
Wer in die Wirtschaftsprüfung will, stellt sich früh drei Fragen: Lohnt sich das Examen für die Karriere, welche Art von Arbeitgeber passt zu den eigenen Zielen, und wie verändert KI den Einstieg? Außerdem stellt sich die Frage, ob man sich für Wirtschaftsprüfung oder Steuerberatung entscheiden muss. Drei Professoren und ein Experte antworten.
Springe direkt zur Frage, die dich interessiert:
- Welche beruflichen Möglichkeiten eröffnet das Wirtschaftsprüferexamen?
- Big Four oder mittelständische Wirtschaftsprüfung: Wo lernt man mehr?
- Wenn KI Einstiegsaufgaben übernimmt: Lernt man das Handwerk trotzdem?
- Wirtschaftsprüfung oder Steuerberatung: Welche drei Fragen helfen bei der Entscheidung?
Welche beruflichen Möglichkeiten eröffnet das Wirtschaftsprüferexamen, die man ohne Examen kaum erreicht?

Die Antwort in Kürze: Mit dem WP-Titel lassen sich Karrierewege bis zur Partnerschaft gehen, und bei Stillstand ist ein Wechsel der Gesellschaft möglich. Der Titel öffnet außerdem den Weg in prüfungsnahe oder klassische Beratung und in Unternehmen, etwa in die Vorstandsetage. Laut Löw zeigt der Titel vor allem, dass man ausgebildet, engagiert und belastbar ist.
„Viele Studierende sehen das Wirtschaftsprüferexamen vor allem als jahrelange Zusatzbelastung. Welche beruflichen Möglichkeiten eröffnet der Titel, die man ohne Examen kaum erreicht – und für wen lohnt sich dieser Weg besonders?”
Karriereaussichten gibt es in einer WP-Gesellschaft bis zur Partnerschaft mit großen Freiräumen, hoher Verantwortung und attraktivem Gehalt. Stockt die Karriere, kann die WP-Gesellschaft gewechselt werden – ein Nebeneffekt der externen Rotation. Eine weitere Folge ist eine berufliche Veränderung in die prüfungsnahe oder klassische Beratung, übrigens auch außerhalb der WP-Branche. Durch einen Wechsel in Industrie- und Handelsunternehmen lässt sich ebenfalls eine großartige Karriere erreichen. Fünf aktuelle DAX-40-Vorstandsmitglieder (CFO) haben nachweislich zuvor in der Wirtschaftsprüfung gearbeitet, wahrscheinlich sind es deutlich mehr. Selbst wenn sich die betreffenden Persönlichkeiten auch ohne WP-Titel durchgesetzt hätten, haben sie mit dem Titel sofort nachgewiesen, dass sie hervorragend ausgebildet, engagiert und belastbar sind – essentielle Eigenschaften für eine Karriere.
Big Four oder mittelständische Wirtschaftsprüfung: Bei welchem Arbeitgeber lernen Berufseinsteiger mehr?

Die Antwort in Kürze: Mittelständische Gesellschaften bieten kurze Entscheidungswege, mehr Handlungsspielraum und persönliche Betreuung. Die Big Four haben ein breiteres Aufgabenspektrum, mehr Spezialisierung und internationale Mandanten. Ein Vorteil der Big Four ist das Förderprogramm „AuditExcellence“, über das sich Berufseinsteiger für den berufsbegleitenden Master „Mannheim Master of Accounting & Taxation“ qualifizieren können. Mittelständische Gesellschaften können ihre Mitarbeiter ebenfalls entsenden, sollten dies aber früh im Bewerbungsprozess klären.
„Big Four oder mittelständische Wirtschaftsprüfung: Bei welchem Arbeitgeber lernen Berufseinsteiger in den ersten Jahren mehr – und von welchen persönlichen Zielen hängt die richtige Wahl ab?”
Beide Wege in die Wirtschaftsprüfung haben ihre Stärken. Mittelständische Gesellschaften punkten mit kurzen Entscheidungswegen, mehr Handlungsspielraum und persönlicher Betreuung durch erfahrene Partner. Die Big Four bieten ein breiteres Aufgabenspektrum, mehr Spezialisierung und internationale Mandanten, also vielfältigere Karrierepfade und breiten Einblick.
Ein besonderer Big-Four-Vorteil: Mit ihrer gemeinsamen Initiative „AuditExcellence” fördern sie gezielt den Führungsnachwuchs, etwa durch die berufsbegleitende Teilnahme an unserem Studiengang „Mannheim Master of Accounting & Taxation”. Er verbindet einen Masterabschluss mit gezielter Vorbereitung auf das Berufsexamen und passt ideal in die ersten Berufsjahre.
Auch mittelständische Gesellschaften können ihre Berufseinsteiger für den Studiengang entsenden; individuelle Absprachen dazu sind allerdings am besten schon im Bewerbungsprozess zu vereinbaren.
Wenn KI Einstiegsaufgaben übernimmt: Woran erkennen Studierende, ob die Prüfungsgesellschaft das Handwerk von Grund auf beibringt?

