
„Am Ende ist die Wirtschaftsprüfung ein echtes People Business“
In einer Vorlesung von Burak Sarigül, Partner im Audit bei Forvis Mazars, wurde Yasemin Bükülmez im zweiten Bachelor-Semester auf die Wirtschaftsprüfung aufmerksam gemacht – ein Feld, mit dem sie als Studentin des Studiengangs „Recht im Unternehmen“ an der HWR Berlin bis dahin keine Berührungspunkte hatte.
Wenig später stieg sie selbst als Werkstudentin im Audit ein, heute ist sie dort Associate. Im Interview berichtet sie, warum die vielen offenen Fragen besonders am Anfang völlig normal sind, weshalb Prüfung für sie ein echtes „People Business“ ist und was ein gutes Audit-Team ausmacht.
Yasemin, wie hast du deine ersten Wochen als Werkstudentin im Audit erlebt und was hat dir damals am meisten geholfen?
Bis zu dieser Vorlesung hatte ich mit der Wirtschaftsprüfung überhaupt keine Berührungspunkte und umso spannender war für mich der Einstieg. Ich hatte zu dem Zeitpunkt kaum Berufserfahrung und war unglaublich froh, mich weiterentwickeln zu können. Natürlich gab es daher auch ausgesprochen viel zu lernen: Ich bin recht früh während meines Studiums eingestiegen und kannte viele Inhalte bislang noch nicht. Entsprechend hatte ich am Anfang tausend Fragen, auf die ich selbst noch keine Antwort wusste.
Zum Beispiel habe ich mir Bilanzen angeschaut und konnte einzelne Positionen dabei noch gar nicht richtig einordnen. Glücklicherweise hat mir mein Chef sofort signalisiert, dass mich das nicht beunruhigen muss und es am Anfang allen so geht. Und auch wenn man mit der Zeit zunehmend mehr versteht, lernt man natürlich nie aus. Anfangs hätte ich mir nicht vorstellen können, all diese Themen einmal vollständig zu durchdringen. Mut gemacht hat mir der Zuspruch meiner Manager, dass wir alle diesen Weg gehen und zu Beginn oft vor denselben Fragen stehen.
Besonders geholfen hat mir meine damalige Managerin Agnieszka, die sich viel Zeit genommen und mir Aufgaben ausführlich erklärt hat. Auch meine Kolleg*innen haben mich von Tag eins an unterstützt, mir die wichtigen Tools erklärt und geduldig jede Frage beantwortet. Dadurch konnte ich schnell im Team und in den Arbeitsabläufen ankommen.
Von den ersten tausend Fragen bis zu Prüfungsbereichen, die du eigenständig verantwortest: Wie hat sich deine Rolle seitdem entwickelt und was hast du in dieser Zeit gelernt?
Mit der Zeit nimmt die Verantwortung automatisch zu. Irgendwann konnte ich anspruchsvollere Aufgaben übernehmen, einzelne Prüfungsbereiche eigenständig bearbeiten und meine Fragen direkt an unsere Mandanten richten. Du entwickelst zunehmend mehr Erfahrung, baust eine Routine auf und erinnerst dich daran, wie du ähnliche Herausforderungen in vergangenen Prüfungen gelöst hast. Dadurch gewinnt man an Sicherheit und wird immer selbstständiger. Besonders gefallen hat mir dabei, dass ich meine Arbeit eigenständig organisieren, meinen eigenen Arbeitsstil entwickeln und lernen konnte, neue Themen selbstständig zu lösen. Das ist natürlich unheimlich spannend.
Nach der Werkstudententätigkeit stand die Entscheidung an, wie es weitergeht. Was hat dich überzeugt und was macht für dich den Reiz der Wirtschaftsprüfung aus?
Mich hat vor allem überzeugt, dass man in der Wirtschaftsprüfung nie auslernt. Jedes Mandat ist anders und auch das nächste Prüfungsjahr unterscheidet sich meist vom vorherigen. Dadurch müssen wir unseren Prüfungsansatz immer wieder neu hinterfragen und uns überlegen, wie wir einzelne Themen noch effizienter bearbeiten können.
Die Zusammenarbeit mit Mandanten macht mir außerdem ausgesprochen Spaß. Besonders, wenn wir sie über mehrere Jahre hinweg begleiten, lassen sich viele Prozesse optimieren. Wir lernen die Unternehmen immer besser kennen und auch die Mandanten selbst entwickeln natürlich ein noch tieferes Verständnis für den Prüfungsablauf. Dadurch werden unsere Abläufe von Jahr zu Jahr effizienter.
Die Wirtschaftsprüfung gilt vielen als stiller Beruf zwischen Zahlenkolonnen und Bildschirm. Welche Rolle spielt Kommunikation tatsächlich und wie erlebst du das Teamwork bei Forvis Mazars?
Häufig besteht noch die veraltete Vorstellung, dass man in der Wirtschaftsprüfung den ganzen Tag alleine vor dem Bildschirm sitzt und kaum in Kontakt zu anderen Menschen steht. Tatsächlich kommunizieren wir aber täglich mit Mandanten, mit unserem Team und auch bereichsübergreifend mit Kolleg*innen.
