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    Kompetent für die Zukunft? Eine Checkliste.

    nachhaltige KarriereUnsere Gesellschaft unterliegt einer hohen Dynamik und eskalierenden Problemen – wie etwa dem Klimawandel und einer wachsenden Demokratieskepsis. Wir sind schon heute und in Zukunft wohl in noch stärkerem Maße Teil des „Data-Minings und -Farmings“ geworden. Wir sehen zudem Verwerfungen, die sich im Arbeits- und Berufsleben durch die rasante Digitalisierung ergeben. Die sich entwickelnden neuen Mensch-Maschine-Schnittstellen und die KI führen zu neuen Berufsbildern (etwa in der Logistik), und zum deutlichen Schwinden mancher Tätigkeiten (etwa Recherchen in Anwaltsbüros oder im Journalismus).

    Andere Berufe werden erhebliche Zuwächse zeigen. So zu Beispiel der Pflegebereich – dies allein schon aufgrund des demografischen Wandels. Es leben in Zukunft mehr Menschen in Deutschland, die über 70 Jahre alt sind, als jene die unter 20 sein werden. Zudem verdoppelt sich alle 8 Jahre das veröffentlichte wissenschaftliche Wissen und damit das, was gewusst und erlernt werden muss. In der Konsequenz heißt das: 2035 werden sich „über 7 Millionen Arbeitsplätze von der heutigen Arbeitswelt unterscheiden (…). Eine zentrale Rolle bei der Umgestaltung der Arbeitswelt kommt Bildung und Weiterbildung zu. Hier kommt es auch darauf an, die (…) Vorteile formaler Qualifikation mit flexiblem Kompetenzerwerb zu verbinden“ (http://doku.iab.de/forschungsbericht/2019/fb0519.pdf).

    Was benötigt man in Zukunft?
    Keine Frage: Eine hohe fachliche Qualifikation ist für den Einstieg ins Berufsleben unabdingbar. Davon soll hier aber nicht die Rede sein, sondern von der wachsenden Notwendigkeit und Aufmerksamkeit Personal einstellender Abteilungen in Unternehmen, spezifische „Softskills“ zu fordern. Die Fähigkeit, autonom handeln und in heterogenen Gruppen agieren zu können, gerät mehr und mehr auf die Agenda.

    Hier meine persönliche Checkliste der wichtigsten 12 – mit der einen oder anderen Begründung

    Für eine nachhaltige Karriere: die Basics

    Was man generell benötigt Warum? Wo stehe ich?
    Hohe Lernmotivation aufrechterhalten oder wieder entwickeln. Schon verloren? Je mehr Expertise in einer Sache, desto höher auch die Motivation, noch hinzuzulernen. Weiterbildung ist notwendig vom ­ersten Tag des Berufslebens an. Eigene Lernmotivation steigern und testen? Es gibt dazu Solides im Netz.
    Selbstreguliert lernen können, denn die externen Treiber (Lehrkräfte, Noten) schwinden. Die Spezialisierungen nehmen zu, Eigenaktivität ist gefragt, den vieles läuft über Apps, MOOCs und Selbststudium. Details dazu und wie man das aufbaut? Anleitungen finden sich viele im Netz – durchaus brauchbar.
    Ein hohes Maß an Selbstwirksamkeitserwartung entwickeln. Wer sagt: „Dafür bin ich nicht begabt“ hat endgültig verloren. Bevor man sich ein Versagen gänzlich selbst zuschreibt, sollte man auch nach externen Ursachen suchen. Man muss „dranbleiben“, auch wenn man mal scheitert. Zu wenig angestrengt, zu wenig Zeit investiert, schlechtes Erklärvideo? Alles behebbar. Es gibt einen engeren Zusammenhang mit dem selbstregulierten Lernen. Auch das kann gelernt werden und es gibt Tests dazu.
    Ambiguitätstolerenz zu besitzen heißt, mit Mehrdeutigkeiten, mit Konflikten und uneindeutigen Situationen und ­Informationen souverän umgehen zu können. Man arbeitet heute mehr und mehr in heterogenen Teams, muss seine eigene „Blase“ verlassen. In kontroversen, neuen Situationen nicht unsicher zu werden oder gar zu emotional zu reagieren, ist ebenso notwendig, wie Ambivalenzen aushalten zu können. Kann man, wie alles andere auch trainieren. Wo stehe ich? Kann man auch selbst testen…
    Orientierungswissen aufbauen: Menschenrechte achten, demokratisch und im Sinne der Nachhaltigkeit handeln können. In der globalisierten Welt und im Umgang mit anderen in heterogenen Gruppen sind dieses Grundkompetenzen erforderlich. Demokratie ist nicht nur eine Herrschafts- sondern auch eine Lebensform, die man verteidigen können muss. Hier ist es notwendig, die eigenen Werte zu reflektieren, politisch gebildet zu sein und zu wissen, warum nachhaltige Entwicklung „alternativlos“ ist. Werte kann man messen, wissen sollte man um die SDGs. Wissen heißt: etwas in Gang setzen können, nicht bloß informiert zu sein.

