Die richtige Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch

Einladung zum Vorstellungsgespräch – in vier Tagen! Die 26-jährige Sarah M. sitzt mit ihrem Masterabschluss in Tourismus und Eventmanagement einerseits freudig erregt vor ihrem E-Mail-Eingang, andererseits macht sich gleichzeitig innerliche Panik breit. Das muss nicht sein! Eine gewisse Anspannung im Job-Interview ist normal und fördert die Konzentration. Panik und Blackout sind dagegen völlig unnötig. Denn die gute Nachricht lautet: Etwa zwei Drittel der Fragen sind absehbar, das heißt im Vorfeld können Sie sich sehr gut vorbereiten. Eine gründliche Vorbereitung zahlt sich aus und gibt Ihnen Sicherheit!

Auf folgende Fragen sollten Sie vorbereitet sein:

Fragen zu Stärken und Schwächen
„Worin liegen Ihre Stärken?“, „Woran möchten Sie bei sich noch arbeiten?“ Dies sind typische Fragen, die klar auf Ihr Selbstbild abzielen. Vielen fällt die Antwort schwer, wollen sie doch nicht den Eindruck einer Anmaßung erwecken oder Defizite betonen. Was liegt Ihnen wirklich? Es geht darum, für sich authentische Eigenschaften herauszuarbeiten, die stark ausgeprägt sind. Ein vermeintliches Ideal widerzuspiegeln, das anhand der Stellenan­forderung zusammengezimmert wurde und als eigenes Stärkenprofil verkauft wird, kommt meist unglaubwürdig rüber. Zielführend ist es dagegen, drei bis fünf persönliche Stärken zu vermitteln. Belassen Sie es nicht nur bei Schlagworten, sondern belegen Sie diese anhand konkreter Beispielsituationen, in welchen Sie die jeweilige Stärke zeigen konnten.
Ähnliches gilt bei der Frage nach Schwächen. Sie sollten zwei bis drei Verhaltensweisen beschreiben können, mit denen Sie in der Tat selbst unzufrieden sind. Auch Schwächen müssen authentisch sein, denn ein Interviewer möchte erkennen, inwieweit bei einem Bewerber die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Selbstkritik ausgeprägt ist. Leerfloskeln oder taktische Manöver, bei denen Schwächen zu Stärken umgekehrt werden sollen, kommen ganz schlecht  an. Am häufigsten muss dafür die „Ungeduld“ herhalten. Bei vielen Personalern löst diese Schwäche inzwischen Aversionen aus und wird so gedeutet, dass der Bewerber nicht besonders reflektiert ist beziehungsweise unkluge Bewerbungs­ratgeber gelesen hat.

Motivationsfragen
Jeder Arbeitgeber möchte wissen, was Sie antreibt und welche Motive hinter Ihrer Bewerbung stehen. Rechnen Sie daher auf jeden Fall mit Fragen, wie zum Beispiel „Was fasziniert Sie an unserer Branche?“, „Warum möchten Sie gerade für unser Unternehmen arbeiten?“ oder „Warum möchten Sie an unserem Trainee-Programm teilnehmen?“ Ihr zentrales Motiv muss zum Aufgabenspektrum der Zielposition passen.
Sie müssen glaubhaft vermitteln können, dass die Kombination bestimmter Tätigkeiten und Themengebiete, die die Stelle beinhaltet, für Sie attraktiv ist. Ideal ist es, wenn Sie nicht nur Ihre theoretischen Vorstellungen formulieren, sondern sich dabei auf konkrete, erste praktische Erfahrungen beziehen können, wie auf ein Praktikum.
Überlegen Sie, was das Unternehmen – außer einer guten Bezahlung oder vielen Urlaubstagen – für Sie zusätzlich interessant macht. Sind es die Entwicklungsperspektiven (sofern Sie diese einschätzen können) oder ein internationales Umfeld? Gibt es ein bestimmtes Alleinstellungsmerkmal, wie eine Markt- oder Technologieführerschaft oder ein außerordentliches Umweltbewusstsein des Unternehmens?

Kompetenzorientierte situative Fragen
Wer die Stellenausschreibung studiert, weiß um die Anforderungen und erkennt den Hintergrund zu Fragen wie zum Beispiel „Wann haben Sie zum letzten Mal Ihre konzeptionellen Fähigkeiten unter Beweis gestellt?“ oder „Wie gehen Sie vor, wenn Sie andere Menschen von Ihren Ideen begeistern wollen?“ Mit derlei Fragen werden gerne die Ausprägungen anforderungsrelevanter Kompetenzen hinterfragt. Schildern Sie im Interview, wie Sie ein kniffliges Problem auf kommunikativer Ebene lösen konnten. Orientieren Sie sich beim Aufbau Ihrer Argumentation an der Formel PAR, die für Problem, Aktion und Resultat steht.

