„Digitales Upskilling statt Muster-CV”

Technologieberatung absolventen karriere

Nach Aussage der Fink-Studie steht KPMG für die beste Technologieberatung unter den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Ioannis Tsavlakidis ist Bereichsvorstand Consulting in Deutschland und Head of Advisory für die EMA-Region (Europe, Middle East and Africa) und stellt sich regelmäßig nicht nur unseren Fragen, sondern auch denen unserer Leserschaft und zeigt damit, wie wertschätzend auch absolute Top-Berater auf Absolventen und die Themen ihrer Karriere zugehen.

Herr Tsavlakidis, Sie stellen sich regelmäßig unseren Fragen und denen aus unserem Netzwerk der studentischen Unternehmensberatungen. Warum ist es Ihnen persönlich wichtig, KPMG beim Nachwuchs ein Gesicht zu geben?
Absolvent:innen haben für uns eine besondere Bedeutung, denn sie bringen genau die Eigenschaften mit, die uns stark machen: Innovationsfreude, Tatendrang und einen neuen Blick auf bekannte Dinge. Wir freuen uns daher sehr darüber, unser Team regelmäßig mit Kolleg:innen zu verstärken, die frisch von der Universität oder Hochschule kommen. Gleichzeitig ist der Schritt zu uns auch für die Absolvent:innen eine große Chance, sich weiterzuentwickeln und den persönlichen Karrierepfad zu verfolgen – eine klassische Win-Win-Situation.

Die erste Frage aus unserem Netzwerk lautet: Wie ist es KPMG gelungen, in der Fink-Studie den Spitzenplatz im Ranking der Technologieberatungen zu festigen und was ist Ihr Erfolgsrezept?
Das ist eine große Auszeichnung für uns und es zeigt uns, dass wir mit unserer Positionierung als fortschrittlicher Business-Transformationsberater richtig liegen. Wir kennen unsere Kunden und deren Bedürfnisse sowie den Markt und haben dadurch ein tiefgreifendes Verständnis für die verschiedenen Sektoren entwickelt. Auf Grundlage dessen treiben wir Innovationen konsequent voran, in dem wir kontinuierlich in unsere eigenen Mitarbeitenden, fortschrittliche Technologien und gewinnbringende Partnerschaften mit starken Technologiepartnern investieren. Unseren Mitarbeitenden bieten wir beispielsweise Freiräume und vielerlei Weiterbildungsmöglichkeiten, um so Innovationen zu ermöglichen und unsere Technologiekompetenz immer weiter auszubauen. Um unsere Rolle als führende Technologieberatung weiterhin nachhaltig zu stärken, sind wir aber auch ständig auf der Suche nach den besten Talenten am Markt, mit denen wir unsere Teams komplementieren und die unser Unternehmen mit ihrer Erfahrung bereichern können.

In welchen Beratungsfeldern sehen Sie aktuell und zukünftig einen wachsenden Bedarf an Ihren Dienstleistungen?
Ein Thema, das uns in den kommenden Jahrzehnten begleiten wird und welches momentan nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Beratungsbranche großen Aufwind erfährt, ist Nachhaltigkeit. Diesbezüglich wurden in letzter Zeit zwar auch die regulatorischen Anforderungen immer strenger – viele Unternehmen stoßen eine Nachhaltigkeitstransformation jedoch auch eigenständig an und suchen nach konkreten Lösungen, wie sie das eigene Geschäftsmodell oder die eigenen Prozesse verändern können, um sich nachhaltiger zu entwickeln. Davon abgesehen bleibt die digitale Transformation, beschleunigt durch die Corona-Pandemie, ein großes Thema in vielen Unternehmen. Die Digitalisierung umfasst dabei viele verschiedene Bereiche, die wir alle mit unserem Leistungsportfolio abdecken: von der Aufstellung der IT-Infrastruktur über Prozessautomatisierung und damit verbundene Kostenoptimierung sowie digitales Supply-Chain- und Lieferantenmanagement, Finanz- und Prozess Controlling bis hin zu Cyber Security. Hinzu kommen kundenorientiertere Aspekte wie etwa digitale Vertriebskanäle. Daher gibt es auch für Unternehmen, die in bestimmten Bereichen schon hochgradig digitalisiert und dadurch meist sehr gut durch die Corona-Krise gekommen sind, weiteres Potenzial für Optimierungen in der Zukunft.

