Energiewende in der Wirtschaftsprüfung

Die tiefgreifenden Auswirkungen der Energiewende auf die Gesellschaft spiegeln sich auch in der Wirtschaftsprüfung wider. Diese Veränderungen bringen für Absolvent:innen die einmalige Chance mit sich, in einen zukunftsfähigen und motivierenden Aufgabenbereich einsteigen zu können. Was ihr euch darunter vorstellen könnt, berichten Wirtschaftsprüfer Niklas Polster (Senior Manager) und die angehende Steuerberaterin Melissa Knopf (Senior) aus dem Deloitte-Audit-Team „Power, Utilities & Renewables”.

Herr Polster, Sie verfügen über mehr als neun Jahre Erfahrung in der Abschlussprüfung von Unternehmen aus dem Energiesektor. Wie wirkt sich die Energiewende und andere aktuelle Themen auf Ihre Kunden aus?
Sowohl Energie- als auch Industrieunternehmen bewegen sich in einem sehr dynamischen, energiepolitischen Dreieck aus stabiler Energieversorgung, kostengünstiger Energie und natürlich der Förderung erneuerbarer Energien. Ganz zentral ist derzeit das Thema Energiepreise, die auf einem Rekordhoch liegen. Das bringt im Audit enorme Auswirkungen auf Energie- und energieintensive Unternehmen mit sich, insbesondere was die Bewertung der Kraftwerke oder auch der Derivate angeht. In der Industrie wird Energie gleichbedeutend mit einem deutlich höheren und volatileren Kostenfaktor bewertet und ist somit ein starker Aspekt im Risikomanagement und in der Corporate Governance.

Ein anderes aktuelles Thema ist die Gasumlage. Sind die Auswirkungen hiervon ebenfalls spürbar?
Polster: Mit Sicherheit. Angefangen bei den Gasimporteuren, die von der Umlage profitieren sollen, wickeln die verschiedenen Unternehmen der Energiewirtschaft diese Umlage ab. Entlang der Wertschöpfungskette gibt es diverse Unternehmen – entsprechend wird jede:r Prüfende damit in Berührung kommen. Gleiches gilt für die Überlegungen zur Erlösobergrenze im Strommarkt.

Melissa Knopf, angehende Steuerberaterin

Frau Knopf, was macht die Energiebran­che aus Audit-Sicht für Sie spannend?
In erster Linie die Vielfalt. Wir prüfen Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von Energieerzeugern über den -händler bis zum Ladeinfrastrukturbetreiber. Die Bandbreite an vorhandenen Themen ist groß und verändert sich mit jeder Innovation weiter, aktuell beispielsweise der Bereich Energy Trading rund um Emissions- und Grünstromzertifikate. Als angehende Wirtschaftsprüferin muss ich immer auf dem neuesten Stand der Entwicklungen bleiben. Dazu kommt, dass die Themen vielschichtig sind, niemals lediglich schwarz-weiß. Wir werden diesem innovationsgetriebenen Wandel gerecht, indem wir innerhalb unseres Teams früh Expertise aufbauen. Das hat im Übrigen den Vorteil, dass bei Deloitte auch Berufseinsteiger:innen schon mit hochkomplexen Fragestellungen in Berührung kommen. Ich selbst konnte nach kurzer Zeit bereits Leadership-Verantwortung übernehmen, was mich stark motiviert hat.

Gibt es neben der Herausforderung, immer up to date zu sein, weitere?
Polster: Wie in vielen Branchen tritt das Thema große Datenmengen und der Umgang mit ihnen immer vehementer in Erscheinung. Die Verbindung aus Daten und menschlichem Geschäfts- und Prozessverständnis gehört für mich zu den größten und spannendsten Herausforderungen der Gegenwart wie der Zukunft. Die Energiebranche ist neben dem Finanzsektor ein Frontrunner für digitale Tools und ein „Audit of the Future“, beispielsweise mittels Process Mining.

Knopf: Entscheidend wird sein, den großen Datenmengen strukturiert zu begegnen und das Ganze innovativ zu lösen, indem man dann eben auch diese Datenmengen für das Prozessverständnis analysiert.

Gesucht werden: Aktuell haben wir Bedarf an Absolvent:innen mit Hintergründen in Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsrecht aber auch Ingenieurswissenschaften. Wer also Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften verbunden hat, speziell mit dem Hintergrund Energie, ist zurzeit sehr gefragt.

Wenn Sie beide zurückblicken, was waren die drastischsten Veränderungen der letzten Jahre?
Polster: Als ich bei Deloitte angefangen habe, war der Energiemarkt gerade in der Hochphase der Liberalisierung. Es herrschte ein relativ konstantes Preisniveau und die Förderung erneuerbarer Energien brachten neue Geschäftsmodelle hervor. Aktuell haben wir sicherlich zwei große Veränderungen. Zum einen die extreme Preisvolatilität und zum anderen der Ruf nach ESG-Zielen sowie deren Umsetzung auf allen Unternehmensebenen. Das erfordert gerade eine absolute Dynamik, denn das Erreichen der Klimaziele kann langfristig nur global gelingen.

