Auch ohne Finanzstudium lässt sich in der Finanzbranche eine Karriere in der IT starten, wie Franziska Wollscheid bei Union Investment zeigt.

Franziska Wollscheid hat Wirtschaftsingenieurwesen am Karlsruher Institut für Technologie studiert und hatte die Finanzbranche nach ihrem Master zunächst nicht im Blick. Sie startete trotzdem ihr Traineeprogramm bei Union Investment und arbeitet heute als IT-Business-Analystin bei der Fondsgesellschaft. Sie räumt mit eigenen Vorurteilen auf und erklärt, was ihren Beruf ausmacht und warum sie ihren Arbeitgeber besonders schätzt.
Was du wissen solltest
Franziska, wie würdest Du Deine Rolle als IT-Business-Analystin bei Union Investment beschreiben?
Meine Rolle lässt sich am besten als Bindeglied zwischen Business, Fachbereichen und Entwicklung beschreiben. Ich sorge dafür, dass aus fachlichen Bedürfnissen klare und umsetzbare Anforderungen werden, und begleite diesen Prozess von der Klärung der Anforderungen bis hin zur technischen Umsetzung. Mein Team und ich bauen digitale Abschlussstrecken und in meiner Rolle bin ich täglich damit beschäftigt, dafür zu sorgen, dass aus der Idee Realität wird – idealerweise vor der Deadline. Damit bin ich Teil einer großen Domain, deren Fokus auf Omnichannel-Lösungen – von der App bis in die Filiale – für unsere Kunden liegt.
Du kommst aus dem Wirtschaftsingenieurwesen mit den Schwerpunkten Datenanalyse und Machine Learning. Was hat Dich nach Deinem Master am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) an die Finanzbranche denken lassen?
Ich gebe zu, das war auch für mich nicht der erste Gedanke (lacht). Nach der verpflichtenden Grundlagen-Vorlesung im Bachelor habe ich das Thema Finanzen über den Rest meines Studiums eher gemieden. Als dann aber klar wurde, dass ich gerne nach Frankfurt ziehen wollte, habe ich die Branche erneut mit anderen Augen betrachtet. Dabei stellte ich schnell fest, dass es auch für Menschen mit meinem Profil sehr viele Möglichkeiten gibt, an die man auf den ersten Blick nicht unbedingt denkt. Denn hinter einem Finanzprodukt steckt unglaublich viel, was zusammenspielen muss: historisch gewachsene Legacy-Systeme, zahlreiche Schnittstellen zu ganz unterschiedlichen Bereichen, riesige Datenmengen und komplexe Risikoberechnungen – von der Fondsbuchhaltung und dem Kundenservice bis hin zur Software- und Webentwicklung für den Endkunden. Es ist ein deutlich komplexerer und zugleich spannenderer Prozess, als ich von außen erwartet hätte.

Du hast Dich dann für ein Traineeprogramm bei Union Investment entschieden. Wie hat es Dich zu Deiner heutigen Rolle geführt?
Das Traineeprogramm bei Union Investment wird in verschiedenen Ausrichtungen angeboten. Ich habe mich für das 360°-Programm mit dem Schwerpunkt Digitalisierung entschieden und konnte im Rahmen des Programms verschiedene Stationen kennenlernen, die passend zu meinen Interessen geplant wurden. Zunächst war es besonders spannend, einen Einblick in die für mich noch recht fremde Branche zu gewinnen. Ich durfte die Strategiearbeit in unterschiedlichen Bereichen kennenlernen, das Produktmanagement und auch die Abwicklung in der Fondsbuchhaltung. Später hat sich dann immer mehr herauskristallisiert, dass ich mich am meisten in der IT sehe. Dort habe ich unterschiedliche Domains und ihre Arbeitsweisen kennengelernt. Dabei war auch das Netzwerk, das ich mir zuvor aufgebaut hatte, von großem Wert.
Sich bei vielen Möglichkeiten final zu entscheiden, wo es langfristig hingehen soll, war sicherlich herausfordernd?
Das stimmt. Aber bei meiner jetzigen Rolle passte dann alles: Als ich erfuhr, dass eine neue Gruppe gegründet wird, die das Strategieprojekt aus meiner ersten Woche umsetzen soll, hat mich das direkt interessiert. Ich habe mich daraufhin näher informiert und dabei festgestellt, dass diese Kombination genau das ist, was ich gesucht hatte. Zum einen setzen wir das Strategieprojekt nun aktiv um, das ich in meiner ersten Woche bereits kennenlernen durfte. Zum anderen haben wir ein sehr greifbares Endprodukt, was mir das Gefühl gibt, meiner Ingenieursheimat ein Stück näher zu sein. Hinzu kommt ein hochmotiviertes Team, mit dem die Zusammenarbeit große Freude bereitet.
