Influencer-Marketing: ein Trend, hinter dem viel harte Arbeit steckt

Berühmte Blogger erreichen über Social-Media-Plattformen täglich Hunderttausende oder sogar Millionen von Menschen weltweit. Deswegen werden sie für viele Unternehmen als Werbepartner immer attraktiver. Wer jedoch den Karriereweg Richtung Influencer Marketing einschlagen möchte, muss wichtige Komponenten berücksichtigen. Jeanette Okwu beleuchtet das Berufsbild eines sogenannten Influencers und erklärt, welcher Arbeitsaufwand mit diesem Job einhergeht – ganz im Widerspruch zu den bestehenden Vorurteilen.

Jeanette Okwu von beyond Influence

Jeanette Okwu bündelt mehr als 15 Jahre Erfahrung auf Kunden- wie Agenturseite, wenn es um Influencer Marketing geht. Sie ist Geschäftsführerin von BEYONDinfluence und Vorstand des Bundesverband Influencer Marketing e.V (BVIM). Nach dem Studium durchlief Jeanette alle Stationen eines Volontariates und arbeitet mehrere Jahre als Radio und Fernsehmoderatorin bevor sie Büro-Chefin des RTL-Landesstudios Niedersachsen wurde. Seit über zehn Jahren gehört Influencer Marketing dazu und in ihrer globalen Funktion als Business Director bei Spark44 (heute Accenture), entwickelte sie die globale Influencer Marketing Strategie von Jaguar Land Rover, welche in insgesamt 24 Märkten umgesetzt wurde

Lässt sich der Beruf Influencer als Handwerk erlernen?
Um Influencer zu werden, braucht man keine speziellen Vorkenntnisse. Trotzdem können bestimmte Begabungen wie eine gute Schreibe, charismatische Kamerapräsenz, technisches Wissen aus den Bereichen Fotografie, Kameratechnik oder Filmschnitt, sowie Kenntnisse über Medienwissenschaften durchaus hilfreich sein. Diese kann man lernen oder auch studieren. Es gibt mittlerweile einige Unternehmen, die Kurse und Zertifikate anbieten, die sich auf die Berufssparte Influencer oder Content Creator spezialisiert haben. Mittlerweile bezeichnen sich 52 Millionen Social Media Nutzer als professionelle Content Creator. Das heißt aber nicht, dass diese Influencer auch davon leben können. Der Anteil der Vollzeit Influencer ist eher verschwindend gering. Aber, wer sich für die Influencer Karriere interessiert, kann in verschiedenen Kursen alles lernen, was dazu gehört, denn Influencer sein heißt gleichzeitig auch Unternehmer sein und hier gibt es neben den künstlerischen und technischen Sachen, auch unternehmerische Dinge, die beherrscht werden müssen. Ausserdem, bieten viele erfolgreiche Influencer selbst Kurse an, in denen sie ihre Erfahrungen an die nächste Generation weitergeben. Auch BEYONDinfluence bereitet gerade einen solchen Kurs vor, in dem das geballte Wissen unserer langjährigen Erfahrungen für die angehenden Content Creators weitergegeben wird. Wer Interesse hat, kann sich hier schon mal voranmelden: influencerrelation@beyondinfluence.one

Manche Influencer kaufen ja auch Follower oder bedienen sich unlauterer Mittel, um ihre Werte zu boosten. Wie schätzt du Influencer Fraud ein?
Es gibt drei Arten von Influencer Fraud: zum einen die fake Followers, fake Engagement mit sogenannten Engagement Pods und zum anderen fake Einkäufe. Die Annahme, dass Influencer Fraud eher die Ausnahme ist, ist falsch. Es gibt hier schon ein paar Erhebungen, dank SaaS Anbieter, die social Media Accounts analysieren können. Dabei sind es die Unternehmen, die die leidtragenden sind. Im Jahr 2019 soll Influencer Fraud Marken bis zu 1,3 Milliarden Dollar gekostet haben. Weltweit. Es sollen demnach fast 70 Prozent der Mega Influencer, also Influencer mit über einer Million Abonnenten, in Influencer Betrug involviert gewesen sein. 2020 sollen es noch etwa 55 Prozent gewesen sein. Man sieht also, wir haben ein Problem, denn Influencer Marketing funktioniert und Fraud wirft ein schlechtes Licht auf die Branche. Für mittelständische Unternehmen mit kleineren Marketingbudgets kann das ruinös sein, wenn sie Influencer Fraud zum Opfer fallen.

Die Social Media Netzwerke selbst haben diese Problematik auch erkannt und Instagram als auch Twitter haben großangelegte Reinigungsaktionen durchgeführt, und geflaggte Accounts gelöscht. Welches Strategie- und Kampagnen-Know-how sollten Influencer mitbringen, um Kunden interessante Kooperationen vorschlagen zu können?
Es ist ganz wichtig, dass Influencer:innen verstehen, was Marken mit einer Kooperation bezwecken wollen. Da gibt es auf der Markenseite verschiedene Arten von Kampagnen: Awareness Kampagnen, bei denen es darum geht, ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Event so vielen Menschen wie möglich nahe zu bringen. Hierfür werden sehr oft Influencer:innen mit einer großen Abonnentenzahl in Betracht gezogen. Dann gibt es noch sogenannte Conversion Kampagnen, wo der Abverkauf im Vordergrund steht. Micro und Nano Influencerinnen können hier gute Kampagnen Partner sein. Je nach Strategie und den speziellen Umständen kann eine Kampagne mehrere Stränge haben. Diese schließen Content auf verschiedenen Plattformen ein, Blogposts, Marken Account Takeovers und, und, und. Die Liste ist endlos und vielgestaltig. Influencer:innen sollten selbst ein gutes Marketing Verständnis haben, nicht nur im Hinblick auf gute Brand Partnerschaften, sondern auch, um sich selbst gut vermarkten zu können.

