäten wie etwa zu vernetzen, im Team zusammenzuarbeiten, gemeinschaftlich zu denken und effizient zu kommunizieren – das sind grundlegende Fähigkeiten, von denen Absolvent:innen im hohen Maße profitieren. Der Erfolg ist abhängig von der Kommunikation, so ist zumindest meine Erfahrung. Vor allem im internationalen Bereich ist das essenziell, wenn es darum geht, Communitys zu führen und Menschen zu begeistern. Das funktioniert dann sogar über Distanz, per Telefon oder Videocall.

Sie sind begeisterte Ausdauersportlerin. Welche Kraft ziehen Sie daraus?
Ganz viel. Ich nehme mir täglich ein bis zwei Stunden Zeit und investiere sie in Sport. Dafür stehe ich zum Beispiel um fünf Uhr auf und setze mich auf mein Fahrrad. Für mich hat das nichts mit Disziplin zu tun, sondern mit der Möglichkeit zu entspannen. Dabei komme ich zur Ruhe und sortiere meine Gedanken. Ich integriere den Sport auch in meinen Alltag, denn manchmal laufe ich von der Arbeit nach Hause. Wenn ich eine Stunde renne, geht mir die erste halbe Stunde noch viel durch den Kopf. Und irgendwann schalte ich ab, dann fängt diese berühmte Work-Life-Balance an.

Welche beruflichen Ziele möchten Sie noch erreichen?
Ich habe mir nie einen genauen Karriereplan gemacht oder bestimmt Positionen mit Nachdruck verfolgt. Dafür habe ich einen hohen Anspruch an meine Arbeit und die Intention, immer mein Bestes zu geben. Meine Leistungen wurden honoriert, so habe ich mich entwickelt. Wenn man einen guten Job macht, wird das gesehen und damit qualifiziert man sich aus meiner Erfahrung automatisch für neue Aufgaben, zumindest kann ich das für Bechtle sagen. Auch meine Zufriedenheit mit dem was ich tue, hat maßgeblich dazu beigetragen. Diese Einstellung verfolge ich auch in den kommenden Jahren. Ich bin gespannt, wohin die Reise geht.

Wenn angehende Absolvent:innen nun Lust bekommen haben, Sie auf Ihrem Weg zu begleiten – was sollten sie mitbringen und auf welche Diana Langer können sie sich verlassen?
Das ist ganz einfach: Auf eine offene, kommunikative und bodenständige Diana. Wenn ich neue Kolleg:innen mit an Bord nehme, lege ich besonderen Wert auf ihr Mindset und ihren Charakter. Spezielle Fähigkeiten sind zwar notwendig, aber lassen sich erlernen. Eine positive und aufgeschlossene Persönlichkeit weniger. Mir ist es wichtiger, dass Menschen einfach die richtige Einstellung haben, das Talent der Kommunikation mitbringen und diese auch gezielt einsetzen.


Diversity bei Bechtle

Heading for Diversity: Chancengleicheit bei Bechtle

Für Bechtle ist Vielfalt ein absoluter Schlüsselfaktor. Mit mehr als 12.800 Mitarbeitenden aus über 100 Nationen in 14 Ländern Europas setzt sich das Unternehmen schon lange aktiv gegen jegliche Form der Diskriminierung ein. Die Chancengleichheit ist fest im Verhaltenskodex verankert und wird mit neuen Projekten systematisch gefördert:

  • In der Konzernzentrale analysiert ein interdisziplinär besetztes Diversity-Team den Status quo und definiert Kennzahlen zur Messbarkeit der ehrgeizigen Ziele des Unternehmens. Zudem vernetzt und sensibilisiert das Team vor allem Führungskräfte für die Thematik.
  • Das 12-wöchige Programm „Working Out Loud“ fördert die Vernetzung und den Wissensaustausch aller Mitarbeitenden, denen das Motto #FrauenStärken besonders am Herzen liegt. Role Models teilen ihre nützlichen Erfahrungen mit Interessierten.
  • Beim Partner-Workshops “Let’s Connect” – mit Dell EMC und Google können alle Beschäftigten ihr Wissen und ihre Kompetenzen in den Themenbereichen Personal Brand, Selbstvermarktung, Resilienz und Networking ausbauen.
  • Das Frauenförderprogramm „Release your Potential“ bereitet Mitarbeiterinnen auf eine Führungskarriere vor: Coaching, Mentoring und ein strategisches Projekt bieten die beste Grundlage für einen spätere Expertinnen Laufbahn.

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