Innovationen im Digitalzeitalter

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Innovationen im Digitalzeitalter: Holy Shit! Wird über den Bringdienst eatnlaugh.com die Pizza wirklich von “Authentic Freaks” ausgeliefert? Noch nicht. Aber vielleicht bald.

Verrückt genug für die Produkte von Morgen

„Gerade an deutschen Hochschulen schlummert viel Gründer- und Technologiepotenzial und wir sehen große Chancen – für uns wie auch für die Gründer. Da würden wir gerne noch mehr Investments tätigen.“ Diese Aussage stammt von Tengelmann Ventures und steht stellvertretend für einen interessanten Trend: Die Suche nach Innovationen im Digitalzeitalter, neuen Produkten und Dienstleistungen, Gründern und Ideen wird immer intensiver und professioneller betrieben.

Man hat das Gefühl, dass „die Digitalisierung“ gerade dabei ist, 100 Jahre Wirtschaftsgeschichte zu pulverisieren. „Der Automobilbereich hat sich in den letzten 100 Jahren nicht so geändert, wie er sich in den kommenden zehn Jahren wandeln wird“, konstatiert Rolf Breidenbach auf dem Management Kolloquium an der TU München. Der Chef des 36.000 Mitarbeiter zählenden Autozulieferers Hella schaut dabei durchaus mit Respekt in die Zukunft.

Früher reichte es, Produkte sachte zu modifizieren. Der deutsche Ingenieur konnte sich auf seine Grundtugend verlassen: Produkte in aller Gründlichkeit  zu perfektionieren, bis sich Spaltmaße oder Ausfallquoten der Null-Linie näherten. Heute sorgt die Digitalisierung für niedrigere Eintrittsbarrieren und erlaubt es auch  branchenfremden Playern mit ausreichend wahnwitzigen Konzepten schnell Fuß zu fassen. „Wahnwitz“ ist nun allerdings nicht das hervorstechendste Merkmal deutscher Industriekonzerne – Infusionen von außen werden in diesen disruptiven Zeiten deshalb immer wichtiger.

Ideen werden von außen benötigt

Die Unternehmen spüren, dass sie Ideen und am besten ganze Geschäftsmodelle von außen brauchen, weil die internen Innovationsprozesse nicht mehr ausreichen. Sogenannte Corporate Ventures als Finanziers externer Start-ups gab es immer schon. Seit etwa zwei bis drei Jahren haben sie einen wesentlich höheren Stellenwert im Unternehmen, das sich strategische Vorteile aus den Partnerschaften verspricht, wie Markus Nitschke von E.ON Agile, dem VC-Arm des Energiekonzerns, erklärt: „Am Anfang stand, kulturellen Wandel innerhalb von E.ON zu treiben. In der ersten Phase im Jahr 2013 war die Gründung allein eigenen Mitarbeitern vorbehalten, um versteckte Business Potenziale zu heben, neue Geschäftsmodelle aufzubauen und um digital, innovativ und lean zu werden. Seit Herbst 2014 können sich auch externe Start-ups, Gründer und Ideengeber bewerben. Derzeit ist das Verhältnis der internen und externen Start-ups 50 zu 50.“ Mittlerweile werden von E.ON Agile um die 40 Start-ups in unterschiedlichen Entwicklungsstufen betreut, darunter erfolgreiche Gründungen wie Digimondo oder Rafiki Power.

Die Energieversorger sind durch den Wandel zur erneuerbaren Energie unter Druck geraten und suchen nach cleveren Gründern, die ein Gespür für die Produkte von morgen haben. Der Fokus von E.ON Agile liegt dabei auf Early Stage Start-ups, die Gründung muss noch nicht erfolgt sein. „Die Start-ups sollten sich mit einer Geschäftsidee bewerben, die einen Energiebezug hat, idealerweise in den Bereichen Digital, IoT, Battery Solutions, New Heat oder eMobility. Darüber hinaus schaut E.ON gezielt nach Zukunftsideen, die heute vielleicht noch nicht im Fokus stehen, aber eine strategische Bedeutung erlangen könnten.“

Einen weniger strategischen als vielmehr wirtschaftsgetriebenen Ansatz geht Tengelmann Ventures. Dort strebt man mit den Investments keinen direkten strategischen Nutzen für Unternehmen der Tengelmann Gruppe an – das Ziel ist eine finanzielle Rendite auf das Portfolio. Der Investitionsfokus liegt auf den Themenbereichen Consumer Internet, Internet Marketplaces sowie Software & Technologie: „Darunter können viele Themen fallen, wir sind da bewusst eher breit aufgestellt. Wir suchen keine Produkte, die es in einem Laden zu kaufen gibt. Teil unserer Aufgabe ist es, Themen der Zukunft schon früh zu erkennen und idealerweise in Kategorien zu investieren, bevor diese in der Öffentlichkeit einen Namen bekommen.“

Vier Studenten gründeten Stylight, das zu einer Bewertung von 80 Millionen verkauft wurde

Die Investitionen in die Frühphase der Wachstumsunternehmen betragen bei Tengelmann Ventures zwischen drei und fünf Millionen Euro. Als ausdrücklich attraktiv gelten Gründer aus der Hochschule, die man als Investor und Minderheitsgesellschafter erfolgreich finanzieren und begleiten könne, wie auch Beispiele aus der Vergangenheit beweisen: „Die Firma Stylight aus München ist ein schönes Beispiel für ein solches Engagement. Gegründet wurde das Unternehmen 2008 von 4 Studenten am CDTM, ein Gründerzentrum das gemeinsam von der TU und der LMU betrieben und finanziert wird. Ein erstes Investment von Tengelmann erfolgte in 2010. In 2012 investierte die Münchner TV-Sendergruppe ProSiebenSat.1 über ihre Beteiligungstochter SevenVentures in die Fash­ion Suchmaschine. 2016 folgte dann die Komplettübernahme durch ProSiebenSat.1 für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.“

Eine andere Strategie als die VC-Einheiten der Konzerne bilden die sogenannten Company Builder oder auch Innovation Labs wie Allianz X oder Greenhouse von Gruner + Jahr, die nach eigener Aussage Menschen mit „Gründer-Genen“ ansprechen. Wenn die eigene Idee überzeugt,  hilft man im Greenhouse mithilfe von Research und Prototyping die Nutzerbedürfnisse, Produktkonzepte und Geschäftsmodelle zu validieren.

Weitere Innovationen im Digitalzeitalter

Neben den Corporate Ventures und Company Buildern bieten sich Studenten auch spannende Crowdinnovation-Optionen an. In der Regel suchen Unternehmen nach Ideen oder konkreten Lösungen für Probleme und schreiben diese in der Crowd aus. Mitmachen kann jeder auf Plattformen wie Innocentive oder Innoget, eine Prämie erhält nur, wer sich mit seinem Ansatz durchsetzt.

Einen fokussierteren Ansatz verfolgt Beiersdorf mit seinem TRUSTET NETWORK, das als Open Innovation-Plattform über 500 Kooperationspartner einbindet. Mit Dr. Stefan Hell gehört sogar ein Nobelpreisträger zum umfangreichen akademischen Kooperationsnetzwerk des Unternehmens. Dr. Harald Büttner, Teamleiter Technology Scouting bei Beiersdorf, hält Studenten ebenfalls für eine wichtige Zielgruppe, wenn es um neue Ideen und Technologien geht: „Wir arbeiten auch mit Plattformen zusammen, die von Studierenden genutzt werden und richten uns mit einzelnen Aktivitäten gezielt an kleine Gruppen von Studenten.“

Beitragsbild: © REHvolution.de/Photocase

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