Welches sind die Vorbehalte und Mutmaßungen über Influencer, die dringend ausgeräumt werden sollten?
Für mich sind es einige Aspekte: allen voransteht, dass es einfach ist, Selfies von sich als Jetsetter in schicken Klamotten zu machen und auch noch viel Geld zu verdienen. Das Influencer:innen Dasein ist hart, mühsam und einsam. Es gehört eine Riesenportion an Kreativität, digitales und auch unternehmerisches Wissen, sowie Durchhaltevermögen dazu. Man neigt immer dazu, den Menschen Expertise abzusprechen, wenn man denkt, dass man das auch selber machen kann. Das ist das zweischneidige Schwert der Demokratisierung des Berühmt-Werdens. Das zweite ist, dass immer noch viele glauben, dass Influencer Marketing kurzlebig ist. Dem ist nicht so. Ganz besonders durch Covid hat sich bewiesen, dass Influencer Partnerschaften die einzig erfolgreiche Markenkommunikation von Unternehmen waren, während viele Kreativ-Agenturen ihre Werbekampagnen Produktionen einstellen mussten. Influencer:innen haben sich blitzschnell auf die neuen Gegebenheiten umgestellt und sich an die Bedürfnisse ihrer Audience mit authentischem Content, der nicht wie ein Bilderbuch aussah, angepasst. Diese Agilität ist beispiellos und zeigt, wie auch Unternehmen agieren sollten. Drittens, der Mythos, dass Influencer Marketing nur bei der jüngeren Generation funktioniert. Influencer Marketing ist nichts neues. Die Disziplin gibt es seit Jahrzehnten in der Form von Marken Kooperationen zwischen Promis, Berühmtheiten aus Sport und Unterhaltung und sogar Kreationen wie der Weihnachtsmann (Coca-Cola Werbung). Durch das Smartphone und die Etablierung von Social Media Plattformen hat sich die Profession Influencer, entstanden ursprünglich durch Blogger, dann endlich etabliert. Das ist mittlerweile schon über eine Dekade her. Die Follower und Abonnenten von damals sind mittlerweile auch nicht mehr die jüngsten, aber immer noch zum großen Teil ihren Influencer:innen treu. Und nicht zuletzt die Annahme, dass Influencer:innen eine große Anzahl an Abonnenten haben müssen, um für Marken effektiv zu sein, ist völlig falsch. Jede Kategorie, von Nano, über Micro zu Macro und Mega Infuencer:innen hat seine Berechtigung. Wichtig ist für eine Marke, welches Budget sie zur Verfügung hat, welche Ziele sie mit der Kampagne verfolgt und wie professionell die Kampagne aufgesetzt wird bis hin zum Reporting und Benchmarking. Das erfordert wirklich gute Expertise und hiermit nun ein letzter Mythos – Influencer Marketing kann nicht von Praktikanten durchgeführt werden.

In welchen Bereichen erachten Sie als besonders interessant für das Influencer Marketing?
Dieselben Nischen, wie wir sie auch schon heute finden. Das kann Nachhaltigkeit sein, altersfokussierte Themen, Petfluencer, Sinnfluencer, nach wie vor Gaming und Fitness, sowie Beauty und Food. Aber auch Finanzen, DYI, Family, Fashion, Beauty, Travel bis hin zu Religion. Die Nische, die ich als neue hier sehe sind Metaverse Influencers. Ein ganz spannendes Thema.

Wie fange ich heute als Student:in mit dem Thema an, wen ich mir das Thema von der Pike aus erschließen will?
Als Influencer:in stehen dir viele Türen offen auf deinem weiteren Berufsweg. Die Bandbreite kann von der Entwicklung von eigenen Produkten, über Influencer Marketing und Social Media Manager bei großen Marken bis natürlich auch Inhaber von Agenturen gehen. Ein sehr gutes Wissen darüber, wie die Social Media Plattformen funktionieren, ein Interesse an der Industrie, ein gutes Gespür für Trends, Ausdauer und Detail Besessenheit sollte man mitbringen. Wenn man das Ziel eine Agentur aufzumachen hat, muss man nicht unbedingt Influencer sein, denn andere Aspekte spielen hier dann noch eine größere Rolle. Aber eine Grundvoraussetzung ist ein fundiertes Wissen darüber, wie die Sozialen Netzwerke funktionieren, wie Marketing im Allgemeinen aussieht und was so eine Influencer Marketing Agentur eigentlich macht. Unternehmerisches Denken, sowie einen langen Atem sind von Nöten, um auch mal Trockenperioden zu überstehen. Dasselbe gilt für Influencer Talent Agenturen, wobei hier dann natürlich noch weitere Aspekte reinspielen.

 

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