Während Deines Traineeprogramms hast Du in den unterschiedlichen Abteilungen viele Kolleg:innen und Führungskräfte kennengelernt. Gibt es eine verbindende Unternehmenskultur und wie würdest Du sie beschreiben?
Als ich an die Finanzwelt vor meinem Start bei Union Investment gedacht habe, hatte ich einige Vorurteile im Kopf – von eleganten Steppwesten bis hin zu betont steifer Atmosphäre. schon im Bewerbungsprozess wurde mir ein ganz anderes Gefühl vermittelt, das sich über die gesamte Zeit hinweg bestätigt hat. Die Zeit, die sich meine Kolleg:innen während des Trainee-Programmes und auch jetzt noch nehmen, um mir Dinge zu erklären und mir bei meinem Start zu helfen, ist wirklich außerordentlich und nicht selbstverständlich. Dieses Teamverständnis und das wertschätzende Miteinander sind das, was das Arbeiten bei Union Investment für mich ausmacht. Die unternehmensweite Duz-Kultur, über alle Führungsebenen hinweg, trägt sicherlich auch dazu bei.
„Vor meinem Start in die Finanzwelt hatte ich schon einige Vorurteile“
Wann merkst Du bei Deiner Arbeit, dass hinter der Technik und den Prozessen ein konkreter Nutzen für Kund:innen steckt?
Aktuell arbeitet mein Team mit Hochdruck auf unser erstes Release hin. Wir konnten aber schon durch die ersten Erprobungen mit Endkund:innen ein Gefühl dafür entwickeln, was bei ihnen gut ankommt. Ein optimales Nutzererlebnis steht bei uns an oberster Stelle. Und so sehr wir auch versuchen, alle Fälle und Eventualitäten abzufangen, werden die ersten Wochen im nächsten Jahr besonders spannend. Denn es gibt nichts, was dann an das richtige „Live-Feedback“ herankommt. Damit können wir uns noch einmal gezielt neu ausrichten und priorisieren. Und wir freuen uns, wenn eine Geldanlage – also eine Investition in die Zukunft – nicht daran scheitert, dass man für den Vertragsabschluss noch persönlich in die Filiale kommen muss.
Bitte beschreibe doch einmal, welche Herausforderungen Dir an einem typischen Arbeitstag begegnen.
Da kommt einiges zusammen. Die agile Arbeitsweise erfordert, an den Fehlern der vergangenen Woche zu arbeiten, für aktuelle Themen Rede und Antwort zu stehen und gleichzeitig die Themen für die nächsten Wochen, Monate und Quartale zu planen und zu orchestrieren. Gerade für die Planung und Konzeption braucht es viele Absprachen, technischer und fachlicher Natur. Aktuell arbeite ich daran, wie wir dem Kunden noch offene To-dos nach dem Prozessabschluss anzeigen möchten. Hierbei muss ich den bestmöglichen Prozess für uns konzipieren, mich mit den Entwicklern absprechen, Aufwände und Kosten und Nutzen abwägen, mit UI/UX in den Austausch gehen, um das Frontend zu konzipieren und mich mit anderen Teams absprechen, ob wir ihre Komponenten nutzen können. Das ergibt ein vielschichtiges Aufgabenfeld, und egal, wie gut man plant – irgendetwas läuft dann doch anders als vorgesehen. Hier sind Lösungsorientierung und Flexibilität das A und O, und Kreativität nie fehl am Platz. Ein Tag verläuft selten so, wie ich ihn plane.
Die Digitalisierung der Finanzwelt ist sehr dynamisch. Wie stellt Ihr sicher, dass man sich fachlich und persönlich weiterentwickelt?
Unsere tägliche Arbeit beschäftigt sich auf die eine oder andere Weise immer damit, den Status quo zu hinterfragen. Das passiert auf vielen Ebenen, beispielsweise bei unseren digitalen End-Strecken. Hier ist es meine Aufgabe, immer wieder zu hinterfragen: Geht das nicht auch anders? Wie können wir es besser machen? Und was braucht es dafür? Wir arbeiten agil nach dem Framework SAFe. In unseren Retrospektiven nehmen wir uns bewusst alle zwei Wochen Zeit, um aus dem Tagesgeschäft herauszutreten und proaktiv zu reflektieren, was besser funktionieren könnte – sowohl auf der Ebene der Zusammenarbeit als auch fachlich. So kommt jeder zu Wort, und wir profitieren von allen Ideen.
Natürlich spielt auch KI dabei eine zunehmend wichtige Rolle. Wie können wir als Team effektiver arbeiten mit den Tools, die wir zur Hand haben? Wie finden wir die richtige Balance zwischen Qualität und Geschwindigkeit?
Ein derart dynamisches Umfeld fordert einen natürlich auch persönlich, und manchmal fällt es schwer, auch die eigene Entwicklung abseits des Projekts zu betrachten. Hier bin ich sehr dankbar für die vielfältigen Angebote und auch die Priorität, die das Unternehmen auf die interne Weiterentwicklung setzt, sodass immer die Möglichkeit besteht, in Themen, die mich interessieren, tiefer einzutauchen und externe Impulse zu erhalten.