Standortbestimmung
Punkten Sie bei Ihren Antworten mit möglichst konkreten Beispielen! Eine gute Interview­vorbereitung beruht daher auf einer klaren Standortbestimmung – zugegeben, eine Fleißarbeit, die Sie zunächst im stillen Kämmerchen vollziehen müssen. Aber es lohnt sich! Notieren Sie als Erstes stichpunktartig Ihre Antworten zu den wichtigsten Fragen, wie zu Ihren Stärken und Schwächen sowie zu Ihrer Motivation für die Aufgabe. Identifizieren Sie anhand des Anforderungsprofils die wichtigsten Kompetenzen, tragen Sie dabei Ereignisse / Erfahrungen zusammen, mit denen Sie diese untermauern können.

90-Sekunden-Spot
Womöglich werden Sie zu Beginn des Interviews aufgefordert, etwas über sich zu erzählen, bereiten Sie daher eine kurze Selbstvorstellung vor – einen 90-Sekunden-Spot. Warum 90 Sekunden? Gute Antworten sind strukturiert und prägnant. Lange Antworten bergen die Gefahr, den Zuhörer zu überfordern oder als egozentrisch wahrgenommen zu werden. Also, Grundschule weglassen, auch wenn sie noch so schön und lehrreich war. Konzentrieren Sie sich auf folgende Eckpunkte:

  1. Ihre aktuelle Tätigkeit
  2. Ihre Motivation für die Stelle und
  3. den Nachweis Ihrer Eignung. Damit senden Sie Ihre bedeutende Bewerberbotschaft!

Sondersituation Telefoninterview
Nicht immer sitzt Ihr Interviewpartner mit Ihnen am Tisch. Zur Vorauswahl werden manchmal auch telefonische Gespräche geführt. Um Bewerber systematisch vergleichen zu können, arbeiten die Interviewer in der Regel einen bestimmten Fragenkatalog ab. In diesem Fall handelt es sich um so genannte vollstrukturierte Interviews. Daher ist im Telefoninterview die Gesprächsführung straffer, auf Small-Talk wird weitestgehend verzichtet. Fragen Sie im Zweifelsfall nach, ob Sie bei Ihrer Antwort tiefer ins Detail gehen sollen. Sofern es sich nicht um ein Videotelefonat handelt, fehlen nützliche, visuelle Informationen. Denken Sie daran, wenn Sie Gesprächs­pausen einlegen – sind sie zu lange, können sie zu Irritationen führen. Tipp: Suchen Sie im Vorfeld im Internet nach einem Bild Ihres Gesprächspartners (LinkedIn, Xing, …). Wenn Sie wissen, wie Ihr Gesprächspartner aussieht, kann Ihnen dies ein Gefühl der Sicherheit vermitteln.

Feedback holen und Interview durchspielen
Tun Sie sich bei manchen Themen schwer, wie zum Beispiel bei Stärken und Schwächen, dann reflektieren Sie diese mit einem Mentor / Feedbackgeber. Scheuen Sie sich auch nicht davor, Interviewfragen mit einem Sparringspartner durchzuspielen, um zu checken, ob die Antworten für Ihren Fragesteller plausibel und verständlich klingen. Vorbereitung und Übung machen den Interview-Meister!


Johannes Stärk Vorstellungsgespräch

Johannes Stärk

Geschäftsführer des Beratungsinstituts Intertrainment (www.intertrainment.de), Management-Trainer, Assessment-Center-Experte, Bestseller-Autor

Herr Stärk hat Erfahrung mit mehreren tausend Klienten, die sich auf ein Interview und / oder Assessment-Center vorbereiten ließen. Viele kennen ihn auch als Autor des Bestsellers »Assessment-Center erfolgreich bestehen«, dem Standardwerk für anspruchsvolle Führungs- und Fach-Assessments, und Autor des Buches »Erfolgreich im Vorstellungsgespräch und Jobinterview«.

 

Johannes Stärk Vorstellungsgespräch

 

Assessment-Center erfolgreich bestehen: Das Standardwerk für anspruchsvolle Führungs- und Fach-Assessments

 

 

 

 

 


Artikelbild: TeroVesalainen / pixabay.com

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