Berufseinsteigerfrage: Mit BWL in die Medien?

Ramon N. fragt: „Ich mache demnächst meinen BWL-Bachelor und bin einer von den „Deppen“, die „unbedingt was in den Medien“ machen wollen. Ich verfüge über Praktika, Erfahrungen in der Schülerzeitung und publizistische Zusatzqualifikationen über gewisse redaktionelle Erfahrung. Allerdings scheint es nur noch bei wenigen, ganz renommierten Häusern Bedarf an Vollblut-Journalisten zu geben. Deswegen orientiere ich mich jetzt in Richtung „ich möchte unbedingt kaufmännisch etwas in den Medien machen, aber trotzdem inhaltliche Verantwortung tragen“. Wie und wo finde ich den für mich passenden Job zum Berufseinstieg? Stellen als Verleger werden ja eher selten ausgeschrieben.”

Blicken Sie nach innen: Wer sind Sie und was bringen Sie fürs Berufsleben mit?
Den richtigen Job zu finden, ist nicht einfach. Die Suche danach bietet aber auch viele Chancen – zumindest dann, wenn Sie sich nicht von vermeintlich negativen Jobaussichten einschränken lassen, sondern davon ausgehen:  Wer gut in dem ist, was er tut, findet später auch eine Stelle. „Gut in etwas zu sein“ bedeutet, dass die Arbeit im Einklang mit Ihrer Persönlichkeit, Ihren Talenten, Fähigkeiten und Werten steht. Nehmen Sie sich daher zunächst die Zeit für eine ausführliche Selbstanalyse. Am besten legen Sie sich ein Notizbuch für Ihre Karriereplanung an und beantworten dort nach und nach diese Fragen: Was kann ich besonders gut? Was hat mir in meinen Praktika und in meinen weiteren medienbezogenen Erfahrungen am meisten Freude bereitet? Wofür wurde ich gelobt? Was reizt mich an der Medienbranche allgemein? Was schreckt mich eher ab? Die Antworten auf diese Fragen helfen Ihnen, Ihre eigenen Stärken zu erkennen und zu verstehen, was Sie besonders motiviert.

Was bedeutet „was in den Medien“ für Sie konkret?
Die Medienbranche ist vielfältig und mit ihr das Angebot unterschiedlicher Berufsbilder. Vom Social-Media-Manager bis zum TV-Redakteur, vom Pressesprecher bis zum Online-Marketer, vom Journalisten bis zum Werbetexter. Zur Inspiration empfehle ich Ihnen eine Online-Recherche, um vorab einige Berufsbeschreibungen und Interviews mit Vertretern bestimmter (Medien-)Berufe zu finden.
Die Entscheidung, welche Option für Sie die passende ist, hat eine inhaltliche und eine strukturelle Komponente. Fragen Sie sich: Was soll der Inhalt meiner Tätigkeit sein? Möchte ich schreiben, recherchieren oder arrangieren und planen? Gefällt es mir, zu konzipieren und zu strukturieren oder möchte ich lieber Ideen erzeugen? Denken Sie anschließend daran, in welchen Strukturen Sie besonders gut arbeiten können. Brauchen Sie ein dynamisches Umfeld mit schnellen Veränderungen und flachen Hierarchien? Oder bevorzugen Sie feste Strukturen und eine langfristige Perspektive? Die Kombination Ihrer Präferenzen gibt die Richtung vor: Wenn Sie beispielsweise am liebsten schreiben, die „trubeligen“ Arbeitsbedingungen in Agenturen oder Redaktionen jedoch nicht zu Ihnen passen, könnte eine Tätigkeit als PR-Redakteur in einem Unternehmen das Richtige für Sie sein. Finden Sie besonders viel Freude am Recherchieren, Konzipieren und strategischen Planen, könnte Ihnen eine Stelle im Business Development eines Verlags entsprechen. Definieren Sie so das Berufsziel, das wirklich im Einklang mit Ihrer Person und Ihren Vorstellungen steht.

Welche Schritte müssen Sie gehen, um in Ihrem gewünschten Medienjob zu starten?
Abhängig von Ihrem favorisierten Berufsbild ergibt sich, wie Sie dorthin gelangen. Sehen Sie Ihre berufliche Zukunft in quereinsteigerfreundlichen Umfeldern wie einer Agentur oder einem Start-up, haben Sie gute Chancen, über ein Praktikum einen „Fuß in die Tür“ zu bekommen. Um in einer Redaktion zu arbeiten, führt in der Regel kein Weg an einem klassischen Volontariat vorbei. Möchten Sie eine Tätigkeit in einem Verlagshaus oder bei einer Rundfunkanstalt aufnehmen, bietet es sich an, dort als Trainee anzufangen – so sammeln Sie bereits praktische Erfahrungen und bauen gleichzeitig Ihre Wissensbasis aus. Für viele Trainee-Stellen genügt bereits ein Bachelor-Abschluss – informieren Sie sich vorher über die konkreten Zugangsbedingungen bei Ihrem Wunsch-Arbeitgeber. Schließlich: Soll Ihr beruflicher Weg ins Management führen oder streben Sie eine leitende Tätigkeit an, sollten Sie ein Masterstudium in Erwägung ziehen. Um später einmal als Verleger zu arbeiten, empfiehlt sich beispielsweise ein Master in Verlags- und Handelsmanagement.

Wo finden Sie interessante Angebote?
Hier ist Eigeninitiative in Form von Onlinerecherche gefragt. Suchen Sie nicht nur auf den gängigen Online-Jobbörsen wie stepstone.de nach Ausschreibungen zu Praktika, Traineeships, Volontariaten und Festanstellungen, sondern auch auf speziellen Jobbörsen für Medienberufe wie DWDL.de, mediajobs.de oder medienjobs-aktuell.de. Nutzen Sie außerdem Ihr Netzwerk: Erkundigen Sie sich in Ihrem Freundes- und Kommilitonenkreis, ob jemand bereits Erfahrungen in bestimmten Medienjobs gesammelt hat – möglicherweise können so auch Kontakte zu Unternehmen hergestellt werden. Halten Sie Augen und Ohren offen und werden Sie selbst aktiv, dann ergeben sich bestimmt interessante Möglichkeiten. Viel Erfolg bei Ihrem Karrierestart!


© Florian Janssen

© Florian Janssen

Ragnhild Struss ist Gründerin und Inhaberin von Struss und Partner Karrierestrategien, einer Karriereberatung mit Sitz in Hamburg. Seit 15 Jahren berät sie Schüler und Studenten, aber auch Berufserfahrene und Führungskräfte und hilft Menschen dabei, eigene Potenziale zu erkennen, wertzuschätzen, weiterzuentwickeln und strategisch klug einzusetzen. Sie erreichen sie unter strussundpartner.de.

 

 

Beitragsbild: Sam McGhee/unsplash

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