Knopf: Als Abschlussprüfer können auch wir einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und auf internationaler Ebene in Unternehmen unsere Schlagkraft einbringen. Der nicht-finanziellen Berichterstattung kommt eine steigende Bedeutung zu, denn Investoren und auch Gesellschaft verlangen diese transparente Berichterstattung, der sie vertrauen können. Langfristig wird sich die Berichterstattung zu Integrated Reportings vereinen, also sowohl finanzielle als auch nicht-finanzielle Kennzahlen beinhalten und darüber hinaus ganzheitliche Betrachtungen ermöglichen.

Niklas Polster, Wirtschaftsprüfer bei Deloitte

Herr Polster, auch Industrieunternehmen setzen sich zurzeit stärker mit Themen im Rahmen der Energiewende auseinander und erfordern Beratungsleistungen. Wie reagieren Sie darauf?
Das Thema Energiebeschaffung war bisher kaum relevant, entsprechend häufig werden wir nun aufgrund der Marktentwicklung von Industrieunternehmen angefragt. Wir haben unsere Expertise in der Energy Trading & Markets Group gebündelt. Angefangen bei strategischen Fragen über Cashflow-Modelle oder Risikomanagement beraten wir mit unserer Energieexpertise auch zu Fragestellungen über Bilanzierung und Steuern von Energieprodukten, wie beispielsweise Power Purchase Agreements.

Frau Knopf, im Zuge der Energiewende haben Sie sich in letzter Zeit vermehrt mit dem Thema Repowering auseinandergesetzt. Wie kam es dazu und was genau prüfen Sie in diesem Kontext?
Repowering bedeutet, kleinere und ausgeförderte Windkraftanlagen durch neu­ere und deutlich leistungsstärkere Anla­gen zu ersetzen. Hintergrund ist, dass in Deutschland nur ein sehr geringer Anteil an Freiflächen verfügbar ist, der für die Windkraft genutzt werden kann. Repowering ist demnach so relevant, um bereits vorhandene Kapazitäten auszubauen. Bei unserem Power, Utilities & Renewables-Audit Summermeeting 2022 haben wir bei Deloitte das Thema aufgegriffen und die Fragestellungen mit Bezug auf die Rechnungslegung diskutiert. Die Thematik ist durch die Bestimmung und Allokation des Kaufpreises, der Bestimmung von Nutzungsdauern und Impairment-Faktoren äußerst vielschichtig.

Können Sie dies etwas weiter ausführen?
Das Repowering lässt sich in drei Phasen unterteilen, die wir prüferisch begleiten. Im ersten Schritt setzen wir uns mit dem Genehmigungsverfahren und dem Vertragswerk auseinander. Als nächstes geht es in die Konstruktionsphase, während der die alten Windräder abgebaut und neue aufgestellt werden. Hier ist die visuelle Verfolgung des Fortschritts sehr interessant. Anstatt von Windpark zu Wind- park zu fahren, haben wir via Satellitenbilder die Möglichkeit, den Prozess zu verfolgen. Bei solchen Projekten, die eine enorme flächendeckende Größe haben, sind die Bilder aus dem Weltraum eine smarte und innovative Lösung. Die dritte und letzte Phase ist die des Betriebs, bei der wir die Umsätze aus der laufenden Anlage und die Ermittlung der Rückbaukosten unter Einsatz von weiteren Audit-Tools prüfen.

Windparks sind ein hochaktuelles Thema und als Symbol der Energiewende positiv konnotiert. Motiviert Sie die gesellschaftliche Relevanz zusätzlich?
Knopf: Für mich macht es die Arbeit am Projekt deutlich spannender. Das Mandat hat mich auch im Privaten motiviert, mich stärker mit dem Thema Energiewende auseinanderzusetzen. Es treibt mich an, einen aktiven Beitrag zu leisten und Teil des Großen und Ganzen zu sein.

Wie tief müssen denn die technischen Kenntnisse für Berufseinsteiger:innen gehen, um wie Sie tatsächlich in Tech-Themen einsteigen zu können?
Knopf: Das Wichtigste ist, dass ein hohes Eigeninteresse besteht und Motivation vorhanden ist, sich auch mit komplexeren Sachverhalten innerhalb einer Branche auseinanderzusetzen. Das Erlernen dieses neuen Wissens findet oft ganz praktisch bei der Arbeit statt. Ich persönlich habe einen wirtschaftsrechtlichen Hintergrund und im Studium nicht viel über den Energiesektor gelernt. Erst als ich mein Praktikum bei Deloitte angefangen habe, bin ich zum ersten Mal richtig in das Thema eingestiegen. Durch unsere gut strukturierten Teams erhalten Berufseinsteiger:innen die perfekte Unterstützung, da wir stets ein offenes Ohr für ihre Fragen haben. Bezüglich der Verwendung der Tools für die Analysen sollte ein technisches Grundverständnis vorhanden sein, um den einzelnen Geschäftsfeldern innovativ begegnen zu können. Bei Deloitte haben wir intern aber auch spezielle Schulungen, um effektiv ein fundiertes Branchenwissen aufzubauen.