Letztendlich ist die Wirtschaftsprüfung nämlich ein echtes „People Business“. Wir arbeiten mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen und sind alle aufeinander angewiesen. Deshalb sind Teamwork und eine offene Kommunikation so wichtig für uns. Viele Aufgaben lösen wir nur gemeinsam und profitieren am Ende alle davon, uns gegenseitig zu unterstützen. Schließlich sitzen wir alle im selben Boot.
Man lernt in kurzer Zeit unglaublich viel, erkennt Zusammenhänge besser und sammelt wertvolle Erfahrungen – ganz nebenbei baut man ein starkes berufliches Netzwerk auf
Zwischen Abstimmungen, Planung und Terminen beim Mandanten: Wie sieht dein Arbeitsalltag als Associate im Audit aus und welche Aufgaben machen dir dabei besonders viel Spaß?
Eine meiner größten Stärken ist die Planung. Ich versuche immer, frühzeitig gemeinsam mit meinen Managern und den Mandanten die anstehenden Themen abzustimmen, damit alles möglichst reibungslos verläuft. Ich arbeite gerne präventiv und möchte potenzielle Probleme früh erkennen, anstatt sie erst kurz vor einer Deadline lösen zu müssen.
Besonders viel Spaß machen mir die Vor-Ort-Prüfungen und Inventuren, vor allem bei den produzierenden Unternehmen. Ich finde es nämlich total spannend zu sehen, mit wie viel Leidenschaft Menschen hinter ihren Produkten stehen und wie detailliert sie die Produktionsprozesse erklären können. Oft sprechen wir mit Mitarbeiter*innen, die schon viele Jahre im Unternehmen tätig sind und die Abläufe bis ins kleinste Detail kennen. Diese Erfahrung und dieses Fachwissen mitzuerleben, finde ich besonders interessant.
Nicht jedes Mandat und nicht jeder Zeitplan läuft reibungslos. Was war für dich bisher die größte Herausforderung?
Eine der größten Herausforderungen ist es, ein Mandat beispielsweise im ersten Jahr überhaupt erst einmal kennenzulernen und es dann im nächsten Jahr zu begleiten. In dieser Zeit lernt man extrem viel und muss auch für sich selbst herausfinden, welche Vorgehensweise dabei am besten funktioniert.
Natürlich gibt es auch Momente, in denen der Austausch etwas Fingerspitzengefühl benötigt – zum Beispiel, wenn einzelne Informationen fehlen oder Dokumente nicht passen. Wenn Mandanten die benötigten Unterlagen zum Beispiel nicht rechtzeitig bereitstellen, aber gleichzeitig weitere Prüfungen geplant sind, kann das sehr herausfordernd sein. Dann gerät der Zeitplan schnell unter Druck und wir müssen flexibel reagieren. Wichtig ist, dass wir dabei immer professionell bleiben und Lösungen finden. Mir fällt dabei immer wieder auf, wie ruhig und gelassen erfahrene Manager und Partner mit solchen Situationen umgehen. Das ist etwas, das man mit der Zeit selbst lernt.
Besonders gefallen hat mir, dass man seine Arbeit eigenständig organisieren, einen eigenen Arbeitsstil entwickeln kann und lernt neue Themen selbstständig zu lösen
Du bist selbst über einen eher unerwarteten Weg im Audit gelandet. Welchen Rat würdest du Student*innen geben, die überlegen, ob die Wirtschaftsprüfung das Richtige für sie sein könnte?
Ich würde jedem, der sich für wirtschaftliche Zusammenhänge interessiert, empfehlen, zumindest einmal einen Eindruck von der Arbeit im Audit zu gewinnen. Man entwickelt ein Verständnis für Unternehmen und Geschäftsprozesse, das man in vielen anderen Bereichen so nicht bekommt.
Außerdem hat man die Möglichkeit, die unterschiedlichsten Branchen kennenzulernen und Einblicke in Unternehmen zu erhalten, zu denen man sonst wahrscheinlich keinen Zugang hätte. Man lernt in kurzer Zeit unglaublich viel, erkennt Zusammenhänge besser und sammelt wertvolle Erfahrungen. Und ganz nebenbei baut man ein starkes berufliches Netzwerk auf.
Was macht für dich am Ende ein gutes Audit-Team aus?
Ein gutes Audit-Team zeichnet sich für mich vor allem durch Vertrauen und Kommunikation aus. Jeder sollte Fragen stellen können und offen sagen dürfen, wenn er bei einem Thema Unterstützung benötigt.
Außerdem finde ich es wichtig, dass Wissen untereinander weitergegeben wird. Niemand profitiert davon, Informationen nur für sich zu behalten. Wenn wir alle unsere Erfahrungen und unser Wissen teilen, entwickelt sich das gesamte Team, die Arbeit wird für alle leichter und wir erzielen optimale Ergebnisse.
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