
Viele Studierende stehen früh vor der Frage, wie sie in die Wirtschaftsprüfung einsteigen und welcher Weg zum Wirtschaftsprüferexamen am besten passt. Drei Professoren beantworten dazu die wichtigsten Fragen: Welcher Einstieg lässt die meisten Optionen offen, Bachelor oder Master, und ist eine frühe Spezialisierung sinnvoll?
Springe direkt zur Frage, die dich interessiert:
- Audit, Steuern oder prüfungsnahe Beratung: Welcher Einstieg passt?
- Bachelor oder Master: Was ist der bessere Weg zum Wirtschaftsprüferexamen?
- Frühe Spezialisierung im internationalen Steuerrecht: Vorteil oder Festlegung?
Audit, Steuern oder prüfungsnahe Beratung: Welcher Einstieg hält die meisten Türen offen?

Die Antwort in Kürze: Die Wirtschaftsprüfung bietet den breitesten Einstieg. Sie vermittelt eine solide fachliche Grundlage, die später Wechsel in Steuern, internes Rechnungswesen, Transaktionen oder Unternehmensführung ermöglicht. Wer früh Verantwortung übernimmt und fachlich tief einsteigen möchte, findet hier oft den besten Ausgangspunkt.
„Wer sich zwischen Audit, Tax und prüfungsnaher Beratung noch nicht entscheiden kann: Welcher Einstieg hält die meisten Türen offen, ohne dass man in den ersten Jahren nur an der Oberfläche bleibt?”
Wer sich zwischen diesen drei Bereichen noch nicht festlegen möchte, stellt sich mit der Wirtschaftsprüfung meist am breitesten auf. Der Einstieg vermittelt einen sehr guten Überblick über die deutsche handelsrechtliche und die internationale IFRS-Rechnungslegung im Einzel- und Konzernabschluß, interne Kontrollsysteme, verschiedenste Geschäftsmodelle und die vielfältigen Zusammenhänge zwischen der kaufmännischen Tätigkeit und ihrem volkswirtschaftlichen Umfeld. Gleichzeitig entsteht zügig eine solide fachliche Grundlage, die später viele Wechsel ermöglicht – etwa in die Bereiche Steuern, internes Rechnungswesen, Investition und Finanzierung, Umstrukturierungen, Fusionen und Übernahmen oder in die Unternehmensführung. Selbstverständlich ist es dafür wichtig, nicht nur Prüfungsprogramme “abzuarbeiten”, sondern möglichst früh Verantwortung für anspruchsvolle Sachverhalte und Mandanten zu übernehmen. Der Bereich Steuern bietet dagegen eine größere fachliche Spezialisierung, während prüfungsnahe Beratung oft stärker projekt- und transaktionsorientiert ist. Wer sich langfristig möglichst viele Optionen offenhalten und zugleich fachlich tief einsteigen möchte, wird daher in der Wirtschaftsprüfung häufig den besten Ausgangspunkt finden.
Bachelor oder Master: Was ist der bessere Weg zum Wirtschaftsprüferexamen?

Die Antwort in Kürze: Wer früh in die Praxis möchte oder finanziell unabhängig sein muss, kann direkt nach dem Bachelor einsteigen. Wer mehr fachliche Tiefe, Spezialisierung und die Anrechnung von Prüfungsfächern für das WP-Examen sucht, fährt laut Fülbier mit dem Master besser. In Bayreuth lassen sich im BWL-Master zwei von vier Examensfächern ersetzen.
„Direkt nach dem Bachelor einsteigen oder erst einen anrechenbaren Master absolvieren: Für welche Studierenden ist welcher Weg zum Wirtschaftsprüferexamen der bessere?”
Für diejenigen, die mit der praktischen Vollzeittätigkeit gar nicht früh genug starten können, die das Bachelor-Studium eher als Last empfinden, weil es ihnen zu aufwändig, zu abstrakt erscheint, reicht der Bachelor. Nicht vergessen möchte ich diejenigen, die finanziell unabhängig sein wollen oder müssen und statt einer Werkstudententätigkeit eine Vollzeitbeschäftigung präferieren. Allen anderen rate ich sehr zum Masterstudium!
Zum einen kann man im Master eine andere akademische Flughöhe erreichen. Das impliziert fachliche Tiefe, meist kleinere Gruppen und bessere Betreuung, oft auch andere Lehrkonzepte. Das bedeutet mehr Wissen, mehr Spezialisierung, mehr Praxisnähe und, auf jeden Fall, mehr Spaß! Interessierte kommen auch mit wissenschaftlichen Methoden in Berührung, die später in der Praxis (und im Berufsexamen) immer wichtiger werden. Zum anderen entwickelt sich die Persönlichkeit weiter, denn man hat nochmal zwei Jahre studentische Selbstbestimmung, schaut über den Tellerrand, kann nochmal ins Ausland gehen, vielleicht sogar eine Promotion andenken. Zudem sind die Anerkennungsmöglichkeiten des §§ 8a, 13b WPO zentral: In Bayreuth bieten wir z.B. in unserer WP-Option im normalen BWL-Master die Möglichkeit, zwei von vier Fächern des WP-Examen vollumfänglich zu ersetzen – eine echte Erleichterung!
Frühe Spezialisierung im internationalen Steuerrecht: Karrierevorteil oder unnötige Festlegung?

Die Antwort in Kürze: Eine frühe Spezialisierung im internationalen Steuerrecht ist interessant, engt aber den Kreis möglicher Arbeitgeber ein. Overesch rät deshalb zunächst zu einer breiten steuerlichen Ausbildung. Gezielte Spezialisierung auf Erfahrungswissen und eigene Urteilsfähigkeit kann danach sehr sinnvoll sein.
Darunter: die gedruckte Professorenfrage und seine Antwort im Originalwortlaut.
„Ist eine frühe Spezialisierung im internationalen Steuerrecht ein Karrierevorteil – oder legt man sich damit zu Beginn unnötig fest?”
Das internationale Steuerrecht ist eine interessante und anspruchsvolle Vertiefung, die attraktive Tätigkeitsfelder und internationale Erfahrungen eröffnet. Dennoch möchte ich von einer allzu frühen Spezialisierung eher abraten. Internationales Steuerrecht ist ein vergleichsweise spezielles Tätigkeitsfeld, das auch den Kreis potenzieller Arbeitgeber einengt. Ein Vorteil einer steuerlichen Ausbildung liegt dagegen auch in einem Arbeitsmarkt mit ganz unterschiedlichen beruflichen Perspektiven.
KI verstärkt dabei zwei gegenläufige Entwicklungen: Einerseits gewinnt spezialisiertes Erfahrungswissen an Bedeutung, wenn reines Detailwissen leichter verfügbar wird. Andererseits wird ein sicheres steuerliches Systemverständnis wichtiger, um neues Wissen einzuordnen und auf Veränderungen reagieren zu können. Daher würde ich zunächst zu einer breiten Ausbildung raten. Darauf aufbauend kann es dann aber sehr sinnvoll sein, etwa in der internationalen Steuerberatung gezielt Erfahrungswissen und eigene Urteilsfähigkeit aufzubauen.
Weiterlesen: Wirtschaftsprüfung: Karriere, Arbeitgeberwahl und KI im Expertenrat
Erstmals erschienen im high potential, Wintersemester 2026/2027