Wie sieht das Profil eines Einsteigers im Consulting aus?
Bei uns im Consulting gibt es nicht den einen „Muster-CV“, nach dem wir suchen. Wo früher vor allem Absolvent:innen der Wirtschafts- oder Rechtswissenschaften gefragt waren, steigt nun zum Beispiel auch der Bedarf an MINT-Abschlüssen. Wir stellen uns genauso divers auf wie unsere Kunden und ihre Herausforderungen. Diese Interdisziplinarität unserer Teams ermöglicht es uns, Probleme aus vielen verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und so zu innovativen Lösungen zu gelangen, die genau auf die Bedürfnisse unserer Kunden zugeschnitten sind. Bei unserer Tätigkeit als Berater:innen ist es wichtig, nicht nur ein wirtschaftliches Grundverständnis und fachliche Fähigkeiten mitzubringen beziehungsweise zum Berufsstart zu entwickeln, sondern auch die Transferleistung erbringen zu können, diese auf neue praktische Probleme anzuwenden. Dieses „Übersetzen“ von theoretisch erlernten Konzepten in die Praxis eignet man sich am besten durch praktische Berufserfahrung an. Dafür bietet es sich an, schon während des Studiums Praktika zu absolvieren. Hier sammelt man wertvolle Erfahrungen. Wir freuen uns übrigens immer über Bewerber:innen für Praktika und Werkstudierendentätigkeiten.

Sehen Sie Consultants heute eher als Strateg:innen mit breitem operativem Technologie-Know-how oder macht es die Innovationsgeschwindigkeit nötig, sich früh im Berufsleben zu fokussieren?
Wie bereits angesprochen haben wir sehr diverse Teams und legen bewusst einen Fokus darauf, eine breite Basis zu schaffen mit Mitarbeitenden aus vielen unterschiedlichen Bereichen, die alle ein Grundverständnis für Technologie und wirtschaftliche Zusammenhänge mitbringen. Gleichzeitig ist das digitale Upskilling eines der Fokusgebiete unserer internen Weiterentwicklungsmaßnahmen für Mitarbeitende. Im Laufe des Berufslebens kristallisiert sich dann bei unseren Mitarbeitenden häufig nicht nur ein thematisches Spezialgebiet, sondern oft auch ein Branchenfokus heraus. Wir erwarten nicht, dass Absolvent:innen diesen schon beim Berufseinstieg kennen, sondern lassen ihnen Zeit, sich zu entwickeln, vielfältige Erfahrungen zu sammeln und für sich herauszufinden, wo die eigenen Interessenschwerpunkte liegen. Aus diesem Grund unterstützen wir auch gezielt Rotationen, um die Durchlässigkeit zwischen unseren Services zu erhöhen. Die Rotationen ermöglichen es unseren Mitarbeitenden, für einen gewissen Zeitraum einen anderen Bereich kennenzulernen und dort Erfahrungen zu sammeln und sich so weiterzuentwickeln.

Aus vielen Unternehmen hören wir, dass Corona den Wandel zu einer wesentlich flexibleren Arbeitswelt beschleunigt hat. Wie flexibel arbeiten Sie bei KPMG im Consulting heute und welche Zielsetzungen haben Sie für die Zukunft?
Für KPMG ist Home Working kein neues Thema. Wir haben bereits vor über zwei Jahren eine einheitliche Home-Working-Regelung eingeführt, die es unseren Mitarbeitenden erlaubt, in Abstimmung mit dem Vorgesetzten im Home Working zu arbeiten.

Dennoch haben auch wir durch die Corona-Krise die Art unserer Zusammenarbeit untereinander und mit unseren Kunden nochmals neu gedacht. Wir haben gleich zu Beginn der Krise komplett auf Remote-Consulting umgestellt – allein schon aus Fürsorgepflicht unseren Mitarbeitenden und Kunden gegenüber. Unsere sehr erfolgreichen Erfahrungen in der Krise belegen, dass das Remote-Consulting, das vor der Krise nur wenig Raum hatte, eine starke Alternative darstellt. Denn neben dem Gesundheitsschutz und der Flexibilität hat es weitere Vorteile: Wir haben vermehrt Mitarbeitende standortunabhängig eingestellt und die internationale Zusammenarbeit vereinfacht sowie Geschäftsreisen und unseren ökologischen Fußabdruck verringert. Für die kommenden Monate wird sich nach meiner Einschätzung eine hybride Form des Arbeitens entwickeln. Dabei wird ein ausgewogener Anteil von Home Working auch nach der Pandemie ein fester Bestandteil unserer Arbeitskultur bleiben. Gleichzeitig werden wir unsere Leistungen zur Verbesserung der Kundenbindung und zum direkten Austausch innerhalb des Teams auch wieder vermehrt beim Kunden oder im Büro erbringen. Wir respektieren dabei die Wünsche unserer Kunden und passen unsere Arbeitsweise flexibel an.