Die Antwort in Kürze: Studierende sollten im Bewerbungsgespräch gezielt nachfragen, wie die Gesellschaft die Ausbildung von Berufseinsteigern gestaltet und welche Tätigkeiten sie selbstständig lernen. Auch wenn KI viele Aufgaben übernimmt, ist die Grundlagenausbildung wichtig, weil nur wer die Grundlagen versteht, KI-Ergebnisse kritisch prüfen kann. Ein schleichender Verlust fachlicher Kompetenz (Deskilling) soll vermieden werden.
„Wenn KI künftig viele klassische Einstiegsaufgaben übernimmt: Woran sollten Studierende im Bewerbungsgespräch erkennen, ob eine Prüfungsgesellschaft ihnen trotzdem das Handwerk von Grund auf beibringt?”
Studierende sollten im Bewerbungsgespräch gezielt danach fragen, wie die Prüfungsgesellschaft die Ausbildung ihrer Berufsneueinsteiger gestaltet und welche Tätigkeiten sie selbstständig ungeachtet des Einsatzes von KI erlernen können. Dabei sollte es im Interesse der Prüfungsgesellschaften liegen, das Prüfungshandwerk von Grund auf zu vermitteln. Auch wenn Berufseinsteiger zu Beginn vielleicht nur „mitlaufen“ und viele ihrer Tätigkeiten bereits durch KI erledigt werden könnten, ist diese Investition ausgesprochen sinnvoll. Nur wer die Grundlagen versteht, kann später auch bei komplexen Fragestellungen KI-Outputs kritisch und fachlich fundiert hinterfragen und beurteilen. Andernfalls droht Deskilling, d.h. ein schleichender Verlust fachlicher Kompetenzen, wenn KI nicht nur unterstützt, sondern das eigenständige Denken und Lernen zunehmend ersetzt. Entscheidend ist daher eine Ausbildung, in der KI als Werkzeug eingesetzt wird, ohne das tatsächliche Erlernen des Prüfungshandwerks zu verdrängen.
Wirtschaftsprüfung oder Steuerberatung: Welche drei Fragen sollte man sich vor der Bewerbung stellen?

Die Antwort in Kürze: Man muss sich nicht sofort entscheiden, beide Wege lassen sich zunächst gemeinsam gehen, etwa erst Steuerberater, dann Wirtschaftsprüfer. Drei Fragen helfen bei der Orientierung: Welche Fächer begeistern mehr? Will man unabhängig prüfen oder aktiv gestalten? Und Praktika in beiden Bereichen helfen beim Ausprobieren.
Darunter: die gedruckte Professorenfrage und seine Antwort im Originalwortlaut.
„Wirtschaftsprüfung oder Steuerberatung: Welche drei Fragen sollte sich ein Student stellen, bevor er sich für eine der beiden Richtungen bewirbt?”
- Die erste und wichtigste Frage ist gar keine Frage, sondern ein Hinweis: Man muss sich nicht sofort entscheiden; beide Wege lassen sich lange gemeinsam gehen (z. B. erst StB, dann WP). Oft erledigt sich das Problem dann von alleine. „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“ Folgende Fragen können aber weiterhelfen.
- Was macht mehr Spaß? „Brennt“ man im Studium eher für die WP-orientierten Fächer oder für die steuerlichen Fächer? Die Praxis der beiden Bereiche sollte man ebenfalls durch Praktika austesten.
- Prüfen oder gestalten? Will man fremde Arbeit unabhängig-kritisch beurteilen (WP) oder aktiv im Mandanteninteresse mitgestalten (StB)?
Weiterlesen: Einstieg in die Wirtschaftsprüfung: Audit, Bachelor, Master und Spezialisierung
Erstmals erschienen im high potential, Wintersemester 2026/2027.