    Beyond the Basics

    Kompetenzen Warum
    Kommunikationsfähigkeit: Die eigenen Gedanken artikulieren und vertreten können, zielgerichtet Fragen stellen und Ideen vorbringen, wie man Probleme löst. Man muss eigene Vorstellungen „pitchen“ können, da man sich nur so Gehör verschafft bei der Vielfalt der Stimmen und in heterogenen Gruppen.
    Kooperationsfähigkeit: Man muss in der Lage sein, mit anderen – auch in nicht homogenen Gruppen – zusammenzuarbeiten, wenn man ein Ziel erreichen will. Das Talent der anderen achten, Expertise anerkennen und klug zu nutzen ist ein Kompetenzausweis. Heterogene Gruppen verfügen über eine größere Gesamtintelligenz als die einzelnen Mitglieder. Daher werden sie immer wichtiger. Auch die Tätigkeiten werden komplexer und bedürfen unterschiedlicher Qualifikationen und Personen.
    Kritisches Denken. Nicht damit verwechseln, andere zu kritisieren. Es bedeutet, alte (und neue) Herausforderungen auf einem nicht üblichen Pfad anzugehen, sie einmal anders als bisher zu bearbeiten. Über die eigene Fachlichkeit hinauszugehen und interdisziplinär, sogar transdisziplinär zu agieren. Man bewegt sich mit nahezu allen im Alltag des Berufes auftauchenden Problemen nicht in einer engen fachlichen Domäne. Das gilt selbst für viele Fragen der Wissenschaften. Beispiel: Der Klimawandel ist nicht nur ein naturwissenschaftlich zu bearbeitender Komplex, sondern wirft ethische, gesellschaftliche, historische und andere Fragen auf.
    Kreativität. Hängt eng mit dem kritischen Denken zusammen: Neue Ansätze der Problemlösung machen Innovationen erforderlich, aber nicht nur diese; man muss sie auch (siehe Kommunikation und Kooperation) so pitchen können, dass sie zu Neuerungen führen. Nach dem Motto „Wenn das die Lösung ist, dann will ich mein Problem zurück“ bewegt man sich im Bereich der Kreativität, wenn man neue Sichtweisen auch dann noch ausprobiert, wenn die bisherigen Lösungen und Vorgehensweisen als gut bezeichnet werden können, denn „das Bessere ist der Feind des Guten“.
    Digitale Kompetenzen*. Ohne digitale Kompetenzen geht es nicht. Dazu gehören ein souveräner und reflektierter Umgang mit digitalen Informationen und Tools, aber auch, die eigene digitale Identität managen zu können und die Rechte anderer zu wahren. Auch sollte man um die ökologischen und sozialen Folgen der Digitalisierung wissen und algorithmische Strukturen der genutzten digitalen Tools erkennen können. Wer immer nur pfadabhängig denkt, hat am Ende verloren. Fluide Karrieren sind die Regel, „weiter so“ eine schlechte Option. Aufgrund der Dynamik des Wandels sollte man vorbeugen und wissen, was man tut im Falle dessen, dass man plötzlich zu den Exkludierten in der Branche gehören könnte. Wo sieht man die „second chance“?
    Disruptionen. Unter Ambiguitätstoleranz schon angesprochen, geht es darum, Komplexität ebenso bewältigen zu können wie Schwankungen in Bezug auf Nachfrage nach Qualifikationen, Bedeutung von Themen und anderem. Man sollte drauf vorbereitet sein Die Spezialisierungen nehmen zu, Eigenaktivität ist gefragt, den vieles läuft über Apps, MOOCs und Selbststudium.
    Verantwortung. Autonom handeln heißt, für sich selbst sprechen zu können, Lebensziele und Orientierungen (s.o.) kritisch zu hinterfragen und mit einer gewissen Resilienz ausgestattet zu sein. Zunehmend wichtig wird in einer volatilen Welt auch, mit Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit ausgestattet zu sein. Bei aller Teamarbeit und Heterogenität bleibt die Verantwortung nicht nur für sich, sondern auch für andere, für die Umwelt und für Ideen/Orientierungen bei einem selbst.

    Die ersten vier Kompetenzen sind die sogenannten 21st Century Skills
    *Siehe die „Digital Competence Areas“ der Europäischen Kommission (https://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/handle/JRC83167

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    Autor Professor Dr. Gerhard de Haan ist Leiter des Institut Futur. Seit über 20 Jahren ist er in der Bildungsforschung aktiv und führt zahlreiche große Forschungs- und Entwicklungsprojekte durch. Institut Futur ist der Name des Arbeitsbereichs Erziehungswissenschaftliche Zukunftsforschung an der FU Berlin.

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