Wie gestaltet sich das Onboarding neuer Mitarbeiter:innen in Zeiten von Corona und was können Neueinsteiger:innen bei KPMG erwarten?
Auch unseren Onboarding-Prozess haben wir – wie auch die Projektarbeit beim Kunden – den veränderten Gegebenheiten durch die Corona-Pandemie angepasst. Schon bevor unsere neuen Mitarbeitenden bei uns einsteigen, erhalten sie Zugang zur KPMG Onboarding-App und können somit schon vor dem eigentlichen Start einen Einblick in das Arbeitsleben bei KPMG gewinnen. Hier werden sie auch mit wichtigen Tipps und Infos auf den Einstieg vorbereitet. In den ersten Tagen findet dann unser interaktiver und virtueller Welcome Day statt, an dem alle Neueinsteiger:innen gemeinsam mehr über KPMG und unsere Prozesse erfahren und sich auch untereinander vernetzen können. Zudem wird jedem neuen Mitarbeitenden ein „Buddy“ zugeteilt, sodass man für alle Fragen einen oder eine Ansprechpartnerin hat. Das alles dient dazu, unsere Neueinsteiger:innen optimal auf ihre bevorstehende Projektarbeit vorzubereiten und ihnen den Start ins Berufsleben bei KPMG zu erleichtern.

Unser Leser Tim stellt die Frage, ob vor den Consultants ein goldenes Jahrzehnt liege, da der Anpassungsdruck für Unternehmen in vielen Feldern sehr hoch sei. Stimmen Sie dem zu?
Ich glaube, wir alle haben in den vergangenen beiden Jahren gemerkt, wie volatil unser Markt ist und welch weitreichende Auswirkungen Ereignisse haben können, mit denen niemand zuvor gerechnet hat. Diese Unsicherheit, die auch durch den Klimawandel erhöht wird, macht es für uns schwieriger, die Zukunft zu prognostizieren. Dennoch ist der Anpassungsdruck durch äußere Einflüsse bei Unternehmen und Verwaltungen so hoch wie nie, eben weil sie sich auf mögliche neue Bedingungen einstellen und flexibel handlungsfähig sein wollen. Daraus resultiert ein sehr großer Bedarf an Beratungsleistungen und es wird weiterhin viele Themen geben, die Unternehmen in den kommenden Jahren angehen werden. Wir sind außerdem sehr viel besser durch die Krise gekommen als erwartet, und auch Marktforschungsinstitute prognostizieren für die kommenden Jahre ein Wachstum im oberen einstelligen Bereich. Wir sind daher für die Zukunft sehr positiv gestimmt.

Welche Rolle spielt für KPMG das Thema Nachhaltigkeit?
Das spielt bei uns in zweierlei Hinsicht eine große Rolle. Intern steht Nachhaltigkeit bei KPMG schon lange auf der Agenda. KPMG hat sich weltweit zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden und im Rahmen der Science Based Targets-Initiative die CO2-Emissionen um 50 Prozent (bezogen auf absolute Emissionen) zu reduzieren. Auf dem Weg dahin gibt es viele kleinere Maßnahmen, die schon heute bei uns umgesetzt werden. Ein Beispiel ist die Einführung eines CO2-Dashboards für Geschäftsreisen: Es zeigt schon vor der Buchung an, welches Verkehrsmittel zu welchen Emissionen führen würde. Um auch unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden, haben wir in unsere interne Projektbörse auch Pro-Bono-Projekte mit aufgenommen. Zudem haben bei uns alle Mitarbeitende die Möglichkeit, sich bis zu vier Stunden im Monat ehrenamtlich während der Arbeitszeit zu engagieren. Allen, die noch mehr darüber wissen möchten, empfehle ich einen Blick in unseren Nachhaltigkeitsbericht.

Aber auch extern ist das Thema wichtig?
Ja, denn auf der anderen Seite beraten wir Unternehmen rund um das Thema Nachhaltigkeit mit unserem Ansatz „KPMG Impact“. Viele unserer Kunden haben erkannt, dass das Einhalten von ESG-Kriterien mittlerweile in vielen Bereichen nicht nur von staatlicher Seite gefordert wird, sondern auch im Markt einen Erfolgsfaktor darstellt und somit unabdingbar für ein zukunftsorientiertes Unternehmen ist. Das wissen auch wichtige Investor:innen, die vermehrt in nachhaltige Zukunftstechnologien und Unternehmen, die solche anbieten, investieren. Daher haben wir ESG zum Querschnittsthema gemacht, das wir unabhängig von unseren Bereichen Consulting, Tax, Audit, und Law betrachten und eine Vielzahl verschiedener Lösungen entwickelt, wie wir unsere Kunden hier unterstützen können. Das kann zum Beispiel die Entwicklung von innovativen, nachhaltigen Business Modellen sein oder das Schaffen von Transparenz im Unternehmen durch das Aufsetzen von Reportings, wie wir es auch schon bei KPMG implementiert haben.

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Ioannis Tsavlakidis ist Bereichsvorstand Consulting Deutschland. Der Diplom-Mathematiker (Aristoteles Universität Thessaloniki) begann seine berufliche Laufbahn 1991 bei KPMG in der Stuttgarter Niederlassung und wurde 2002 Partner. Über verschiedene Karrierestationen bei KPMG wurde Ioannis Tsavlakidis 2020 zum Head of Advisory für die EMA-Region (Europe, Middle East and Africa) ernannt.

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