„Was man sich als Frau andernorts erkämpfen muss, ist bei Union Investment selbstverständlich“
In Deinem Team arbeiten sieben Frauen und ein Mann; die Abteilungsleitung ist ebenfalls weiblich. Wie gelingt es Union Investment, dass sich Frauen bei Euch wohlfühlen, obwohl die Branche üblicherweise eher männlich dominiert ist?
Hier kann ich schwer für alle sprechen, aber ich kann von meiner eigenen Erfahrung erzählen. Schon beim Bewerbungsgespräch hatte ich einen positiven Eindruck: Neben einer Kollegin aus dem HR-Bereich nahmen gleich zwei Kolleginnen aus der IT teil. Als ich die Einladungs-E-Mail las, war ich ehrlich überrascht. Aus der Ingenieurswelt kannte ich es eher so, dass die einzige Frau in der Gesprächsrunde aus dem HR-Bereich kam. Zwei weibliche Gesprächspartnerinnen aus der IT zu erleben, war für mich neu. Und dieser Eindruck hat sich seitdem immer wieder bestätigt. Mit dem Einstieg in das Traineeprogramm hatte ich sofort eine Abteilungsleiterin als Mentorin an meiner Seite, von deren Perspektive ich von Anfang an profitieren konnte. Daran knüpft auch das interne Frauennetzwerk an, durch das ich immer wieder Einblicke in den Berufsalltag anderer Frauen erhalten habe.
Zu jedem Zeitpunkt wird mir vermittelt, dass meine Perspektive – genau wie jede andere – hier ausdrücklich erwünscht ist. Dazu kommen Rahmenbedingungen, die das konkret unterstützen – etwa, dass alle Stellen auch in Teilzeit ausgeschrieben werden oder dass Führungskräfte im Tandem führen können. Auch die Möglichkeit, phasenweise aus dem europäischen Ausland zu arbeiten, trägt dazu bei, Beruf und Privatleben gut in Einklang zu bringen. Was man sich als Frau andernorts mitunter erst erkämpfen muss, war für mich hier von Anfang an selbstverständlich.
Was würdest Du einer technikaffinen Studentin sagen, die Finance bisher nicht als Berufsfeld auf dem Schirm hat?
„Schließ es nicht sofort aus!“ Ich bin wirklich froh, genau hier gelandet zu sein. Ich habe ein hervorragendes Arbeitsumfeld, großartige Kolleg:innen, spannende Themen und Freude an meiner Arbeit – fast jeden Tag. Manchmal lohnt es sich, den Blick nach links und rechts zu richten, offen zu sein und etwas Neues zu probieren.
Die Finanzbranche wird oft als männlich dominiert oder Haifischbecken dargestellt, ist aber längst nicht so steif, wie man vielleicht als Außenstehende:r vermutet. Das kann ich jetzt mit großer Überzeugung zumindest von Union Investment sagen. Gerade im Bereich Digitalisierung und IT gibt es zahlreiche Bereiche, in denen man sich mit neuen Ideen einbringen und Themen aktiv voranbringen kann. Und weil sich die Branche gerade so stark verändert, macht es umso mehr Spaß, diese Entwicklung mitgestalten zu können.
Häufige Fragen zum Einstieg in die Finanzbranche bei Union Investment
Was sollte man für die Rolle als IT-Business-Analystin mitbringen?
Wollscheid zufolge braucht es Lösungsorientierung, Flexibilität und Kreativität, weil selten etwas so läuft wie geplant. Dazu kommen viele Absprachen mit Entwickler:innen, UI/UX-Teams und anderen Bereichen.
Wie arbeitet ein agiles Team im Finanz-IT-Umfeld im Alltag?
Wollscheids Team arbeitet nach dem Framework SAFe. Alle zwei Wochen nimmt es sich bewusst Zeit für Retrospektiven, um Zusammenarbeit und Fachliches zu reflektieren. Der Alltag verbindet die Aufarbeitung der Fehler der Vorwoche mit der Planung der nächsten Wochen, Monate und Quartale.
Lässt sich Beruf und Privatleben bei Union Investment gut vereinbaren?
Wollscheid zufolge helfen Rahmenbedingungen wie Teilzeitstellen, Führung im Tandem und die Möglichkeit, phasenweise aus dem europäischen Ausland zu arbeiten.
Welche Vorbereitung hilft beim Einstieg über ein Traineeprogramm?
Nach Wollscheids Erfahrung war ihr zuvor aufgebautes Netzwerk im Traineeprogramm von großem Wert. Sie rät, offen zu sein und Neues auszuprobieren. Das 360°-Programm bietet verschiedene Stationen, die zu den eigenen Interessen passen. Alle Programme und offenen Stellen findest du auf der Union Investment Karriereseite.