Wie lande ich meinen Traumjob?

Mit der richtigen Bewerbungsstrategie erhöhen nicht nur weibliche Absolventen die Erfolgschancen erheblich, sich gleich mit dem Berufseinstieg einen in allen Belangen erfüllenden Job zu sichern. Wie Frauen mit einem klugen Vorgehen bei der Bewerbung beim Berufseinstieg mit dem „Traumjob” einsteigen können, erklärt die Expertin Dr. Cornelia Topf.

Wie angeln Sie Ihren Traumjob? Dieses Vorhaben scheitert meist nicht daran, dass Traumjobs so schwer zu finden wären. Es scheitert eher daran, dass Berufseinsteigerinnen und Jobsuchende zwar häufig ihren Traumjob suchen, jedoch oft nicht konkret sagen können, woraus der Traum denn eigentlich bestehen soll.

Annäherungsziele statt Vermeidungsziele

Wenn es um den ersten oder einen neuen Job geht, sagen viele: „Also, etwas mit Mode oder Medien will ich auf keinen Fall machen!“ Ja, schön, aber was dann? Was frau nicht machen möchte, ist ein Vermeidungsziel, was sie machen möchte ein Annäherungsziel. Bewerbung ist jedoch eine Annäherung, keine Vermeidung. Entsprechend konstruktiv ist die Vorstellung einer musterhaften Bewerberin von ihrem Traumjob: „Ich muss mich damit identifizieren können, was das Unternehmen macht. Das muss sinnvoll, gesellschaftlich nützlich, nachhaltig und gut für Menschen und Umwelt sein.“ Das ist recht konkret und ein Annäherungsziel.

Annäherung per Praktika

Oft höre ich: „Ich weiß noch nicht so genau, was ich machen soll – also mache ich erst ein paar Praktika.“ Das bringt einen auf jeden Fall weiter – wenn frau sich dabei nicht ausnutzen lässt. Also: Bloß kein Gratis-Praktikum und möglichst auch nicht gegen Aufwandsentschädigung, sondern mit anständiger Bezahlung. Spätestens nach vier Wochen stellt sich dann heraus, ob Sie die Aufgabe, in die Sie reingeschnuppert haben, dauerhaft machen möchten.

Gesunde Selbstüberschätzung

Wenn wir im Bewerbungscoaching laufende Be­werbungen diskutieren, sagen weibliche Coachees oft: „Für diese Stelle brauche ich mich gleich gar nicht zu bewerben, denn die verlangen …“
… Fremdsprachenkenntnis, Erfahrung mit einer bestimmten Software oder mit Projekten, oft Branchenkenntnis. Nicht, dass die Frauen keine hätten, nein: „Ich spreche schon Englisch. Aber ob man das als ‚gute Englischkenntnisse‘ bezeichnen kann? Ich weiß nicht.“ Also bewerben sie sich lieber nicht – das ist immer ein Fehler. Denn ob die Kenntnisse reichen, bestimmen nicht Sie, sondern Ihr künftiger Arbeitgeber. Außerdem unterschätzen viele Frauen chronisch ihre Fähigkeiten und Kenntnisse – ganz im Gegensatz zu vielen Männern, die bei Bewerbungen stark einer diametralen Fehleinschätzung unterliegen. Ein wenig davon hat noch keiner geschadet.

Bad Practice

Die Personalchefin interviewt zusammen mit dem Fachabteilungsleiter eine Bewerberin und fragt unter anderem, ob sie über Projekterfahrung verfüge. Während des Studiums hat sie in zwei Praxissemestern bei drei größeren Projekten mitgearbeitet und ein kleines Projekt sogar geleitet. Doch das sagt sie nicht. Sie sagt: „Ja, notfalls würde ich mir das zutrauen.“ „Notfalls“? „Würde“? „Zutrauen“? Die Personalchefin winkt ab: „Bin ich schon gewohnt. Von einem Mann habe ich sowas noch nie gehört.“ Der Fachabteilungsleiter sagt überhaupt nichts, sondern fragt die Personalleiterin gleich nach dem nächsten Bewerber… Warum hat die bestens qualifizierte Frau nicht einfach die Wahrheit gesagt? Ganz sachlich? „In drei Großprojekten an zentraler Stelle mitgearbeitet, ein Projekt zur Beschaffungsprozessoptimierung selbst geleitet.“ Nüchtern und sachlich zu sagen, was die eigenen Fähigkeiten sind – ist das so schwer? Offensichtlich häufig ja. Deshalb üben wir das in Workshops, Trainings und Coachings. Denn auch die Bewerbung ist Trainingssache.

Besonders gravierend wirkt sich die notorische Selbstunterschätzung beim Gehaltswunsch aus. Dass Frauen im Schnitt schon beim ersten Gehalt deutlich weniger fordern als Männer, ist eine oft bestätigte statistische Tatsache – und vermeidbar. Tragen Sie dazu bei, dass Personalleiter (männlich) nicht länger Schulungen besuchen (müssen), damit sie die Fähigkeiten von Bewerberinnen, die diese nicht explizit nennen, besser erraten können.


Autorin Dr. Cornelia Topf (metatalk-training.de) ist internationaler Business-Coach. Sie trainiert und coacht Führungskräfte und Mitarbeiter aller Branchen in erfolgsorientierter Kommunikation und sou­veränem Auftritt. Sie ist vielfache Buchautorin.