Hätten Sie an dieser Stelle einen Tipp, wie man als Berufseinsteiger:in am besten nach einer Schulung oder ähnlichem fragt?
Knopf: Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen. Herr Polster und ich gehen aktiv auf unsere Neuankömmlinge zu und achten bei der Einarbeitung darauf, dass sich persönliche Stärken herauskristallisieren. Jede:n individuell abzuholen ist hierbei Teil unserer Aufgaben. Einen Tipp, den ich wirklich allen mit auf den Weg geben kann: Habt keine falsche Scheu vor Fragen. Jede:r hat einen anderen Kenntnisstand und nur durch Fragen kann man viel Wissen in den verschiedensten Bereichen aufbauen.

Um das auf Studierende und ihre Qualifizierung zu übertragen: Welche Abschlussrichtungen werden gesucht?
Polster: Aktuell haben wir Bedarf an Absolvent:innen mit Hintergründen in Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsrecht aber auch Ingenieurswissenschaften. Wer also Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften verbunden hat, speziell mit dem Hintergrund Energie, ist zurzeit sehr gefragt.

Das Anschreiben der schriftlichen Bewerbung – bei uns kein must have! Eher ein nice to have, um Schwerpunkte ergänzend zu deinem Lebenslauf zu nennen.

Bei Deloitte sind einige DAX-Mandate dazugekommen, wie beispielsweise die Deutsche Post, Deutsche Telekom oder Merck. Spüren Sie innerhalb von Deloitte eine Veränderung?
Polster: Deloitte hat sich bewusst für ein selektives Wachstum entschieden. Die DAX-Mandate sind ein bedeutender Meilenstein für uns. Im Energiesektor prüfen wir zudem eine Vielzahl unterschiedlicher Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette. Das stellt uns gleichermaßen vor die Herausforderung, unsere Mitarbeitenden und Prozesse immer auf dem neuesten Stand zu halten. Wir investieren daher viel in Aus- und Weiterbildung, etwa mit unserer internationalen Deloitte Academy, Secondments sowie weiterführenden speziellen Schulungen. Zudem testen wir ständig neue Prüfungs-Tools und Kooperationen aus. Von diesem Engagement profitieren unsere Mitarbeitenden sowie die Mandanten. Diese steigende Wertschätzung spiegelt sich im Kundenkontakt wider – die Abschlussprüfung ist keine commodity, sondern People Business.

Profitieren Hochschulabsolvent:innen auch von der Internationalität, die durch die vielen DAX-Konzerne gegeben ist?
Polster: Absolut. Bei der täglichen Arbeit stehen wir mit Kolleg:innen im Ausland im Kontakt, um uns über ähnliche Projekte auszutauschen und von den Erfahrungen der anderen zu lernen. Wachstum bedeutet bei uns Austausch über Landesgrenzen hinweg. Ganz konkret entsenden wir auch Kolleg:innen aus Deutschland an andere Standorte.


Du hast Lust, dich bei Deloitte zu bewerben? Hier findest du die Ausschreibung zum Junior Consultant (m/w/d) Audit / Wirtschaftsprüfung und hier die zum Consultant (m/w/d) Energy Trading & Markets Group.

Hier geht’s zu weiteren Jobs von Deloitte für angehende Absolvent:innen!


Der Weg zum Wirtschaftsprüfer ist weit und sehr arbeitsintensiv. Frau Knopf, Sie stehen gerade vor der Prüfung zur Steuerberaterin und vereinen Privatleben, Weiterbildung und Job. Wie bekommen Sie all das unter einen Hut?
Knopf: An erster Stelle steht für mich die Motivation: Ich schaffe es, weil ich es will. Dabei helfen mir Routinen – vor der Arbeit geht es zum Sport und abends lerne ich. Es ist natürlich ein Balanceakt, funktioniert aber, wenn man konsequent bleibt, strukturiert vorgeht und sich Freiraum schafft. Dazu gehört insgesamt eine offene Kommunikation bei uns im Team. Außerdem bietet die Arbeit einen wichtigen Vorteil: Sie ist projektbasiert. Es gibt also Hochphasen und etwas ruhigere, so ist eine intervallartige Aufteilung möglich. Zusätzlich unter­- stützen wir uns gegenseitig und nehmen uns auch mal Arbeit ab, wenn jemand beispielsweise vor einer Prüfung steht. Aktuell befinde ich mich in Freistellung, um mich auf das Lernen zu konzentrieren. Diese Rücksichtnahme schätze ich sehr.

Polster: Die Vorbereitung aufs Examen hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Mit der Modularisierung ergeben sich individuellere Wege und eine passgenauere Unterstützung durch Deloitte. Am Ende hat man nicht nur den eigentlichen Erfolg auf seiner Seite, sondern auch die Anerkennung – der Wirtschaftsprüfer ist weiterhin ein Gütesiegel für eine verlässliche, strukturierte und konsequente Arbeitsweise.

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