 


 

Es geht nicht um hundertprozentige Ehrlichkeit!

Ich erinnere mich an eine Young Potential, die sich auf ein echtes Sahnestückchen bei einem hessischen Unternehmen bewarb. Im Vorstellungsgespräch, nach ihren Zukunftsplänen gefragt, meinte sie beiläufig, dass sie in zwei Jahren mit ihrem Verlobten nach Berlin ziehen wolle, weil dieser dort die Landesvertretung eines US-Konzerns übernehmen werde. Wow. Welcher Personalchef stellt auf so eine Aussage hin ein? „Aber man muss doch bei der Wahrheit bleiben!“, verteidigte sich die Kandidatin. Auch wenn man dann keinen Job bekommt, der nicht auf zwei Jahre befristet ist?

Wahrheit ist kein Absolutum. Wahrheit hat ihren Preis. Übrigens: Der konkrete Arbeitgeber hatte in einigen Punkten auch nicht die ganze Wahrheit gesagt – er wäre der erste gewesen.

Wie kommt das an?

Dass sich im Zeitalter des Fach- und Führungskräftemangels qualifizierte Bewerberinnen ihre Jobs aussuchen können, ist bekannt. Das hat seine Tücken. Etliche Personalverantwortliche berichten von grassierender „Freizeitorientierung“. Eine Bewerberin sagt zum Beispiel schon im ersten Gespräch Überstunden generell ab, „weil ich im Studio Energy Dance und Yoga unterrichte und meine Kurse schon um sechs beginnen.“ Das ist verständlich, aber ein Jobkiller. Lieber stellt der Arbeitgeber einen weniger qualifizierten Bewerber ein, dem „seine Freizeitbeschäftigung nicht wichtiger ist als sein Beruf“. So sehen Arbeitgeber das. Die Sicht des Gegenübers zu kennen, ist kein Nachteil.

Bewerbungscoaching

Früher ließen sich hauptsächlich erfahrene Karrierefrauen vor beruflichen Veränderungen für ihre Bewerbung coachen, heute machen das bereits Berufsanfängerinnen. Wer Bewerbungsgespräche vorher mit der Job-Coachin trainiert, ist danach einfach besser, sicherer, artikulierter, erfolgreicher. Vor allem erfahren viele junge Frauen dort oft zum ersten Mal, wie sie tatsächlich auf andere wirken. Und sie erfahren, wie man die eigene Wirkung so gestaltet, dass frau souverän und selbstsicher rüberkommt.

Souverän und selbstbewusst

Eine Bewerbung ist immer eine Stresssituation. Manche leben ihre Nervosität ungebremst aus, andere versuchen sie verschämt und krampfhaft zu verbergen. Beides macht nicht wirklich einen überzeugenden Eindruck. Die meisten wissen nicht, dass frau den charmanten Umgang mit der eigenen Unsicherheit üben kann. Auf die Frage des Personalers, ob sie nervös sei, antwortete eine Einser-Absolventin einmal: „Ja, natürlich – und Sie?“ Der Personaler lachte, die Situation war gerettet. Schlagfertigkeit? Nicht wirklich – wir hatten das vorher in allen Varianten geübt.

Worüber wir nicht reden

Was ich als selbstverständlich voraussetze: aussagekräftige, vollständige, korrekt, attraktiv und spezifisch auf das konkrete Job-Angebot abgestimmte Bewerbungsunterlagen ohne Tipp- und andere Fehler. Das ist leider jedoch selbst bei Hochschulabsolventinnen nicht so selbstverständlich, wie es sein sollte. Daher: Immer jemanden drüberlesen lassen, der den Duden kennt und flott formulieren kann.

Maverick-Bewerbung

In einem Gruppencoaching mit einem Dutzend Frauen erzählte eine von ihnen: „Ich bin die Tage an der Verwaltung einer Firma vorbeigefahren, an deren Stellenanzeige ich erinnerte. Ich dachte mir: Schau doch einfach mal rein, wenn du schon hier bist!“ In diesen Worten sagte sie das auch der Sekretärin des Personalchefs, die völlig verblüfft war, sie aber nach zehn Minuten Wartezeit zum Personalleiter reinschickte. Der lachte und sagte: „Das ist mal eine Initiativbewerbung im Sinne des Wortes!“ Was sagten die elf Damen im Coaching? Acht sagten: „Sowas kannst du doch nicht machen! Und wenn der Personalleiter keine Zeit gehabt hätte?“ Dann hätte sie sich von einem anderen zumindest im Betrieb herumführen lassen. Wäre das nicht möglich gewesen, wäre die Firma in ihren Augen sowieso durchgefallen. So geht das. Initiative, Originalität und Kreativität werden belohnt.

Ein Job, der passt

Traumjobs – es gibt sie wirklich. Ganz oft ist der Traumjob für eine Frau jedoch nicht „Vorstandsvorsitzende“ oder „Astronautin“, sondern einfach ein Job, der zur aktuellen Lebenssituation passt, in der Nähe liegt, gut bezahlt, mit guten KollegInnen, angenehmem Arbeitsklima und sinnvoller Arbeit. Mit weniger sollten Sie sich nicht zufriedengeben.

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